Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Türkei und UN organisieren neue Schwarzmeer-Gespräche zwischen Russland und Ukraine

Die Türkei und die Vereinten Nationen organisieren Anfang Oktober 2025 neue Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Waffenruhe im Schwarzen Meer zum Schutz von Getreidelieferungen. Als Vermittler tritt das Schweizer Center for Humanitarian Dialogue auf. Die Initiative zielt darauf ab, das Schwarzmeer-Getreideabkommen von 2022 wiederzubeleben, während russische Vertreter eine Rückkehr zu diesem Rahmenwerk öffentlich ablehnen.

Das Wichtigste

  • Türkei und UN organisieren Anfang Oktober 2025 neue Russland-Ukraine-Gespräche über eine Schwarzmeer-Waffenruhe; als Vermittler fungiert die Schweizer NGO Center for Humanitarian Dialogue.
  • Ziel ist die Wiederbelebung des Getreideabkommens von 2022, das sichere Exporte ukrainischen Getreides, von Düngemitteln und Lebensmitteln garantierte und etwa ein Jahr hielt.
  • Beim Treffen am Rande der UN-Generalversammlung Ende September diskutierten Vertreter der Türkei, der USA, Europas, Indiens und Ägyptens ein „eng definiertes und gegenseitiges Abkommen" zu kommerzieller Schifffahrt sowie Schutz von Hafen- und Energieinfrastruktur.
  • Russland knüpft eine Wiederbelebung an Bedingungen wie Lockerung von Sanktionen und militärische Zugeständnisse der Ukraine; Außenminister Sergej Lawrow nannte eine Rückkehr zum Abkommen von 2022 „absolut inakzeptabel und unrealistisch".
  • Die ukrainische Regierung prüft laut Außenminister Andrij Sybiha vier Varianten einer Schwarzmeer-Waffenruhe aus den USA, Indien, der Türkei und Ägypten; Agrarpolitikminister Taras Wysotsky sieht hingegen keine positiven Signale in den kommenden Monaten.
  • Russland und die Ukraine decken gemeinsam mehr als ein Viertel der weltweiten Weizenexporte ab; nach russischen Angriffen auf die Hafeninfrastruktur ab Ende Juli 2025 sanken die ukrainischen Agrarexporte im August auf rund ein Drittel des möglichen Monatsvolumens.

Warum es wichtig ist

Die Gespräche sollen einen neuen Schutz für die Schwarzmeer-Schifffahrt und die ukrainische Hafeninfrastruktur aushandeln und damit das Getreideabkommen von 2022 wiederbeleben. Da Russland und die Ukraine gemeinsam mehr als ein Viertel der weltweiten Weizenexporte stellen, haben Angriffe auf die Hafeninfrastruktur die Weizenfutures bereits auf ein Dreijahreshoch getrieben. Eine Einigung hätte direkte Auswirkungen auf globale Lebensmittelpreise und die Energieversorgung; die russischen Bedingungen – Sanktionslockerungen und militärische Zugeständnisse – sowie die öffentliche Ablehnung einer Rückkehr zum Rahmen von 2022 machen den Ausgang jedoch höchst ungewiss.

Was geschehen ist

Die Türkei und die UN bereiten gemeinsam mit der Schweizer NGO Center for Humanitarian Dialogue als Vermittler neue Russland-Ukraine-Gespräche über eine Waffenruhe im Schwarzen Meer vor, die Anfang Oktober 2025 sowohl in der Ukraine als auch in Russland stattfinden sollen. Hintergrund ist der Versuch, das Schwarzmeer-Getreideabkommen von 2022 wiederzubeleben, das sichere Exporte ukrainischen Getreides, von Düngemitteln und Lebensmitteln garantiert hatte und rund ein Jahr in Kraft war, bevor Russland ausstieg. Am Rande der UN-Generalversammlung Ende September trafen sich Vertreter der Türkei, der USA, Europas, Indiens und Ägypten zu einer geschlossenen Sitzung und erörterten einem Bloomberg vorliegenden Dokument zufolge ein „eng definiertes und gegenseitiges Abkommen" zu kommerzieller Schifffahrt sowie zum Schutz von Hafen- und Energieinfrastruktur. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, Kiew prüfe vier Varianten einer Schwarzmeer-Waffenruhe aus den USA, Indien, der Türkei und Ägypten, wobei Indien das breiteste Paket vorgelegt habe; die Ukraine sei bereit, eine Energie- und Schwarzmeer-Waffenruhe nur gemeinsam als Paket zu unterstützen. Russland knüpft eine Rückkehr an Bedingungen wie Lockerung von Sanktionen und militärische Zugeständnisse der Ukraine; Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete eine Rückkehr zum Abkommen von 2022 als „absolut inakzeptabel und unrealistisch" und warf der Ukraine Missbrauch vor. Der ukrainische Agrarpolitikminister Taras Wysotsky erklärte, er sehe keine positiven Signale für eine Getreide-Waffenruhe in den kommenden Monaten, da die vermittelnden Staaten meldeten, Moskau lehne sämtliche Vorschläge ab. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte, er habe von Wolodymyr Selenskyj eine „positive" Reaktion auf die Wiederherstellung des Getreidekorridors erhalten. Am 1. Oktober bezeichnete Wladimir Putin beim Waldai-Diskussionsklub den Vorschlag, Angriffe auf Schiffe einzustellen, falls ukrainische Attacken auf russische Ölraffinerien aufhörten, als „absurd".

