Russischer Kombiangriff auf Kyjiw-Region: Irpin schwer getroffen, Planta Plastyk-Fabrik erneut zerstört
In der Nacht zum 19. Oktober hat Russland die Oblast Kyjiw mit einem kombinierten Angriff aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen angegriffen. In Irpin wurde die wiederaufgebaute Polymerfabrik Planeta Plastyk direkt getroffen und schwer beschädigt. Im Verlauf des Vormittags stieg die Zahl der Verletzten in Irpin auf 19, darunter neun Kinder; eine Frau kam ums Leben. Auch im Bezirk Butscha und im Bezirk Wyschhorod wurden Wohnhäuser, Fahrzeuge und Infrastruktur beschädigt.
Das Wichtigste
- Russland griff die Oblast Kyjiw in der Nacht zum 19. Oktober mit Iskander-M/S-400-Ballisticraketen, Iskander-K-Marschflugkörpern und 269 Kampfdrohnen an; die ukrainische Luftabwehr schoss 243 Drohnen und 4 Marschflugkörper ab.
- In Irpin wurde die Planeta-Plastyk-Fabrik, die nach ihrer vollständigen Zerstörung im Jahr 2022 erst im September 2025 neu eröffnet worden war, direkt von russischen Raketen getroffen; es brach ein Großbrand aus.
- Die Zahl der Verletzten in Irpin stieg im Tagesverlauf von anfangs sechs (darunter drei Kinder) auf 17 (acht Kinder) um etwa 11:00 Uhr und schließlich auf 19 (neun Kinder); eine Frau wurde getötet.
- In Irpin wurden 84 bis 86 Objekte beschädigt, darunter rund 70 Privathäuser, vier bis fünf Mehrfamilienhäuser, sechs bis sieben Autos sowie Produktions- und Lagerräume.
- Im Bezirk Butscha wurden elf Privathäuser, sechs Autos, ein Produktions- und ein Lagergebäude sowie eine Bildungseinrichtung beschädigt; im Bezirk Wyschhorod ein Privathaus, fünf Autos und ein Infrastrukturobjekt.
- In Kyjiw selbst wurden in einem separaten Raketenangriff in der gleichen Nacht ein Mensch getötet und acht verletzt; Zerstörungen wurden in drei Stadtbezirken gemeldet.
- Die im Bezirk Irpin ansässige Wasseraufbereitungsanlage Ecosoft (mehrheitlich im Besitz der österreichischen BWT AG) wurde vermutlich ebenfalls getroffen; eine offizielle Bestätigung oder ein Dementi des Unternehmens lag zunächst nicht vor.
Warum es wichtig ist
Der Angriff traf mit Planeta Plastyk ein ukrainisches Privatunternehmen, das bereits 2022 vollständig zerstört und erst im September 2025 neu eröffnet worden war – die Zerstörung markiert einen erneuten Schlag gegen den Wiederaufbau der ukrainischen Industrie. Gleichzeitig richtete der Angriff erhebliche Schäden in Wohngebieten an: Verletzte darunter zahlreiche Kinder, eine getötete Frau, eine beschädigte Schule und ein Kindergarten. Irpin, das bereits zu Beginn der russischen Vollinvasion schwer getroffen wurde, geriet damit erneut ins Zentrum eines nächtlichen kombinierten Raketen- und Drohnenangriffs auf die ganze Oblast. Die Vermutung, auch die im Besitz der österreichischen BWT AG befindliche Ecosoft-Anlage sei getroffen worden, weitet die Dimension auf ausländische Wirtschaftsinteressen aus.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 19. Oktober führte Russland einen kombinierten Angriff auf die Oblast Kyjiw mit Iskander-M/S-400-Ballisticraketen, Iskander-K-Marschflugkörpern und 269 Drohnen aus; die Luftabwehr schoss nach Angaben der Luftwaffe 243 Drohnen und 4 Marschflugkörper ab. Der schwerste Treffer in der Region wurde in Irpin verzeichnet: Gegen 6:48 Uhr schlug nach Angaben des ehemaligen Bürgermeisters Oleksandr Markuschyn ein ballistischer Angriff in einem der größten Unternehmen der Stadt ein. Die Polymer- und Verpackungsfabrik Planeta Plastyk, die 2022 während der Besetzung Irpins vollständig zerstört und im September 2025 neu eröffnet worden war, bestätigte auf Facebook, dass russische Raketen ihre Produktionsanlagen direkt getroffen hätten; es brach ein Großbrand aus. Auch im Privatsektor löste herabfallender Schutt Brände und Verletzungen aus; die Druckwelle beschädigte nahegelegene Mehrfamilienhäuser, Fensterscheiben wurden herausgedrückt. Im Verlauf des Morgens stiegen die Opferzahlen: Anfangs waren sechs Verletzte, darunter drei Kinder, und drei Vermisste gemeldet; bis 11:00 Uhr wurde die Zahl mit 17 Verletzten (acht Kinder) und 84 