Anti-Korruptionszentrum: Ermittler kannte Vorwürfe gegen Skelia-Regiment seit März
Das ukrainische Anti-Korruptionszentrum (ЦПК) hat erklärt, die Staatliche Ermittlungsbehörde (ДБР) habe seit mindestens März 2026 von möglichen Straftaten im 425. Schützenregiment „Skelia" gewusst. Acht Schreiben des Büros des Militärombudsmanns zwischen März und Juni 2026 zu mutmaßlichen Foltervorwürfen und Todesfällen seien in sechs Fällen nicht in das Register vorgerichtlicher Ermittlungen aufgenommen worden. Erst nach einer Recherche von Babel am 23. Juni habe die ДБР Ermittlungen aufgenommen.
Das Wichtigste
- ЦПК: ДБР wusste spätestens seit März 2026 von möglichen Straftaten im 425. Schützenregiment „Skelia".
- Büro des Militärombudsmanns schickte zwischen März und Juni 2026 acht Schreiben an ДБР und Generalstaatsanwaltschaft.
- Vorwürfe: unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge, Drohungen mit Schusswaffen und Granaten, Freiheitsberaubung, Gewalt und Folter.
- In sechs von acht Fällen verweigerte die ДБР die Aufnahme ins ЄРДР und leitete die Unterlagen an die ВСП weiter.
- Am 23. Juni 2026 veröffentlichte Babel eine Recherche zu 25 Todesfällen Mobilisierter im Regiment.
- Am 24. Juni wurde Kommandeur Oberstleutnant Jurij Harkavyi vom Dienst suspendiert.
- Am 2. September wurde das 425. Regiment der 1. Garde-Korps „Asow" der Nationalgarde unterstellt.
Warum es wichtig ist
Die Vorwürfe deuten auf ein mögliches Versagen ukrainischer Strafverfolgungsbehörden hin, dokumentierten Hinweisen auf Folter und Todesfälle unter Mobilisierten nachzugehen. Der Fall hat strafrechtliche Ermittlungen, die Suspendierung des Kommandeurs und strukturelle Änderungen in der Kommandostruktur der Einheit ausgelöst. Skelia ist zu einem Bezugspunkt für die breitere Debatte geworden, wie Missstände in einzelnen Militäreinheiten untersucht und geahndet werden.
Was geschehen ist
Das Anti-Korruptionszentrum (ЦПК) erklärte, die Staatliche Ermittlungsbehörde (ДБР) habe seit mindestens März 2026 von möglichen Straftaten im 425. Schützenregiment „Skelia" gewusst. Nach Angaben von ЦПК verschickte das Büro des Militärombudsmanns zwischen März und Juni 2026 acht Schreiben an die ДБР und die Generalstaatsanwaltschaft. Diese Schreiben beschrieben mögliche Straftaten wie unterlassene medizinische Hilfe mit Todesfolge, Drohungen mit Schusswaffen und Kampfgranaten, unrechtmäßige Freiheitsberaubung, körperliche Gewalt und Folter. In sechs der acht Fälle habe die ДБР die Aufnahme ins Einheitliche Register vorgerichtlicher Ermittlungen (ЄРДР) mit der Begründung fehlender ausreichender Gründe verweigert und die Materialien an den Militärobservierungsdienst (ВСП) weitergeleitet. In einem Fall hatte die Schwester eines Soldaten gemeldet, ihr Bruder sei geschlagen und ohne medizinische Hilfe im Krankenhaus gestorben; der ДБР-Ermittler entschied, es fehlten Gründe für eine Registrierung im ЄРДР. Erst nach der Veröffentlichung der Babel-Recherche am 23. Juni 2026, die 25 Todesfälle von Mobilisierten im Regiment dokumentierte, habe die ДБР Ermittlungen aufgenommen. Am 24. Juni wurde der Kommandeur des 425. Regiments, Oberstleutnant Jurij Harkavyi, für die Dauer der Untersuchung vom Dienst suspendiert. Am 25. Juni bestätigte das Regiment 25 Todesfälle unter seinen Rekruten. Am 10. Juli meldete die ДБР die Festnahme eines Soldaten des Regiments wegen des Verdachts, einen Militärkaplan und einen Oberstleutnant geschlagen zu haben; am 11. Juli wurde er ohne Kaution festgenommen. Am 28. Juli informierte die ДБР zwei Sanitätssoldaten über den Verdacht, zwei Kameraden in der Oblast Kirowohrad geschlagen und unrechtmäßig festgehalten zu haben. Am 2. September wurde das 425. Regiment der operativen Unterstellung des 1. Korps der Nationalgarde „Asow" unterstellt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen sind sich in den wesentlichen Punkten einig, mit einer einzelnen Ausnahme: Babels erste Recherche berichtete von 25 Todesfällen Mobilisierter im 425. Regiment, während die Antwort des Regiments selbst 26 Todesfälle nannte. Das Regiment erklärte zudem, 18 dieser Todesfälle seien im Krankenhaus oder auf dem Weg dorthin eingetreten und auf Krankheiten und den Gesundheitszustand der Mobilisierten zurückzuführen – eine Einordnung, die im Widerspruch zur Darstellung von Babel und ЦПК steht.
Hintergrund
Am 23. Juni 2026 veröffentlichte Babel eine umfangreiche Recherche zu Folter im 425. Schützenregiment „Skelia" und 25 Todesfällen Mobilisierter in den vorhergehenden sechs Monaten. Das Regiment veröffentlichte eine öffentliche Antwort, in der es einige Darstellungen in den Medien zurückwies. Am 30. Juli berichtete die Publikation Teksty über ähnliche Vorwürfe im 225. Schützenregiment. Am 2. September wurde das 425. Regiment der 1. Garde-Korps „Asow" der Nationalgarde operativ unterstellt.