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Quellen stellen die Verhandlungen als diplomatische Initiative dar, an der die ukrainische Seite aktiv mit eigenen Vorschlägen beteiligt ist. Außenminister Andrij Sybiha erläuterte, Kiew prüfe vier Varianten einer Schwarzmeer-Waffenruhe aus den USA, Indien, der Türkei und Ägypten; die Ukraine sei nur bereit, eine Energie- und Schwarzmeer-Waffenruhe gemeinsam als Paket zu tragen. Die Berichterstattung betont zudem das Ausmaß der Schäden an ukrainischer Hafeninfrastruktur und ziviler Schifffahrt sowie den Einbruch der Exportmengen seit Ende Juli 2025, als russische Angriffe die Verarbeitung in den Häfen von Groß-Odessa auf weniger als ein Siebtel fallen ließen. Gleichzeitig warnen ukrainische Regierungsvertreter wie Taras Wysotsky, dass Russland nach Informationen der Vermittler alle Vorschläge ablehne.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Die internationale Rahmung stützt sich vor allem auf einen Bloomberg-Bericht und einen hochrangigen Diplomaten, die die Initiative als von Ankara und den UN getragenen, von den USA, Europa, Indien und Ägypten unterstützten Prozess darstellen. Hervorgehoben werden die globalen Folgen – Weltweizenversorgung, Lebensmittelpreise, Hungerrisiken in den Ländern des Globalen Südens, worauf der deutsche Außenminister Johann Wadephul verwies – sowie die russischen Bedingungen und die öffentliche Ablehnung einer Rückkehr zum Rahmen von 2022 durch Lawrow als zentrale Hindernisse. Als konkretes Signal für Bewegung wird Erdoğans Bericht über eine „positive" Reaktion Selenskyjs herausgestellt, was im Kontrast zu den skeptischeren ukrainischen Ministerzitaten steht.

Wo die Berichte auseinandergehen

Russische Vertreter lehnen eine Rückkehr zum Rahmen von 2022 öffentlich ab, während die Türkei von einer „positiven" Reaktion Selenskyjs berichtet und der ukrainische Außenminister vier Waffenruhe-Varianten unter anderem aus den USA, Indien, der Türkei und Ägypten als in Prüfung befindlich darstellt. Der ukrainische Agrarpolitikminister Taras Wysotsky sagte zudem, er sehe in den kommenden Monaten keine positiven Signale für eine Getreide-Waffenruhe, und verwies auf Informationen aus vermittelnden Staaten, wonach Moskau sämtliche Vorschläge ablehne – was der optimistischen Lesart eines diplomatischen Durchbruchs widerspricht.

Hintergrund

Das Schwarzmeer-Getreideabkommen von 2022, vermittelt von der Türkei und den UN, hatte sichere Exporte ukrainischen Getreides, von Düngemitteln und Lebensmitteln gewährleistet; es hielt rund ein Jahr, bevor Russland im Juli 2023 nach einer Explosion auf der illegal gebauten Krim-Brücke ausstieg. Vor der großangelegten Invasion gingen etwa 90 Prozent der ukrainischen Exporte über den Seeweg; die Ukraine stellte rund 46 Prozent der weltweiten Sonnenblumenölexporte, 12 Prozent des Maisexports und 9 Prozent des Weizenexports. Nach intensivierten russischen Angriffen auf ukrainische Hafeninfrastruktur und zivile Schiffe ab Ende Juli 2025 sank die Frachtabfertigung in den Häfen von Groß-Odessa um mehr als das Fünfzehnfache; Schiffsanläufe wurden vorübergehend eingestellt, und die Exporte landwirtschaftlicher Produkte im August 2025 von 1,4 Millionen Tonnen entsprachen nur rund einem Drittel des möglichen Monatsvolumens. Ägypten, der größte Weizenimporteur der Welt, hatte Anfang Oktober 2025 seit etwa einem Monat kein Schwarzmeer-Getreide mehr erhalten.