Frachtschiff Khoryv nach Drohnenangriff in Schwarzmeer gesunken
Am 23. Oktober sank das Frachtschiff Khoryv im Schwarzen Meer etwa 24 Kilometer vor Constanta. Ein Besatzungsmitglied starb, neun Menschen wurden lebend geborgen und drei galten weiterhin als vermisst. Laut rumänischen Behörden war das Schiff von einem Drohnenangriff betroffen, die genaue Ursache war zunächst nicht abschließend geklärt.
Das Wichtigste
- Khoryv befand sich am 23. Oktober um 10:00 Uhr rund 13 Seemeilen vor Constanta, außerhalb rumänischer Hoheitsgewässer.
- An Bord waren laut rumänischen Behörden 13 Besatzungsmitglieder: zehn ukrainische Staatsbürger und drei aus Aserbaidschan.
- Rettungskräfte bargen neun Menschen lebend sowie die Leiche eines Besatzungsmitglieds.
- Drei Besatzungsmitglieder galten weiterhin als vermisst; ihre Suche lief fort.
- Das Schiff fuhr unter der Flagge der Komoren und fuhr vom türkischen Hafen Ereğli nach Sulina.
- Rumänische Behörden meldeten, Khoryv sei von einem Drohnenangriff getroffen worden; das Innenministerium nannte die Brandursache nicht näher.
- NATO kündigte zusätzliche Patrouillenflugzeuge, Radarsysteme und Drohnen zur Überwachung im Schwarzen Meer an.
Warum es wichtig ist
Der Untergang kostete einen Seemann das Leben, neun Menschen wurden gerettet und drei blieben vermisst. Die Attacke verdeutlicht, dass die Gefährdung ziviler Schifffahrt im Schwarzen Meer über ukrainische Häfen hinausreicht und die Freiheit der Seefahrt, kritische Infrastruktur sowie globale Lebensmittelversorgung bedroht. Als ReaktionankündigteNATO eine Verstärkung der Überwachung, während das Europäische Parlament eine mögliche militärisch-marine Operation der EU zur Debatte stellte.
Was geschehen ist
Am Morgen des 23. Oktober erhielt das rumänische maritime Koordinationszentrum um 10:00 Uhr einen Notruf. Das Frachtschiff Khoryv befand sich in schlechtem Zustand etwa 13 Seemeilen beziehungsweise rund 24 Kilometer vor Constanta und außerhalb rumänischer Hoheitsgewässer. Auf dem unter der Flagge der Komoren fahrenden Schiff befanden sich nach Angaben der Behörden 13 Menschen, darunter zehn ukrainische Staatsbürger. Nach dem Notruf starteten rumänische Rettungsschiffe des Seerettungsdienstes und des Innenministeriums die Suche. Wegen schlechten Wetters und geringer Sicht konnte kein Hubschrauber eingesetzt werden. Die Retter bargen neun Menschen lebend und fanden die Leiche eines weiteren Besatzungsmitglieds; drei Personen galten weiterhin als vermisst. Das Schiff fuhr vom türkischen Hafen Ereğli zur rumänischen Hafenstadt Sulina und sollte dort am Samstag eintreffen. Es handelte sich um ein 43 Jahre altes Bulk-Carrier-Schiff für den Transport von Erz beziehungsweise Öl.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Berichte stellen vor allem die ukrainischen Seeleute an Bord, den Tod eines ukrainischen Matrosen und die Suche nach den Vermissten in den Mittelpunkt. Sie verweisen zugleich auf den Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und darauf, dass Angriffe auf die zivile Schifffahrt nun über ukrainische Häfen hinausreichen. Zudem betonen sie Verletzungen des Völkerrechts, Gefahren für die globale Lebensmittelversorgung sowie die europäische Reaktion, darunter verstärkte NATO-Überwachung und die Debatte über eine EU-Seeoperation.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Internationale und europäische Darstellungen konzentrieren sich auf Rumäniens Sicherheitsreaktion, die Zusammenarbeit mit Bulgarien und der Türkei, zusätzliche NATO-Ausrüstung und die vorgeschlagene Bildung eines gemeinsamen Kommandos im Schwarzen Meer. EU-Vertreter bezeichnen die Attacke als russische Eskalation und Verstoß gegen das Völkerrecht, betonen zugleich, dass Europa eine weitere Eskalation vermeiden und ruhig auf hybride Bedrohungen vorbereitet sein sollte. Der Vorfall wird außerdem als Gefahr für die Seefahrt, kritische Infrastruktur und die globale Lebensmittelversorgung eingeordnet.
Wo die Berichte auseinandergehen
Bei Flagge und Besatzungszahl bestehen Abweichungen: Rumänische Behörden und die meisten Berichte nennen die Flagge der Komoren und 13 Besatzungsmitglieder, während eine Quelle die Caymaninseln und 14 Personen nannte. Beim Unglücksursprung beriefen sich rumänische Seebehörden und Beamte zunächst auf einen Drohnenangriff, das rumänische Innenministerium erklärte jedoch die Ursache des Brandes nicht abschließend.
Hintergrund
In den Wochen vor dem Untergang griffen Drohnen im Schwarzen Meer elf Frachtschiffe an, von denen sieben nahe Rumänien registriert wurden. Am 14. Oktober wurde der Tanker Yara J bei Sulina angegriffen, am 15. Oktober geriet der Tanker Wine Trader in Brand, auf dem sich 12 Seeleute befanden; fünf wurden gerettet, sieben galten als vermisst. Am 17. Oktober schossen rumänische F-16 zwei Drohnen ab, die den rumänischen Luftraum über dem Schwarzen Meer verletzt hatten. Bereits im Juli hatte Rumänien drei Drohnen nahe der ukrainischen Grenze abgeschossen und anschließend einen Mitarbeiter der russischen Botschaft zur persona non grata erklärt.