Ukrainisches Kabinett unterstützt Monument für Hetman Mazepa in Kiew
Das ukrainische Kabinett hat den Vorschlag des Kulturministeriums gebilligt, auf dem Taras-Schewtschenko-Boulevard in Kiew ein Denkmal für Hetman Ivan Mazepa zu errichten – an der Stelle, an der das abgetragene Lenin-Denkmal stand. Die Initiative stammt von Präsident Volodymyr Zelensky und wird per Präsidialerlass umgesetzt; ein offener Wettbewerb soll den Entwurf bestimmen.
Das Wichtigste
- Das Denkmal ist auf dem Taras-Schewtschenko-Boulevard geplant, am Ort des abgetragenen Lenin-Denkmals.
- Die Initiative geht auf Präsident Volodymyr Zelensky zurück, der sie am 28. Juni anlässlich des 30. Jahrestags der ukrainischen Verfassung angekündigt hatte.
- Grundlage ist Präsidialerlass Nr. 781 vom 21. August zur Würdigung des Hetman Ivan Mazepa.
- Ein offener Wettbewerb unter Federführung des Kulturministeriums, der Staatlichen Agentur für Kunst und Kunsterziehung sowie der Kiewer Stadtverwaltung soll den Entwurf bestimmen.
- Das Kulturministerium übernimmt die Auftraggeberschaft; Mittel kommen aus dem Kiewer Stadthaushalt und weiteren gesetzlich zulässigen Quellen.
- Die endgültigen Kosten werden nach Wettbewerb und Genehmigung der Auslegungs- und Kostendokumentation festgelegt.
Warum es wichtig ist
Das Vorhaben ersetzt ein sowjetisches Denkmal an prominenter Stelle im Zentrum Kiews durch ein Monument für eine zentrale Gestalt der ukrainischen Geschichte und ist damit Teil der breiteren Entkommunisierung. Da die Initiative vom Präsidenten ausgeht und per Erlass abgesichert ist, genießt sie höchste staatliche Rückendeckung. Zugleich setzt sie sich über den früheren Plan der Kiewer Stadtverwaltung hinweg, an derselben Stelle einen Brunnen zu errichten – zwischen Präsidialamt und Stadt entsteht damit ein Konflikt um die Nutzung des öffentlichen Raums.
Was geschehen ist
Die ukrainische Regierung hat den Vorschlag des Kulturministeriums gebilligt, auf dem Taras-Schewtschenko-Boulevard in Kiew ein Denkmal für Hetman Ivan Mazepa zu errichten. Vorgesehen ist der Standort des im Dezember 2013 abgetragenen Lenin-Denkmals. Die Idee stammt von Präsident Volodymyr Zelensky, der sie am 28. Juni während der Feiern zum 30. Jahrestag der ukrainischen Verfassung in der Kiewer Höhlenkloster-Lawra vorgestellt hatte. Präsidialerlass Nr. 781 vom 21. August trägt den Titel „Über die Würdigung des Andenkens des Hetman der Ukraine Ivan Mazepa" und bildet die formale Grundlage.
Vize-Regierungschefin und Kulturministerin Tetiana Berezhna erklärte, Mazepa sei eine der Schlüsselfiguren der ukrainischen Geschichte, deren Andenken im öffentlichen Raum Kiews angemessen geehrt werden solle. Die Gestaltung des Denkmals wird in einem offenen Wettbewerb ermittelt, den das Kulturministerium gemeinsam mit der Staatlichen Agentur für Kunst und Kunsterziehung und der Kiewer Stadtverwaltung organisiert. Auftraggeberin für Entwurf und Anfertigung ist das Kulturministerium; die Mittel für Aufstellung und Gestaltung des Umfelds sollen aus dem Kiewer Stadthaushalt kommen, weitere gesetzlich zulässige Quellen sind möglich. Die endgültigen Kosten werden nach Abschluss des Wettbewerbs und Genehmigung der Auslegungs- und Kostendokumentation festgelegt.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle vorliegenden Quellen sind ukrainischsprachige Medien. Sie rahmen die Entscheidung als staatlichen Akt der Ehrung einer zentralen Gestalt der ukrainischen Geschichte und ordnen sie in die Entkommunisierung ein. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen Präsident Zelensky, Kulturministerin Tetiana Berezhna und das Kabinett sowie der bürokratische Mechanismus – Erlass, ministerieller Wettbewerb, Finanzierung über den Kiewer Stadthaushalt. Gleichzeitig greifen die Artikel den früheren städtischen Plan für einen Brunnen als konkurrierende Vision für denselben Ort auf und zeichnen so eine innenpolitische Spannung zwischen Präsidialamt und Kiewer Bürgermeisteramt um die Nutzung des öffentlichen Raums nach.
Wo die Berichte auseinandergehen
In der Frage der künftigen Gestaltung des Standorts stehen sich zwei Positionen gegenüber: Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko und die Kiewer Stadtverwaltung hatten einen Brunnen auf dem Gelände des abgetragenen Lenin-Denkmals favorisiert und dies als „neutralste Lösung" für den öffentlichen Raum bezeichnet. Die nun vom Kabinett unterstützte Präsidialinitiative setzt sich mit einem Mazepa-Denkmal über diese städtische Planung hinweg.
Hintergrund
Das Lenin-Denkmal an der Ecke Taras-Schewtschenko-Boulevard und Chreschtschatyk war im Dezember 2013 von Teilnehmern des Euromaidan gestürzt worden. Pläne für ein Mazepa-Denkmal in Kiew gab es bereits 2008 unter Präsident Viktor Juschtschenko, wurden aber nie umgesetzt. Im April 2026 hatte die Kiewer Stadtverwaltung angekündigt, auf dem Gelände einen Brunnen anzulegen und entsprechende Skizzen vorgestellt – was unter anderem der Leiter des Ukrainischen Instituts für Nationales Gedenken, Oleksandr Alfyorow, als „gefährlich" kritisierte. In der Ukraine existiert ein vollwertiges Mazepa-Denkmal bislang nur in Poltawa; Büsten gibt es unter anderem in Tschernihiw. Die Russisch-Orthodoxe Kirche hatte Mazepa 1708 auf Betreiben von Zar Peter I. mit einem Anathema belegt; in Russland wird er als „Verräter" bezeichnet.