Kreml nennt Trumps „Energie-Waffenstillstand“-Vorschlag „sehr gute Idee" – knüpft ihn aber an Bedingungen
Kremlsprecher Peskow hat den von US-Präsident Trump vorgeschlagenen „Energie-Waffenstillstand" zwischen Russland und der Ukraine als „sehr gute Idee" bezeichnet. Gleichzeitig verknüpfte er eine Zustimmung mit Bedingungen: sichere Schifffahrt für russische Öltanker und die Aufhebung westlicher Sanktionen gegen russische Energielieferungen. Die Äußerung steht im Widerspruch zu Peskows früherer Position, in der er einen Energie-Waffenstillstand faktisch ausgeschlossen hatte. In der Nacht zum 15. September griffen beide Seiten erneut Energieinfrastruktur an.
Das Wichtigste
- Kremlsprecher Dmitri Peskow nannte Trumps Vorschlag eines „Energie-Waffenstillstands" am 15. September eine „sehr gute Idee".
- Peskow knüpfte eine Zustimmung an zwei Bedingungen: sichere kommerzielle Schifffahrt für russische Öltanker und die Aufhebung westlicher Sanktionen auf russische Energielieferungen.
- Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Abend des 14. September, die Ukraine sei bereit, russische Energieinfrastruktur nicht anzugreifen, sofern Russland im Gegenzug ukrainische Energieanlagen verschont.
- Trump hatte am 14. September erklärt, die Ukraine habe zugestimmt, russische Energieanlagen nicht anzugreifen, und Russland habe das Gleiche für die Ukraine vereinbart.
- In der Nacht zum 15. September griff die Ukraine nach eigenen Angaben die Ölraffinerie in Sysran an, während russische Kräfte nach ukrainischen Angaben zwei Tankstellen in Kyjiw beschossen.
- Peskow hatte noch wenige Tage zuvor den ukrainischen Energiesektor als „Achillesferse" Russlands bezeichnet und einen Energie-Waffenstillstand faktisch ausgeschlossen.
- Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf den USA vor, in Anchorage getroffene Vereinbarungen zu untergraben – die USA bestreiten, dass bei dem Treffen substanzielle Abkommen erzielt wurden.
Warum es wichtig ist
Russland hat seine Zustimmung zu einem Energie-Waffenstillstand an Bedingungen geknüpft – sichere Tanker-Schifffahrt und Sanktionsaufhebung –, was zeigt, dass der Vorschlag weit von einem einfachen Stopp der Angriffe entfernt ist. Die positive Rahmung durch den Kreml steht im Gegensatz zu Peskows vorheriger faktischer Ablehnung eines Energie-Waffenstillstands und wirft Fragen auf, ob Moskau seine Position tatsächlich geändert hat. Trotz der öffentlichen Bekundungen griffen beide Seiten in der Nacht zum 15. September weiter Energieinfrastruktur an – die Kluft zwischen Rhetorik und Handeln bleibt offensichtlich.
Was geschehen ist
Kremlsprecher Dmitri Peskow hat am 15. September auf den Vorschlag von US-Präsident Donald Trump für einen „Energie-Waffenstillstand" zwischen Russland und der Ukraine reagiert und ihn als „sehr gute Idee" bezeichnet. Zugleich verband Peskow eine Zustimmung mit zwei Bedingungen: Russland verlange sichere kommerzielle Schifffahrt für seine Öltanker und die Aufhebung westlicher Sanktionen gegen russische Energielieferungen. Er erklärte, Russland könne bei funktionierendem Waffenstillstand seinen Binnenmarkt mit Erdölprodukten versorgen; auf dem Weltmarkt sei nicht die Produktion das Problem, sondern der ungehinderte Zugang zu den Märkten.
Parallel griffen ukrainische Streitkräfte nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj die Ölraffinerie in Sysran im russischen Gebiet Samara, eine Drohnen-Produktionsstätte in Taganrog sowie einen Drohnen-Vorbereitungs- und Startplatz im Gebiet Orjol an; auch Ziele im Schwarzen Meer seien getroffen worden. Russische Kräfte beschossen nach ukrainischen Angaben zwei Tankstellen in Kyjiw.
