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Syrskyj verteidigt Kursk-Offensiv: „notwendig“ und moralischer Aufschwung für die ukrainischen Streitkräfte

Der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj, hat in einem Interview mit dem ukrainischen Dienst der BBC die Kursk-Offensive von 2024 als notwendiges und erfolgreiches Manöver verteidigt. Nach seinen Angaben billigte Präsident Wolodymyr Selenskyj den Vorstoß; innerhalb eines Monats habe die Ukraine 1.273 Quadratkilometer russisches Territorium unter ihre Kontrolle gebracht. Syrskyj räumte zugleich ein, dass russische Truppen im selben Zeitraum rasch Richtung Pokrowsk vorrückten.

Das Wichtigste

  • Ehemaliger Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj bezeichnete die Kursk-Operation in einem BBC-Interview vom 13. Oktober als „notwendig".
  • Nach Syrskyjs Angaben billigte Präsident Wolodymyr Selenskyj die Entscheidung für die Offensive.
  • Innerhalb eines Monats brachten die ukrainischen Verteidigungskräfte 1.273 Quadratkilometer russisches Territorium unter ihre Kontrolle.
  • Syrskyj erklärte, Russland sei gezwungen worden, seine Offensiven auf allen operativ-strategischen Richtungen außer Pokrowsk zu stoppen.
  • Russland habe rund 70.000 Soldaten – darunter Luftlandetruppen, Marines und motorisierte Schützen – Richtung Kursk verlegt.
  • Gleichzeitig konzentrierte Russland laut Syrskyj fast 100.000 Soldaten auf die Richtung Pokrowsk, und die BBC-Journalistin stellte fest, dass die russischen Truppen dort rasch vorrückten.
  • Syrskyj sagte, die Operation habe der Moral der ukrainischen Truppen einen deutlichen Schub gegeben und Zeit zur Vorbereitung von Offensivhandlungen 2025 verschafft.

Warum es wichtig ist

Das Interview liefert eine offizielle Begründung des früheren Oberbefehlshabers für die umstrittene Entscheidung, im Sommer 2024 in Kursk offensiv vorzugehen, statt die Richtung Pokrowsk zu verstärken. Syrskyj beziffert das Kräfteverhältnis – rund 100.000 russische Soldaten bei Pokrowsk gegenüber etwa 70.000, die Russland Richtung Kursk umverteilte – und die territoriale Ausbeute von 1.273 Quadratkilometern innerhalb eines Monats. Zugleich räumt er ein, dass russische Truppen im selben Zeitraum rasch Richtung Pokrowsk vorrückten, was die anhaltende strategische Debatte über Erfolg und Preis der Operation neu beleuchtet.

Was geschehen ist

Oleksandr Syrskyj, ehemaliger Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, gab dem ukrainischen Dienst der BBC ein am Dienstag, den 13. Oktober, veröffentlichtes Interview. Darin bezeichnete er die Kursk-Offensive von 2024 als „notwendig" und bekräftigte, Präsident Wolodymyr Selenskyj habe die Entscheidung für den Vorstoß gebilligt. Nach seinen Angaben eröffnete Russland im Sommer 2024 nach Lohnerhöhungen und Truppenaufstockungen Offensiven auf allen 13 operativen Richtungen, wobei es auf einigen über eine 4,5- bis 6-fache Überlegenheit verfügte. Die Richtung Sumy sei gewählt worden, weil Russland die dortigen 26.000 Mann für einen erfolglosen Vorstoß Richtung Charkiw abgezogen hatte; die russische Grenzverteidigung in Kursk sei schwach gewesen und größtenteils von Wehrpflichtigen gehalten worden, deren Bataillone teils 10 bis 12 Kilometer Front abdeckten. Laut Syrskyj nahmen drei unvollständige Luftsturm-Brigaden und zwei Sturm-Bataillone an der Operation teil, von denen nur eine Brigade in voller Stärke angriff, während zwei Brigaden zunächst mit je zwei Bataillonen vorgingen. Innerhalb eines Monats brachten die ukrainischen Verteidigungskräfte 1.273 Quadratkilometer russisches Territorium unter ihre Kontrolle. Syrskyj erklärte, Russland habe rund 70.000 Soldaten – darunter Luftlandetruppen, Marines und motorisierte Schützen – aus anderen Richtungen Richtung Kursk verlegt, und sei dadurch gezwungen gewesen, seine Offensiven auf allen operativ-strategischen Richtungen außer Pokrowsk zu stoppen. Die BBC-Journalistin hielt dem entgegen, dass die russischen Truppen in derselben Phase rasch Richtung Pokrowsk vorrückten. Syrskyj schätzte, eine Verstärkung von Pokrowsk mit den in Kursk eingesetzten Brigaden hätte an der dortigen Lage gegen die 100.000 Mann starke russische Gruppierung nichts geändert. Er bezeichnete die Operation als moralischen Aufschwung für die ukrainischen Truppen und als „Rettung", die Russlands Pläne durchkreuzt und den ukrainischen Streitkräften Zeit zur Umgruppierung und Vorbereitung von Offensivhandlungen 2025 verschafft habe.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Beide ukrainischen Medien – Ukrajinska Prawda und NV – stellen den ehemaligen Oberbefehlshaber als Quelle in den Mittelpunkt und übernehmen weitgehend sein Narrativ. Sie betonen die operativen Erfolge der Kursk-Offensive – die territorialen Gewinne, den gestoppten russischen Vormarsch und den moralischen Aufschwung – sowie die strategische Begründung dafür, die Richtung Pokrowsk nicht zu verstärken. Eine kritische oder konfrontative Gegenposition ist in keinem der beiden Artikel erkennbar; die Berichterstattung deckt sich eng mit der Darstellung des Sprechers.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die beiden ukrainischen Artikel verwenden unterschiedliche Transliterationen des Nachnamens des Sprechers („Syrsky" bei Ukrajinska Prawda, „Syrskyi" bei NV) und legen etwas unterschiedliche Schwerpunkte darauf, was die Kursk-Operation erreicht hat und was sie an der Richtung Pokrowsk gekostet hat. Inhaltlich widersprechen sie sich jedoch nicht: Die Angaben zu Truppenzahlen, territorialen Gewinnen und dem russischen Vorrücken bei Pokrowsk stimmen überein.

Hintergrund

Das Interview wurde am 13. Oktober veröffentlicht. Die Entscheidung für die Offensive in der Richtung Kursk billigte Präsident Wolodymyr Selenskyj. Berichten zufolge begann Russland im Sommer 2024 nach Lohnerhöhungen und Truppenaufstockungen verstärkte Offensiven auf allen 13 operativen Richtungen. Die Richtung Sumy/Kursk wurde unter anderem deshalb gewählt, weil Russland von dort Truppen für einen erfolglosen Vorstoß Richtung Charkiw abgezogen hatte, sodass eine vergleichsweise schwache, größtenteils von Wehrpflichtigen gehaltene Grenzverteidigung zurückblieb.