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Höchstes Antikorruptionsgericht zwingt Nationalbank zur Untersuchung blockierter Kautionen

Eine Gruppe von Menschenrechtsorganisationen hat die Nationalbank der Ukraine aufgefordert, die Blockierung von Kautionszahlungen auf Konten des Höchsten Antikorruptionsgerichts (HACC/ВАКС) zu stoppen. Am 24. September gab ein ermittelnder Richter des Gerichts einer Beschwerde der Verteidigung der ehemaligen stellvertretenden Leiterin des Präsidialamts, Iryna Mudra, statt und ordnete die NBU auf, binnen 24 Stunden zu prüfen, ob Banken diese Zahlungen rechtswidrig ablehnen.

Das Wichtigste

  • Sechs Menschenrechtsorganisationen – darunter die Charkiver Menschenrechtsschutzgruppe, das Ukrainische Institut für Menschenrechte, das Zentrum für bürgerliche Freiheiten und der Helsinki-Menschenrechtsverbund – forderten die NBU zum Handeln auf.
  • Am 24. September gab ein ermittelnder Richter des HACC der Beschwerde von Iryna Mudra statt und ordnete der NBU an, binnen 24 Stunden zu prüfen, ob Banken Kautionszahlungen blockieren.
  • Bei unbegründeten Ablehnungen muss die NBU Maßnahmen ergreifen, um die Kautionszahlungen zu ermöglichen, und ihre Korrespondenz mit Banken sowie Berichte über Massenablehnungen vorlegen.
  • Die Entscheidung ist rechtskräftig und nicht anfechtbar.
  • Banken lehnen laut Menschenrechtlern auch kleine Zahlungen (10, 100, 1.000 Hrywnja) ab, sobald der Verwendungszweck das Wort „застава/Kaution" enthält und Empfänger ein HACC-Konto ist.
  • Mudra wurde eine Kaution von 20 Mio. Hrywnja auferlegt; sie konnte nur 5 Mio. aus eigenen Mitteln einzahlen, bevor ihre Konten gesperrt wurden; ihr Ehemann scheiterte ebenfalls an Bankablehnungen.
  • Die NBU erklärt, es gebe „keine manuellen Eingriffe" und nennt Berichte, wonach 15 Banken „nach einem Anruf der NBU" Zahlungen verweigerten, absurd – Banken verweisen Berichten zufolge informell auf NBU-Empfehlungen.

Warum es wichtig ist

Die Entscheidung verpflichtet die Zentralbank, die Praxis der Banken zu untersuchen, Kautionszahlungen an das HACC abzulehnen – ein Vorgang, der nach Darstellung von Menschenrechtlern das Recht auf Kaution zur Fiktion macht und gegen die Europäische Menschenrechtskonvention sowie die ukrainische Verfassung verstoßen könnte. Der Streit betrifft Beschuldigte in den prominentesten Antikorruptionsverfahren des Landes, darunter die ehemalige stellvertretende Leiterin des Präsidialamts Iryna Mudra und den Abgeordneten Vadym Stoliar, und wirft Fragen über möglichen Druck auf die Antikorruptionsgerichte auf. Da die Entscheidung rechtskräftig und nicht anfechtbar ist, ist die NBU binnen 24 Stunden zum Handeln gezwungen.

Was geschehen ist

Am 24. September gab ein ermittelnder Richter des Höchsten Antikorruptionsgerichts (ВАКС) der Beschwerde der Verteidigung von Iryna Mudra statt, mit der diese die Weigerung von Banken anfocht, Kautionszahlungen auf das Gerichtskonto zu verarbeiten. Das Gericht stellte fest, dass diese Praxis die Rechte der Inhaftierten verletzen kann, und ordnete der Nationalbank der Ukraine (NBU) an, binnen 24 Stunden zu prüfen, ob Banken solche Zahlungen blockieren. Sollten die Ablehnungen unbegründet sein, muss die NBU Maßnahmen zur Durchführung der Zahlungen ergreifen und dem Gericht sowie der Verteidigung ihre gesamte Korrespondenz und Empfehlungen an Banken zu „Kautions"-Zahlungen sowie Berichte über Massenablehnungen übermitteln. Die Entscheidung ist rechtskräftig und nicht anfechtbar.

