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Selenskyj: Schwarzmeer-Korridor für Getreide ist faktisch von beiden Seiten blockiert

Präsident Wolodymyr Selenskyj hat auf der YES-Konferenz erklärt, der schwarze Lebensmittel-Korridor im Schwarzen Meer sei faktisch sowohl von ukrainischer als auch von russischer Seite blockiert. Er sieht darin eine globale Bedrohung für die Ernährungssicherheit, warnte vor verschärfter Lage in Afrika und Asien und kündigte diplomatische Gespräche unter anderem mit der Türkei und Saudi-Arabien an.

Das Wichtigste

  • Selenskyj sagte am 11. September auf der YES-Konferenz, der Schwarzmeer-Korridor für Lebensmittel sei faktisch von ukrainischer und russischer Seite blockiert.
  • Er führte Gespräche mit den Staatsführern Ägyptens, Indiens, der Türkei, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate; nach seinen Angaben verhandelt Russland mit denselben Ländern.
  • Die ukrainische Bevölkerung werde nach seinen Worten auch bei einer vollständigen Exportblockade nicht ohne Lebensmittel dastehen; Agrarpreise im Inland würden jedoch fallen und Exporte durch teure Logistik unrentabel.
  • Selenskyj warnte, Länder in Afrika und Asien ohne Zugang zu ukrainischem und russischem Getreide würden vor einer deutlich verschärften Lage stehen.
  • Er erklärte Lebensmittel- und Energiesicherheit zu den zwei aktuellen globalen Herausforderungen und sagte, Entscheidungen über eine Energie-Waffenruhe oder die Entsperrung des Korridors seien auch ohne umfassenden Frieden möglich.
  • Seit dem 22. Juli sind Anläufe ukrainischer Seehäfen ausgesetzt; im Juli registrierte die Ukraine 35 russische Angriffe auf Schiffe in Häfen, 22 auf Schiffe auf See und 67 Angriffe auf Hafeninfrastruktur.
  • Bloomberg schätzt die Schäden durch die Angriffe auf rund 2 % des ukrainischen BIP.

Warum es wichtig ist

Selenskyj stellt die Blockade des Schwarzmeer-Korridors als globale Bedrohung für die Ernährungssicherheit auf eine Stufe mit der Energiekrise. Eine Unterbrechung der Getreideexporte würde nach seiner Darstellung nicht nur ukrainische Landwirte und Exporteure treffen, sondern vor allem importeabhängige Länder in Afrika und Asien hart treffen. Zugleich signalisiert er Verhandlungsbereitschaft: Auch ohne umfassenden Frieden seien Teillösungen wie eine Energie-Waffenruhe oder die Entsperrung des Korridors denkbar.

Was geschehen ist

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 11. September auf der YES-Konferenz, der Schwarzmeer-Korridor für Lebensmittel sei faktisch sowohl von ukrainischer als auch von russischer Seite blockiert. Er habe das Thema mit den Staatsführern Ägyptens, Indiens, der Türkei, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate erörtert; Russland führe nach seinen Angaben mit denselben Ländern Gespräche. Selenskyj versicherte, die ukrainische Bevölkerung werde auch bei einer vollständigen Exportblockade nicht ohne Lebensmittel dastehen, warnte jedoch vor fallenden Preisen auf dem Binnenmarkt und unrentablen Exporten durch teure Logistik. Ukrainische Landwirte und Unternehmen seien die ersten, die unter den Exportproblemen litten. Er erklärte Lebensmittel- und Energiesicherheit zu den zwei aktuellen globalen Herausforderungen und sagte, Entscheidungen über eine Energie-Waffenruhe oder die Entsperrung des Korridors seien auch ohne umfassenden Frieden möglich.

Hintergrund: Seit dem 22. Juli sind Anläufe ukrainischer Seehäfen nach russischen Angriffen auf Hafeninfrastruktur und zivile Schifffahrt ausgesetzt. Im Juli registrierte die Ukraine 35 russische Angriffe auf Schiffe in Häfen, 22 auf Schiffe auf See und 67 Angriffe auf Hafeninfrastruktur. Bloomberg schätzt die Schäden auf etwa 2 % des ukrainischen BIP. Zu den genannten Vorfällen zählen ein Schlag gegen das Schiff Golden Leo mit zehn Toten sowie Angriffe auf den Tanker Gas Lisbon und den Massengutfrachter Golden Rose, die Schiffseigner zur eigenständigen Aussetzung der Zusammenarbeit mit den Häfen des Landes Odessa veranlassten. Am 9. September wurde das Frachtschiff TEDY im Schwarzen Meer von Drohnen getroffen; zwei aserbaidschanische Helfer und zwei weitere Menschen wurden verletzt.

Wo die Berichte auseinandergehen

In der Bewertung des Ausmaßes der Blockade gehen die ukrainischen Quellen auseinander: Selenskyj erklärte am 24. August, eine totale Blockade des Schwarzmeer-Korridors sei Russland nicht gelungen; auf der YES-Konferenz am 11. September sprach er dagegen davon, der Korridor sei faktisch von beiden Seiten blockiert. Auch zum Ort seiner Äußerungen gibt es unterschiedliche Angaben: Eine Quelle verortet die Aussagen in einer Online-Diskussion der YES-Konferenz, eine andere nennt ausdrücklich die Jalta-Europastrategie am 11. September.

Hintergrund

Nach Angaben von Agrarpolitik-Minister Taras Wyssozkyj werden seit dem 22. Juli die Anläufe ukrainischer Seehäfen wegen der Angriffe vorübergehend ausgesetzt. Russland habe die Angriffe auf ukrainische Hafeninfrastruktur und zivile Schifffahrt im Juli 2026 deutlich verstärkt und sie im August fortgesetzt. Am 13. August übermittelte die Ukraine über einen Dritten einen Vorschlag für ein gegenseitiges Ende der Angriffe auf zivile Objekte im Schwarzen Meer; die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte am 14. August, Moskau halte eine Rückkehr zur Schwarzmeer-Initiative 2022–2023 oder eine Aussetzung der Kampfhandlungen im Schwarzen Meer nicht für zweckmäßig. Der türkische Außenminister Hakan Fidan kündigte am 31. August einen von Ankara vorbereiteten Vorschlag für sicheren Getreidedurchlaufen ab; Selenskyj erklärte am 4. September, die Ukraine bereite mit Partnern eine Lösung für sicheren Lebensmittelexport über das Schwarze Meer vor.