beschädigten Objekten – darunter rund 70 Privathäuser, vier Mehrfamilienhäuser, sechs Autos und Produktions- bzw. Lagerräume – angegeben; später wurden 19 Verletzte (neun Kinder), 86 beschädigte Objekte und der Tod einer Frau gemeldet. Im Bezirk Butscha wurden elf Privathäuser, sechs Autos, ein Produktions- und ein Lagergebäude sowie eine Bildungseinrichtung beschädigt; im Bezirk Wyschhorod ein Privathaus, fünf Autos und ein Infrastrukturobjekt. In der Stadt Kyjiw selbst kamen bei einem separaten Raketenangriff in derselben Nacht ein Mensch ums Leben und acht wurden verletzt; Zerstörungen wurden in drei Stadtbezirken verzeichnet. Ukrainische Medien berichteten zudem, dass vermutlich auch die nahegelegene Wasseraufbereitungsanlage Ecosoft, eine mehrheitlich zur österreichischen BWT AG gehörende Tochtergesellschaft, betroffen sein könnte; eine offizielle Bestätigung oder ein Dementi des Unternehmens lag zunächst nicht vor.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Sämtliche herangezogenen Quellen sind ukrainische Medien und Behördenvertreter. Sie ordnen den Angriff übereinstimmend als russischen Angriff ein und betonen den kombinierten Charakter aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen. Die Berichterstattung stellt die humanitären Folgen für die Zivilbevölkerung in den Vordergrund – darunter die vielen verletzten Kinder, die getötete Frau, die beschädigte Schule und den Kindergarten, in Wohnviertel eingedrungene Trümmer und die wegen starker Rauchentwicklung an die Bewohner gerichtete Aufforderung, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Lokale Amtsträger wie die amtierende Bürgermeisterin Anzhela Makejewa, der ehemalige Bürgermeister Oleksandr Markuschyn, der stellvertretende Bürgermeister Oleksandr Paschtschynskyj, OVA-Leiter Tymur Tkachenko und die Stadtratsabgeordnete Mychajlyna Skoryk-Schkariwska werden als zentrale Informanten genannt. Planeta Plastyk wird mit ihrer Geschichte der Zerstörung 2022 und ihres Wiederaufbaus als Symbol ukrainischer Widerstandskraft behandelt; die Vermutung, dass auch Ecosoft (im Besitz der österreichischen BWT AG) getroffen worden sein könnte, wird als Angriff auf wiederaufgebaute ukrainische und ausländische Industrie gerahmt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Opferzahlen für Irpin stiegen im Laufe des Morgens deutlich an: Anfangs sprachen Meldungen von sechs Verletzten (darunter drei Kindern) und drei Vermissten; gegen 11:00 Uhr nannte OVA-Leiter Tymur Tkachenko 17 Verletzte (acht Kinder) und 84 beschädigte Objekte; spätere Updates bezifferten die Verletzten auf 19 (neun Kinder) und die beschädigten Objekte auf 86. Außerdem wurde später der Tod einer Frau in Irpin gemeldet. Offen bleibt zudem, ob der Hauptangriff auf das Industrieobjekt allein durch eine ballistische Rakete, allein durch eine Drohne oder durch eine Kombination erfolgte – Titel und Berichte sprechen teils von einem direkten Drohnentreffer, teils von einem ballistischen Treffer. Ungeklärt ist ferner, ob auch die benachbarte Ecosoft-Anlage betroffen war: Ukrainische Medien warfen die Möglichkeit auf, ein offizielles Statement des Unternehmens stand jedoch aus.
Hintergrund
Irpin war bereits zu Beginn der russischen Vollinvasion 2022 stark umkämpft; während der damaligen Besetzung wurde die Planeta-Plastyk-Fabrik vollständig zerstörten, der Schaden wurde auf rund 40 Millionen US-Dollar beziffert. Im September 2025 eröffnete das Unternehmen eine neue Produktionsstätte in Irpin; Ende August hatte Planeta Plastyk den Betrieb wegen der verschlechterten Sicherheitslage allerdings bereits unbefristet eingestellt. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Wasseraufbereitungsanlage Ecosoft, ein ukrainischer Hersteller von Wasserfiltersystemen, der seit 2018 mehrheitlich der österreichischen BWT AG gehört und 2022 ebenfalls schwere Schäden erlitten haben soll. Am Morgen des 19. Oktober wurde zunächst von einem Treffer auf eines der größten Unternehmen der Stadt berichtet, bevor Planeta Plastyk den Angriff auf seine Anlage selbst öffentlich bestätigte.