Selenskyj: Schwarzmeer-Korridor für Getreide faktisch blockiert
Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am 11. September auf der Konferenz der Yalta European Strategy (YES) gewarnt, der Schwarzmeer-Korridor für Lebensmittel sei faktisch von ukrainischer wie russischer Seite blockiert. Er bezeichnete die Lage als globale Herausforderung für Ernährungs- und Energiesicherheit und führte Gespräche mit den Regierungen Ägyptens, Indiens, der Türkei, Saudi-Arabiens und der VAE.
Das Wichtigste
- Selenskyj erklärte am 11. September auf der YES-Konferenz, der Schwarzmeer-Korridor für Lebensmittel sei effektiv von beiden Seiten blockiert.
- Er habe das Thema mit den Regierungen Ägyptens, Indiens, der Türkei, Saudi-Arabiens und der VAE erörtert.
- Die Ukraine werde nach seinen Worten selbst bei einer vollständigen Exportblockade nicht ohne Lebensmittel dastehen.
- Ukrainische Agrarproduzenten und Exporteure würden als Erste die Folgen tragen: fallende Inlandspreise und teure Logistik.
- Selenskyj warnte, Länder in Afrika und Asien ohne Zugang zu ukrainischem und russischem Getreide gerieten in eine deutlich schlechtere Lage.
- Er nannte Ernährungs- und Energiesicherheit die zwei aktuellen globalen Herausforderungen.
- Auch ohne vollständigen Frieden seien Teilschritte wie eine ‚Energie-Waffenruhe‘ oder die Wiedereröffnung des Lebensmittelkorridors möglich.
Warum es wichtig ist
Selenskyj rahmte die Blockade des Schwarzmeer-Korridors als globale Ernährungskrise vergleichbar einer ‚Agro-Hormuz‘ und verknüpfte ukrainische wie russische Getreideexporte mit der Versorgungslage in Afrika und Asien. Gleichzeitig stellte er die innenpolitische Beruhigung in den Vordergrund: Die ukrainische Bevölkerung werde auch bei einer vollständigen Exportblockade nicht hungern, die ersten ökonomischen Verluste trügen jedoch Agrarsektor und Exporteure durch sinkende Inlandspreise und hohe Logistikkosten. Mit der Aussicht auf Teilschritte – eine ‚Energie-Waffenruhe‘ oder die Öffnung des Lebensmittelkorridors – auch ohne umfassenden Frieden, und parallelen Gesprächen mit wichtigen Import- und Vermittlerstaaten, signalisierte er diplomatische Offenheit gegenüber Moskau, aber auch Druck.
Was geschehen ist
Bei einer Online-Diskussion im Rahmen der Konferenz der Yalta European Strategy am Freitag, den 11. September 2026, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj, der Schwarzmeer-Korridor für Lebensmittel sei de facto von ukrainischer und russischer Seite blockiert. Er schilderte laufende Gespräche mit den Regierungen Ägyptens, Indiens, der Türkei, Saudi-Arabiens und der VAE über mögliche Auswege und wies darauf hin, dass Russland mit denselben Staaten verhandle. Selenskyj versicherte, die ukrainische Bevölkerung werde auch im Fall einer vollständigen Exportblockade nicht ohne Nahrung bleiben, warnte aber, dass ukrainische Landwirte und Unternehmen durch fallende Inlandspreise und teure Logistik als Erste geschädigt würden. Er beschrieb Ernährungs- und Energiesicherheit als die beiden zentralen Herausforderungen für die Welt und hielt fest, dass auch ohne einen umfassenden Frieden Teillösungen wie eine ‚Energie-Waffenruhe‘ oder die Wiedereröffnung des Lebensmittelkorridors möglich seien.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen charakterisieren Ort und Format von Selenskyjs Auftritt unterschiedlich: Eine Quelle spricht von einer Online-Diskussion im Rahmen der YES-Konferenz, eine andere nennt konkret das Treffen der Yalta European Strategy am Freitag, den 11. September. Auch die Darstellung der Blockade-Folgen variiert: Ein Beitrag betont stärker die mögliche globale Ernährungskrise, während andere die Warnung vor afrikanischen und asiatischen Staaten ohne Zugang zu ukrainischem und russischem Getreide in den Vordergrund stellen.
Hintergrund
Seit Juli 2025 hat Russland seine Angriffe auf ukrainische Hafeninfrastruktur und zivile Schifffahrt deutlich verschärft; allein im Juli verzeichnete die Ukraine 35 Angriffe auf Schiffe in Häfen, 22 auf Schiffe auf See und 67 Angriffe auf Hafeninfrastruktur. Ein Treffer auf das Schiff Golden Leo tötete zehn Menschen, Angriffe auf den Tanker Gas Lisbon und den Massengutfrachter Golden Rose veranlassten Reeder, die Arbeit mit den Häfen von Odessa einzustellen. Ab dem 22. Juli wurde das Einlaufen von Schiffen in ukrainische Seehäfen vorübergehend ausgesetzt. Am 13. August übermittelte die Ukraine über einen Dritten einen Vorschlag zur gegenseitigen Einstellung von Angriffen auf zivile Objekte im Schwarzen Meer; am 14. August erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, Moskau halte weder eine Rückkehr zur Schwarzmeer-Initiative 2022–2023 noch eine Aussetzung der Kämpfe im Schwarzen Meer für zweckmäßig. Am 31. August kündigte der türkische Außenminister Hakan Fidan einen türkischen Plan für sicheren Getreidedurchgang im Schwarzen Meer an; am 4. September sprach Selenskyj von einer Lösung, die Ukraine mit Partnern für sichere Lebensmittelexporte vorbereite. Am 9. September griffen russische Besatzungstruppen das Frachtschiff TEDY mit Drohnen an und töteten zwei aserbaidschanische Staatsbürger.