USA planen trilaterales Treffen mit Ukraine und Russland im Oktober in Abu Dhabi
Die USA planen im Oktober ein trilaterales Treffen mit Vertretern der Ukraine und Russlands in Abu Dhabi, um über eine begrenzte Waffenruhe zu sprechen. Laut The Atlantic zählen eine gegenseitige Zurückhaltung bei Angriffen auf Energieinfrastruktur sowie ein von Ägypten vermitteltes Abkommen zu Getreidetransporten im Schwarzen Meer zu den möglichen Themen.
Das Wichtigste
- Geplantes trilaterales Treffen USA–Ukraine–Russland im Oktober, voraussichtlich in Abu Dhabi (Hauptstadt der VAE)
- Mögliche gegenseitige Verzichtserklärung zu Angriffen auf Energieinfrastruktur, darunter Kraftwerke und Raffinerien
- Separates, von Ägypten vermitteltes Abkommen über die Einstellung von Angriffen auf Frachtschiffe im Schwarzen Meer, die Getreide in den Nahen Osten und nach Afrika transportieren
- USA streben ein trilaterales Treffen zwischen Donald Trump, Wolodymyr Selenskyj und Wladimir Putin an und luden Putin zum G20-Gipfel im Dezember in Miami ein
- Sondergesandter John Cole schlug einen Tausch vor: Freilassung russischer politischer Gefangener gegen Lockerung von US-Sanktionen – die Ukraine lehnt Sanktionslockerungen vor Kriegsende ab
- Selenskyj erklärte, die Ukraine sei bereit, Angriffe auf russische Energieinfrastruktur einzustellen, sofern Russland seinerseits ukrainische Ziele verschont
- Putin hat die Einladung zum G20-Gipfel noch nicht angenommen; ukrainische Quellen erwarten von ihm keine ernsthaften Verhandlungen vor dem Frühling
Warum es wichtig ist
Ein trilaterales Treffen in Abu Dhabi wäre das erste bekannte Forum dieses Formats, das sich einer Teilwaffenruhe widmet. Eine gegenseitige Zurückhaltung bei Angriffen auf Energieinfrastruktur hätte unmittelbare zivile Folgen, da solche Angriffe ein wesentlicher Treiber der humanitären Notlage in der Ukraine sind. Der von den USA erwogene Tausch – Freilassung politischer Gefangener gegen Sanktionslockerungen – ist in der Ukraine umstritten und steht einem Grundsatz Kiews entgegen. Ein separates, von Ägypten vermitteltes Abkommen zu Getreidetransporten im Schwarzen Meer würde zudem die Lebensmittelversorgung in Nahost und Afrika berühren.
Was geschehen ist
Die USA bereiten nach Berichten von The Atlantic ein trilaterales Treffen mit Vertretern der Ukraine und Russlands im Oktober in Abu Dhabi vor, um über eine begrenzte Waffenruhe zu verhandeln. Als wahrscheinlichstes Thema gilt eine gegenseitige Verpflichtung beider Seiten, Angriffe auf Energieinfrastruktur wie Kraftwerke und Raffinerien einzustellen. Parallel dazu könnte mit ägyptischer Vermittlung ein separates Abkommen über die Einstellung von Angriffen auf Getreidefrachtschiffe im Schwarzen Meer geschlossen werden. Gleichzeitig bemühen sich die USA um ein trilaterales Treffen zwischen Donald Trump, Wolodymyr Selenskyj und Wladimir Putin und haben Putin zum G20-Gipfel im Dezember in Miami eingeladen. Der US-Sondergesandte John Cole schlug vor, die Freilassung russischer politischer Gefangener mit einer Lockerung der US-Sanktionen zu verknüpfen – ein Modell, das er zuvor gegenüber Belarus angewandt hatte. Die Ukraine lehnt jegliche Sanktionslockerung vor Kriegsende ab und kündigte an, entsprechende Schritte zu blockieren.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die einzige englischsprachige Quelle, eine aserbaidschanische Agentur, übernimmt die Darstellung von The Atlantic und stellt vor allem die US-geführte diplomatische Spur in den Vordergrund, einschließlich des möglichen Tauschs politischer Gefangener gegen Sanktionslockerungen mit Verweis auf den belarussischen Präzedenzfall. Ukrainische Bedenken gegen eine vorzeitige Sanktionsentlastung werden im internationalen Frame weniger Raum eingeräumt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Berichte widersprechen sich in der Frage, inwieweit zwischen Ukraine und Russland bereits eine Einigung über einen Verzicht auf Angriffe auf Energieinfrastruktur besteht: Trump erklärte am 14. September, beide Seiten hätten zugestimmt; Selenskyj beschrieb die ukrainische Position als bedingten Vorschlag, der voraussetzt, dass Partner Russland zur Einhaltung bewegen. Ein für den 24. September gemeldetes Treffen dazu wurde vom Büro des ukrainischen Präsidenten nicht bestätigt. Eine weitere Differenz betrifft die US-Pläne für einen Tausch politischer Gefangener gegen Sanktionslockerungen, den The Atlantic als Verhandlungsangebot schildert und den ukrainische Unterhändler in derselben Berichterstattung ablehnen, da eine Wiederbelebung des westlichen Handels mit Russland Moskau zusätzliche Ressourcen für die Kriegführung verschaffen könnte.
Hintergrund
Der US-Ansatz sieht eine schrittweise Reduzierung der Kampfhandlungen vor, beginnend mit begrenzten, kategorie-spezifischen Vereinbarungen vor einer umfassenderen Waffenruhe. Sondergesandter John Cole hatte ein vergleichbares Modell bereits gegenüber Belarus angewandt: Die USA erreichten die Freilassung von rund 500 politischen Gefangenen und lockerten im Gegenzug Teile ihrer Sanktionen, während sie ein Geschäft über den Kauf belarussischen Kalis anbahnten. Am 14. September hatte Trump öffentlich behauptet, beide Seiten hätten einem Verzicht auf Angriffe auf Energieanlagen zugestimmt; Selenskyj wies dies als bedingten Vorschlag zurück. Am 24. September berichtete ZN.UA über ein angeblich für denselben Tag geplantes Treffen zum Energiewaffenstillstand, das vom Büro des Präsidenten nicht bestätigt wurde. Ukrainische Regierungsquellen rechnen nicht damit, dass Putin vor dem Frühling ernsthaft in Friedensverhandlungen einsteigt; Russland soll für die kommenden Winterangriffe Raketen horten.