Drohnenangriffe auf zwei Handelsschiffe vor Bulgariens Küste – ein Schiff gesunken
In der Nacht zum 13. Oktober haben Drohnen zwei Handelsschiffe im Schwarzen Meer vor der bulgarischen Küste angegriffen. Das maltesische, in Odessa registrierte Frachtschiff CHELSEA 3 wurde nach Behördenangaben von drei Drohnen getroffen; alle 15 Besatzungsmitglieder – sieben Ukrainer und acht Aserbaidschaner – wurden nach Warna evakuiert. Ein zweites Schiff sank rund 17 Seemeilen östlich des Dorfes Krapets, von dem bislang ein Besatzungsmitglied gerettet werden konnte. Der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radev kündigte an, die russische Botschafterin Eleonora Mitrofanova vorzuladen und mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte Gespräche zu führen. Eine formale Zuordnung der Angriffe zu einem Staat gibt es laut Radev bisher nicht; die „Logik des Geschehens“ spreche jedoch dafür, dass Russland davon profitiere. Die Ukraine und die EU-Kommission verurteilten die Angriffe.
Das Wichtigste
- Drohnenangriffe in der Nacht zum 13. Oktober auf zwei Handelsschiffe vor der bulgarischen Schwarzmeerküste; ein Schiff sank.
- Die CHELSEA 3 (Flagge Maltas, Registrierung Odessa, ukrainischer Eigentümer) wurde rund 18 Seemeilen (ca. 33 km) östlich von Byala von drei Drohnen getroffen.
- Alle 15 Besatzungsmitglieder der CHELSEA 3 – sieben Ukrainer, acht Aserbaidschaner – wurden nach Warna evakuiert; fünf wurden wegen leichter Verletzungen behandelt.
- Ein zweites Schiff sank rund 17 Seemeilen (ca. 31 km) östlich von Krapets; ein Besatzungsmitglied wurde gerettet.
- Bulgarischer Ministerpräsident Rumen Radeev will die russische Botschafterin Eleonora Mitrofanova vorladen und mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte sprechen; Bulgarien wandte sich an EU und NATO.
- Radev erklärte, es gebe keine eindeutigen Beweise für die Urheberschaft; die „Logik des Geschehens“ deute darauf hin, dass Russland von den Angriffen profitiere.
- Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte stärkere Sanktionen gegen Russland und entschlossene Schritte zum Schutz der Freiheit der Schifffahrt; die EU-Kommissionspräsidentin verurteilte die Angriffe.
Warum es wichtig ist
Die Angriffe trafen die Hoheitsgewässer eines NATO-Mitglieds und lösten diplomatische Schritte Bulgariens aus, darunter die Vorladung der russischen Botschafterin und eine Anfrage an EU und NATO zur Unterstützung bei den Ermittlungen. Da eines der beschädigten Schiffe ukrainischen Eigentümern gehört und Teile der Besatzung ukrainische und aserbaidschanische Staatsbürger sind, ist die direkte Betroffenheit ukrainischer Bürger dokumentiert. Die Präsidentin der EU-Kommission verurteilte die Angriffe und bezeichnete das Schwarze Meer als neue Eskalationsfront, was eine weitere politische Reaktion der EU wahrscheinlich macht. Die Vorfälle reihen sich in eine Serie von Drohnenangriffen auf zivile Schiffe im westlichen Schwarzen Meer ein – nach Angriffen vor Rumänien am 5. Oktober und vor Bulgarien am 6. Oktober.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 13. Oktober schlugen Drohnen zwei Handelsschiffe im Schwarzen Meer vor der bulgarischen Küste an. Das maltesische, in Odessa registrierte und ukrainischen Eigentümern gehörende Frachtschiff CHELSEA 3 wurde etwa 18 Seemeilen (rund 33 km) östlich der Stadt Byala von drei Drohnen getroffen, die seine Deck- und Seitenstruktur beschädigten. Alle 15 Besatzungsmitglieder – sieben Ukrainer und acht Aserbaidschaner – wurden evakuiert und in den Hafen von Warna gebracht; fünf von ihnen wurden wegen leichter Verletzungen medizinisch versorgt. Ein zweites Schiff sank etwa 17 Seemeilen (rund 31 km) östlich des Dorfes Krapets; von seiner Besatzung wurde nach bisherigen Angaben ein Mitglied gerettet. Der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radev kündigte an, die russische Botschafterin Eleonora Mitrofanova vorzuladen und mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte zu sprechen. Nach seinen Worten gibt es bislang keine eindeutigen Beweise, die eine Zuordnung der Angriffe zu einem bestimmten Staat erlauben, doch die „Logik des Geschehens“ deute darauf hin, dass Russland davon profitiere. Bulgarien wandte sich an die EU und die NATO mit der Bitte um Unterstützung bei den Ermittlungen.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Medien schreiben die Angriffe direkt Russland zu. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte nach Kontakten mit der bulgarischen Seite, es habe sich um einen kombinierten russischen Angriff mit See- und Luftdrohnen gehandelt, und bezeichnete die Angriffe als „weiteren Versuch Russlands, den westlichen Teil des Schwarzen Meeres vollständig unbrauchbar für die Schifffahrt zu machen“. Außenminister Andrij Sybiha forderte stärkere Sanktionen, entschlossene Maßnahmen zum Schutz der Freiheit der Schifffahrt und erklärte, Russland greife das Schwarze Meer an, um Hunger als Waffe einzusetzen und die Welt in Geiselhaft zu nehmen. Berichte heben die ukrainische Eigentümerschaft und Odessa-Registrierung der CHELSEA 3 sowie die sieben ukrainischen Besatzungsmitglieder als direkte Betroffenheit ukrainischer Bürger hervor.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die offiziellen bulgarischen Stellungnahmen, die in den Quellen wiedergegeben werden, enthalten bislang keine formale Zuordnung der Angriffe an Russland. Ministerpräsident Radev verwies auf das Fehlen eindeutiger Beweise, kündigte aber die Vorladung der russischen Botschafterin und eine Anfrage an EU und NATO an und erklärte zugleich, die Logik der Ereignisse spreche dafür, dass Russland von den Angriffen profitiere. Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, verurteilte die Angriffe und bezeichnete das Schwarze Meer als weitere Eskalationsfront im russischen Krieg gegen die Ukraine, ohne einen Verantwortlichen namentlich zu benennen. Der einzige englischsprachige Beitrag im Quellenset ist eine Meldung der aserbaidschanischen Agentur APA, die den Fokus auf die verletzten aserbaidschanischen Staatsbürger legt und Sybihas Aussage dazu wiedergibt.
Hintergrund
Am 5. Oktober wurde vor der rumänischen Küste ein Schiff, das Getreide aus der Ukraine nach Italien transportierte, von Drohnen getroffen; mindestens ein Toter wurde gemeldet. Am 6. Oktober griffen Drohnen in der ausschließlichen Wirtschaftszone Bulgariens zwei Handelsschiffe an: die ALFA WATAN (Flagge Togos) und die ABLE (Flagge Palaus). Die ALFA WATAN sank innerhalb von etwa drei Minuten; ihre 12 Besatzungsmitglieder gelten als vermisst. Die ABLE geriet in Brand, ihr 18-köpfige Besatzung wurde gerettet. Der bulgarische Ministerpräsident erklärte damals wie nach den jüngsten Angriffen, es lägen keine eindeutigen Beweise zur Herkunft der Drohnen vor, die Logik der Ereignisse deute jedoch darauf hin, dass Russland davon profitiere.