Am Abend des 14. September hatte Selenskyj erklärt, die Ukraine habe Partnern eine Vereinbarung vorgeschlagen, um die Zerstörung kritischer Infrastruktur zu stoppen, und sei bereit, Angriffe auf russische Energieinfrastruktur einzustellen, sofern Russland im Gegenzug ukrainische Energieanlagen verschone und Partner dies garantieren könnten. Trump hatte am 14. September öffentlich erklärt, die Ukraine habe zugestimmt, russische Energieanlagen nicht anzugreifen, und Russland habe das Gleiche zugesagt. Das US-„Financial Times"-Korrespondent Christopher Miller berichtete hingegen, Trump habe seine Ankündigung übereilt, da es keine finale Vereinbarung gebe. Nach FT-Informationen soll Kremlchef Wladimir Putin einem Abkommen vor dem Winter ablehnend gegenüberstehen, da er sich von Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur zusätzlichen Druck auf Kyjiw verspricht.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle drei herangezogenen Quellen sind ukrainischsprachige Medien. Sie rücken die Bedingungen in den Vordergrund, die Russland an seine Zustimmung zum Energie-Waffenstillstand knüpft – sichere Tanker-Schifffahrt und Sanktionsaufhebung –, und stellen die Reaktion Moskaus nicht als klare Zustimmung dar. Besonders hervorgehoben wird die Äußerung von Außenminister Lawrow, der den USA vorwirft, die in Anchorage getroffenen Vereinbarungen zu untergraben, womit Russland in diplomatischer Hinsicht als die angeblich benachteiligte Seite dargestellt wird. Die ukrainischen Quellen betonen zudem, dass beide Seiten in der Nacht zum 15. September trotz der öffentlichen Waffenstillstands-Rhetorik weiter Energieinfrastruktur angegriffen haben, und unterstreichen damit die Kluft zwischen Worten und Handeln.
Wo die Berichte auseinandergehen
Peskows positive Bewertung des Energie-Waffenstillstands am 15. September steht in Spannung zu seiner wenige Tage zuvor geäußerten Einschätzung des ukrainischen Energiesektors als Russlands „Achillesferse" und seiner faktischen Ablehnung eines Energie-Waffenstillstands. Peskow erläuterte nicht, ob sich die Moskauer Position tatsächlich geändert hat. Zugleich behauptete Trump am 14. September, die Ukraine habe zugestimmt, russische Energieanlagen nicht anzugreifen; Selenskyj formulierte hingegen, die Ukraine habe Partnern eine Vereinbarung vorgeschlagen und sei zu einem Verzicht auf Angriffe nur bei russischer Gegenleistung und Garantien bereit – unterschiedliche Darstellungen darüber, wer worin eingewilligt hat. Schließlich warf Lawrow den USA vor, in Anchorage getroffene Vereinbarungen zu untergraben, während die Vereinigten Staaten bestreiten, dass beim Treffen zwischen Trump und Putin substanzielle Abkommen erzielt wurden.
Hintergrund
Am 13. September hatte Trump Selenskyj aufgefordert, ukrainische Angriffe auf russische Dieselkraftstoffe einzustellen, und einen weltweiten Engpass als Begründung angeführt. Am 14. September erklärte Trump, die Ukraine habe zugestimmt, russische Energieanlagen nicht anzugreifen, und Russland habe sich umgekehrt verpflichtet. Am Abend desselben Tages sagte Selenskyj, die Ukraine habe Partnern eine Vereinbarung vorgeschlagen, um die Zerstörung kritischer Infrastruktur zu beenden, und sei bereit, Angriffe auf russische Energieinfrastruktur einzustellen, sofern Russland im Gegenzug ukrainische Energieanlagen verschone. Die USA bestreiten, dass beim Treffen zwischen Trump und Putin in Anchorage, Alaska, substanzielle Vereinbarungen zum russischen Krieg gegen die Ukraine erzielt wurden.