Türkei erhält Teil des russischen Dieselimports im Rahmen des US-Abkommens
Der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar kündigte an, dass die Türkei einen Teil des russischen Dieselkraftstoffs erhalten werde, den Moskau im Rahmen einer Vereinbarung mit den USA auf den Weltmarkt liefern werde. Das Abkommen, das US-Präsident Donald Trump am 9. Oktober nach eigenen Angaben mit Wladimir Putin getroffen hatte, stieß auf scharfe Kritik von Wolodymyr Selenskyj, europäischen Vertretern sowie US-Senatoren beider Parteien.
Das Wichtigste
- Bayraktar sagte, die Türkei werde einen Teil des russischen Diesels erhalten, den Moskau im Rahmen des US-Abkommens auf den Weltmarkt bringt.
- Trump kündigte am 9. Oktober eine Vereinbarung mit Putin über russische Diesellieferungen an den US- und Weltmarkt an; das US-Finanzministerium erteilte eine OFAC-Lizenz für den Export.
- Trump-Beamte begründeten den Deal widersprüchlich: Energieminister Chris Wright nannte ihn einen „Anreiz“ für Russland, den Krieg zu beenden; Außenminister Marco Rubio sagte, der Diesel wäre ohnehin verkauft worden.
- Selenskyj warf den USA vor, das ukrainische Verhandlungsteam als „Deckmantel“ zu benutzen, und kritisierte Trumps Aussage als unehrlich.
- Senatoren beider US-Parteien forderten die Aufhebung des Dieselabkommens mit Russland.
- Die Türkei ist bei Energieimporten stark von Russland, Iran und Aserbaidschan abhängig und plant eine zweite schwimmende Gasförderplattform im Schwarzen Meer für 2028.
Warum es wichtig ist
Die Vereinbarung ermöglicht erweiterte russische Diesellieferungen auf den Weltmarkt, auch in die Türkei, und könnte Russland inmitten des Krieges wirtschaftliche Entlastung verschaffen. Sie hat eine ungewöhnlich öffentliche Spaltung zwischen der US-Regierung und der Ukraine ausgelöst: Selenskyj wirft den USA vor, das ukrainische Verhandlungsteam als „Deckmantel“ zu benutzen. Gleichzeitig widersprechen sich offizielle US-Vertreter in ihren Erklärungen zum Zweck des Deals, und Senatoren beider Parteien fordern dessen Aufhebung — beides Hinweise auf erheblichen innen- wie außenpolitischen Druck.
Was geschehen ist
Der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar erklärte, die Türkei werde einen Teil des russischen Dieselkraftstoffs erhalten, den Moskau im Rahmen eines US-Abkommens auf den Weltmarkt liefern werde. Er bezeichnete die Vereinbarung als wichtig für die türkische Energiesicherheit und wies darauf hin, dass Russland in den vergangenen Monaten seine Diesellieferungen wegen Versorgungsproblemen eingeschränkt habe; Volumina nannte er nicht. Wenige Tage zuvor, am 9. Oktober, hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, sich mit Wladimir Putin auf russische Diesellieferungen an den US- und Weltmarkt geeinigt zu haben; das US-Finanzministerium teilte daraufhin mit, das Office of Foreign Assets Control (OFAC) erteile eine vorübergehende Lizenz für den Export des russischen Diesels. Nach Darstellung der US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff gegenüber ukrainischen Vertretern soll die Lizenz Russland an den Verhandlungstisch zurückbringen. US-Energieminister Chris Wright bezeichnete die Erlaubnis als „Anreiz“ für ein Kriegsende; Außenminister Marco Rubio erklärte hingegen, der Diesel wäre ohnehin verkauft worden — zwei einander widersprechende Begründungen innerhalb der Trump-Regierung. Der Deal wurde von Präsident Wolodymyr Selenskyj, europäischen Vertretern und US-Senatoren beider Parteien scharf kritisiert; Selenskyj sprach davon, das ukrainische Verhandlungsteam werde „als Deckmantel benutzt“.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die vorliegenden ukrainischen Quellen rahmen den Deal ausdrücklich kritisch: Sie greifen Selenskyjs Vorwurf auf, das ukrainische Verhandlungsteam werde „als Deckmantel“ benutzt, betonen die europäische und parteiübergreifende US-Kritik und heben die Charakterisierung durch einen Trump-Vertreter als „Zuckerbrot“ für den Kreml hervor.
Wo die Berichte auseinandergehen
US-Energieminister Chris Wright erklärte, die Lizenz für russische Diesellieferungen solle Russland zum Kriegsende bewegen; US-Außenminister Marco Rubio sagte dagegen, der russische Diesel wäre ohnehin auf dem Markt verkauft worden. Diese beiden Begründungen von Mitgliedern der Trump-Regierung widersprechen sich.
Hintergrund
Russland hatte seine Diesellieferungen in den vergangenen Monaten wegen Versorgungsproblemen eingeschränkt. Die Türkei bleibt bei Energieimporten stark von Russland, Iran und Aserbaidschan abhängig und versucht zugleich, ihre Lieferanten zu diversifizieren, unter anderem durch Käufe aus den USA. Ankara plant, 2028 eine zweite schwimmende Gasförderplattform im Schwarzen Meer in Betrieb zu nehmen und damit die tägliche Förderung auf 45 Millionen Kubikmeter zu steigern.