Die Beschwerde steht im Kontext einer gemeinsamen Erklärung von sechs Menschenrechtsorganisationen – darunter die Charkiver Menschenrechtsschutzgruppe, das Ukrainische Institut für Menschenrechte, das Zentrum für bürgerliche Freiheiten, die Bürgergemeinschaft Helsinki-Menschenrechtsunion, die Stiftung „Mensch und Recht" sowie die allukrainische Wohltätigkeitsorganisation „Ukrainische Rechtshilfestiftung". Sie beschreiben eine „inadmissible practice", in der Gerichte Kautionen festsetzen, Banken die Annahme jedoch verweigern und Beschuldigte trotz gerichtlicher Entscheidung in Untersuchungshaft bleiben. Betroffen sind auch kleine Beträge von 10, 100 oder 1.000 Hrywnja sowie Zahlungen von Anwälten und Angehörigen. Mudra selbst konnte nur 5 Mio. Hrywnja aus eigenen Mitteln einzahlen, bevor ihre Konten gesperrt wurden; ihr Ehemann scheiterte beim Versuch, den Restbetrag zu überweisen. Im selben Komplex wurde dem Abgeordneten Vadym Stoliar nach eigenen Angaben die Zahlung einer Kaution von 300 Mio. Hrywnja verweigert; in einigen Fällen kündigten Banken zudem ihre Dienstleistungsverträge mit ihm.

Wo die Berichte auseinandergehen

Banken und die NBU widersprechen sich in der Darstellung der Ursache der Ablehnungen: Laut Quellen von ZN.UA berufen sich Banken intern auf Empfehlungen oder Weisungen der NBU; die NBU erklärt öffentlich, es gebe „keine manuellen Eingriffe" und sie blockiere selbst keine Zahlungen, und bezeichnet Berichte, wonach 15 Banken „nach einem Anruf der NBU" Zahlungen verweigerten, als absurd.

Die Abgeordnete Olha Vasylevska-Smahliuk bezweifelt die Vollstreckbarkeit der gerichtlichen Anordnung gegenüber der NBU und verweist auf frühere Entscheidungen der Großen Kammer des Obersten Gerichts (u. a. Urteil vom 23. Mai 2018 in der Sache Nr. 243/6674/17) sowie der Kasse-Strafkammer, wonach die Strafprozessordnung keine Ermittlungsrichteranordnung zur Durchführung einer Überprüfung vorsehe.

Menschenrechtler und Verteidiger benennen als alleinigen Auslöser der Ablehnungen, dass der Verwendungszweck das Wort „застава/Kaution" enthält und das Empfängerkonto ein HACC-Konto ist; Banken führen als offizielle Rechtsgrundlage demgegenüber „interne Vorschriften" an.

Hintergrund

Am 19. August stellten NABU und SAP die Sonderoperation „Forrest Gump" vor, die sie als Aufdeckung eines groß angelegten Korruptionsschemas beschreiben, einschließlich der mutmaßlichen Übernahme der staatlichen Sense Bank und der Legalisierung von 150 Mio. Hrywnja zur Stellung einer Kaution für einen Beschuldigten in der „Midas"-Sache (in einem Fakt benannt als ehemaliger Energie- und Justizminister Herman Halushchenko). Figuren in der „Forrest Gump"-Sache sind neben der ehemaligen stellvertretenden Leiterin des Präsidialamts Iryna Mudra und dem amtierenden Abgeordneten Vadym Stoliar auch der ehemalige Abgeordnete Maksym Mykytas, Valentyn Yelizarov und der Generaldirektor für Rechtsfragen im Präsidialamt, Viktor Dubovyk. Noch am 19. August unterzeichnete Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Dekret zur Entlassung Mudras. Am 25. August wählte das HACC für Mudra Untersuchungshaft mit einer alternativen Kaution von 20 Mio. Hrywnja als Vorbeugemaßnahme; SAP-Staatsanwälte erklärten, sie verfüge mutmaßlich über Vermögenswerte von mehr als 250 Mio. Hrywnja und hätten eine Kaution von 150 Mio. Hrywnja beantragt.