4 September 2026 · Aktualisiert am 4 September 2026

Bessent macht Ukraine für steigende Energiepreise verantwortlich und trifft Russlands Siluanow am Rande des G20-Gipfels

US-Finanzminister Scott Bessent hat ukrainische Angriffe auf russische Ölinfrastruktur für einen globalen Energiepreisschock mitverantwortlich gemacht. Die Äußerungen fielen nach einem bilateralen Treffen mit Russlands Finanzminister Anton Siluanow am Rande des G20-Finanzministertreffens in North Carolina. Die Einladung Siluanows und das direkte Gespräch stießen bei Verbündeten auf Kritik, die Bessent zurückwies.

Das Wichtigste

  • US-Finanzminister Scott Bessent sagte, ukrainische Angriffe auf russische Ölinfrastruktur trieben die weltweiten Kraftstoffpreise und verursachten einen globalen Energiepreisschock.
  • Bessent traf sich am Rande des G20-Finanzministertreffens in North Carolina bilateral mit Russlands Finanzminister Anton Siluanow.
  • Bessent nannte neben dem Krieg in der Ukraine den Konflikt um Iran als zweite Ursache des Energiepreisschocks.
  • Die US-Einladung an Siluanow und das bilaterale Treffen stießen bei Verbündeten auf Kritik; Bessent wies diese auf einer Pressekonferenz zurück und verteidigte den direkten Kontakt.
  • Die meisten US-Gesetzgeber betrachten Russland als eindeutigen Aggressor – Bessents Position steht dazu im Widerspruch.
  • Der US-Senat verabschiedete mit überparteilicher Mehrheit ein Gesetz, das die Trump-Regierung zu strengeren Russland-Sanktionen verpflichten würde.
  • Im April hatte Bessent Kritik geerntet, nachdem er zeitweise Sanktionen gegen bestimmte russische Ölarten gelockert hatte, um die Weltenergiepreise zu drücken.
  • US-Dieselpreise näherten sich Rekordniveau, Brent-Öl stieg weltweit auf rund 97 US-Dollar pro Barrel.
  • Russlands Präsident Wladimir Putin bekundete in derselben Woche öffentlich Solidarität mit Iran und lobte das iranische Regime für „Mut und Widerstandskraft“.

Warum es wichtig ist

Ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung hat einen Teil des globalen Energiepreisanstiegs den ukrainischen Militäraktionen gegen Russland zugeschrieben – und nicht Russland als angreifender Partei. Zugleich traf sich Bessent persönlich mit Russlands Finanzminister, was bei Verbündeten Kritik auslöste und im Gegensatz zur bisherigen Praxis westlicher Staaten steht, Siluanow bei Auftritten demonstrativ zu verlassen. Die Aussagen fallen in eine Phase, in der US-Dieselpreise nahe Rekordniveau notieren und der Brent-Ölpreis bei rund 97 Dollar liegt – mit unmittelbaren Folgen für Märkte und US-Innenpolitik. Gleichzeitig hat der US-Senat mit überparteilicher Mehrheit verschärfte Russland-Sanktionen auf den Weg gebracht, wodurch Bessents Haltung quer zur Haltung eines Großteils des Kongresses liegt.

Was geschehen ist

US-Finanzminister Scott Bessent erklärte in einem Fox-Auftritt, ukrainische Angriffe auf russische Ölinfrastruktur trügen zu einem globalen Energiepreisschock bei und trieben die Kraftstoffpreise weltweit. Als zweite Ursache nannte er den Konflikt um Iran. Die Äußerungen erfolgten im Umfeld des G20-Finanzministertreffens in North Carolina, bei dem Bessent bilaterale Gespräche mit seinem russischen Amtskollegen Anton Siluanow führte. Die Einladung Siluanows und das persönliche Treffen wurden von mehreren Verbündeten kritisiert; auf einer Pressekonferenz wies Bessent die Kritik zurück und verteidigte den Dialog. Im Hintergrund standen steigende Energiepreise: US-Dieselpreise näherten sich Rekordniveau, und Brent-Öl verteuerte sich auf rund 97 US-Dollar pro Barrel. In derselben Woche verabschiedete der US-Senat mit überparteilicher Mehrheit einen Gesetzentwurf für strengere Russland-Sanktionen.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Alle drei vorliegenden ukrainischsprachigen Quellen stellen Bessents Schuldzuweisung an die Ukraine in den Mittelpunkt und betonen den Widerspruch zwischen seinen Äußerungen und der Haltung der meisten US-Gesetzgeber, die Russland als eindeutigen Aggressor betrachten. Hervorgehoben wird zudem die Kritik an der Einladung Siluanows zum G20-Treffen sowie Putins öffentliche Solidaritätsbekundung mit Iran in derselben Woche – eingeordnet als Teil einer breiteren Verschiebung im US-Engagement gegenüber Moskau. Ein Artikel (3024) vertritt explizit die Lesart, die Trump-Regierung verlagere einen Energiepreisschock, den sie selbst primär auf einen US-Konflikt mit Iran zurückführe, teilweise auf Kiew.

Wo die Berichte auseinandergehen

Zwischen den Quellen besteht Uneinigkeit über die Ursachenzuschreibung des Energiepreisschocks: Artikel 3024 rahmt ihn als hauptsächlich durch den Beginn eines US-Krieges gegen Iran verursacht ein und argumentiert, die Trump-Regierung verlagere einen Teil der Schuld auf Kiew; Artikel 3257 vertritt diese Lesart nicht und stellt stattdessen Bessents Angriff auf die Ukraine in den Mittelpunkt. Zudem stützt sich Artikel 3024 zur Wiedergabe von Bessents Äußerungen auf The New York Times, während Artikel 3126 in der Überschrift auf Medienberichte zum Siluanow-Treffen und zum G20-Kontext verweist, der Textkörper laut Datensatz jedoch leer ist.

Hintergrund

Bereits im April war Bessent kritisiert worden, nachdem er bestimmte Sanktionen gegen russisches Öl zeitweise gelockert hatte, um die Weltenergiepreise zu drücken. Seine Beziehungen zu Kiew sind seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit angespannt, unter anderem aufgrund eines Streits mit Präsident Wolodymyr Selenskyj über die Bedingungen eines ukrainischen Mineralien-Abkommens. Bei früheren internationalen Treffen hatten US-Vertreter und andere westliche Diplomaten den Raum verlassen, wenn Siluanow per Videoschalte sprach – das diesmalige bilaterale persönliche Gespräch markiert eine bemerkenswerte Abkehr von dieser Praxis. Das G20-Finanzministertreffen fand über zwei Tage in North Carolina statt.