4 September 2026 · Aktualisiert am 4 September 2026

Geplanter Besuch von Witkoff und Kushner in Kiew wackelt – Russland warnt vor Gefahren

Die Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, wollten am 5. und 6. September zunächst nach Moskau und anschließend nach Kiew reisen. Wie Quellen gegenüber dem Kyiv Independent berichteten, bekam Witkoff jedoch Angst vor der Reise in die ukrainische Hauptstadt, da Russland den Amerikanern einrede, die Reise sei gefährlich. Die Ukrainer setzen einen Besuch der beiden Gesandten seit April durch, bislang waren beide jedoch nur in Moskau.

Das Wichtigste

  • Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner wollten am 5./6. September erst nach Moskau und dann nach Kiew reisen.
  • Quellen des Kyiv Independent sagten, Witkoff habe „Angst bekommen“ vor der Kiew-Reise, da Russland den Amerikanern die Reise als gefährlich darstelle.
  • Präsident Selenskyj hatte am 3. September mitgeteilt, die Gesandten hätten einen Besuch in Kiew „in den nächsten Tagen“ bestätigt.
  • Der Kiew-Besuch, die erste Reise beider Gesandter in die Ukraine, war zuvor seit April mindestens mehrmals verschoben worden.
  • Eigentlich für den 24. August (Unabhängigkeitstag) geplant, wurde die Reise wegen russischer Angriffe auf Kiew verschoben.
  • Am Morgen des 4. September traf ein russischer Drohnenangriff den Kiewer Flughafen Schuliany und beschädigte ein Flugzeug.
  • Kreml-Sprecher Peskow sagte am 4. September, es gebe noch keine konkreten Voraussetzungen für eine friedliche Beilegung des Ukraine-Konflikts.

Warum es wichtig ist

Der Kiew-Besuch wäre die erste Reise beider Sondergesandter in die Ukraine gewesen, obwohl sie wiederholt in Moskau waren. Er ist ein Prüfstein dafür, ob die Trump-Regierung direkt mit der ukrainischen Regierung verhandelt oder ihre Pendeldiplomatie auf Moskau beschränkt. Dass Witkoff laut Quellen von russischen Warnungen eingeschüchtert wurde, wird als Zeichen russischen Einflusses auf die Gesandten gelesen. Der Besuch ist eng mit dem US-Vorstoß für einen Kriegsbeendigungsplan verknüpft, den Kritiker als einseitig russisch geprägt sehen.

Was geschehen ist

Die Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, planten, am 5. und 6. September zunächst nach Moskau und anschließend nach Kiew zu reisen. Das berichtete die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf eine Quelle. Am 31. August hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einem Telefonat mit Vertretern des US-Präsidenten erklärt, die Gesandten bereiteten einen Besuch in der Ukraine vor. Am 3. September teilte Selenskyj mit, Witkoff und Kushner hätten einen Besuch in Kiew in den kommenden Tagen bestätigt.

Am 4. September berichtete der Kyiv Independent unter Berufung auf eine Quelle, dass Witkoff „Angst bekommen“ habe vor der Reise nach Kiew: Die Russen wollten nicht, dass die Amerikaner nach Kiew kämen, und sagten ihnen, die Reise sei gefährlich. Witkoff sei „stets empfänglich für die russische Stimmung“. Die Gesandten erörterten daher alternative Pläne. Der ukrainische Abgeordnete Oleksij Hontscharenko erklärte am selben Tag, die Amerikaner planten, auf dem Flughafen Boryspil zu landen, und seien trotz Zweifeln einer Einigung nahe. Der Kreml lehnte es ab, den geplanten Moskau-Besuch vorab zu bestätigen, und erklärte, es gebe noch keine konkreten Voraussetzungen für eine friedliche Lösung.

Es wäre die erste Reise beider Sondergesandter in die Ukraine gewesen. Die Ukraine lädt sie seit April ein; ein zuvor für den 24. August, den Unabhängigkeitstag der Ukraine, geplanter Besuch war wegen verschärfter russischer Angriffe auf Kiew verschoben worden. Am Morgen des 4. September schlug eine russische Drohne auf dem Flughafen Schuliany in Kiew ein und traf ein Flugzeug. Zum Zeitpunkt der Berichte dauerten russische Drohnenangriffe auf Kiew seit neun Tagen in Folge an.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Medien stellen Selenskyjs Aussagen in den Mittelpunkt: seine Erklärung vom 3. September, die Sondergesandten hätten den Besuch bestätigt, sowie seine Äußerung, es sei eine „Respektlosigkeit“, dass die Gesandten wiederholt in Moskau, aber nie in Kiew gewesen seien. Sie betonen den russischen Druck als unmittelbaren Grund für die Verzögerung und verweisen auf die Verwundbarkeit Witkoffs gegenüber der Stimmung aus Moskau. Gleichzeitig schildern sie die Sicherheitslage in Kiew: den Drohnenangriff auf den Flughafen Schuliany am 4. September, Drohnenschläge auf Logistik in der Nähe von Boryspil und die Verschiebung des ursprünglichen Besuchs am 24. August. Die pessimistische Einschätzung des Analysten Wadym Denysenko, der Besuch werde lediglich den Beschuss für einen oder zwei Tage pausieren lassen, wird hervorgehoben.

Wo die Berichte auseinandergehen

Bei der Dauer der russischen Angriffe auf Kiew unterscheiden sich die Quellen: Eine Quelle spricht von Angriffen „seit über einer Woche“, eine andere präzisiert neun Tage in Folge bis zum 4. September.

Hintergrund

Witkoff und Kushner haben Trump Berichten zufolge einen Kriegsbeendigungsplan vorgelegt, der „ausschließlich auf russischen Forderungen“ basiert. Ein erster Besuch in Kiew am Unabhängigkeitstag der Ukraine am 24. August war wegen verschärfter russischer Angriffe abgesagt worden; ein weiterer, für Anfang August geplanter Besuch war zuvor verschoben worden, weil Trump die Diplomaten angesichts der ungelösten Konfrontation mit dem Iran in seiner Nähe halten wollte. Die Ukraine lädt Witkoff und Kushner seit mindestens April ein; bislang hatte keiner von beiden Kiew besucht. CIA-Direktor John Ratcliffe war am 25. August in Moskau gewesen, woraufhin Trump sagte, aus der Reise könne „etwas werden“. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow erklärte am 4. September, es gebe noch keine konkreten Voraussetzungen für eine friedliche Lösung, und wollte einen Moskau-Besuch der US-Gesandten nicht vorab bestätigen. Selenskyj hatte am 24. August mitgeteilt, Kiew habe mit Trumps Vertretern und europäischen Offiziellen einen neuen Plan mit Waffenstillstand, gegenseitigem Truppenrückzug und einer Pufferzone erarbeitet.