Zelensky kündigt ukrainische Zustimmung zu sicherer Schwarzmeer-Passage an und wartet auf Russlands Antwort
Beim sechsten Gipfel der Internationalen Krim-Plattform am 23. September erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, die Ukraine habe sich auf ein Regime für die sichere Durchfahrt von Schiffen im Schwarzen Meer geeinigt und warte über Vermittler auf eine russische Antwort. Ägypten, Indien und die Türkei hätten schriftliche Vorschläge vorgelegt; diese lägen „auf dem Tisch“. Selenskyj verband die weltweit gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise mit der russischen Besetzung der Krim seit 2014.
Das Wichtigste
- Selenskyj sprach am 23. September beim sechsten Gipfel der Internationalen Krim-Plattform in New York.
- Die Ukraine hat sich auf ein Regime zur sicheren Durchfahrt von Schiffen im Schwarzen Meer geeinigt und wartet über Vermittler auf Russlands Antwort.
- Ägypten, Indien und die Türkei haben schriftliche Vorschläge zu Schwarzmeer-Navigation und Ernährungssicherheit vorgelegt.
- Die Ukraine schlug einen gegenseitigen Stopp von Angriffen auf zivile Schifffahrt vor, um ungehinderte Gütertransporte zu ermöglichen.
- Im August 2026 exportierte die Ukraine 981.000 Tonnen Getreide – 2,5-mal weniger als im Vorjahresmonat.
- Nach Angaben des ukrainischen Ministers Mykola Kalaschnyk wurden seit Beginn der Vollinvasion 1.173 Hafeninfrastrukturobjekte und 274 zivile Schiffe beschädigt oder zerstört.
Warum es wichtig ist
Die öffentliche ukrainische Zustimmung zu einem sicheren Passageregime im Schwarzen Meer ist ein konkretes Verhandlungssignal inmitten einer sich zuspitzenden Seeblockade. Dass drei Länder – Ägypten, Indien und die Türkei – schriftliche Vorschläge eingebracht haben, macht die Initiative multilateral. Da Russland bislang nicht geantwortet hat und gleichzeitig Angriffe auf zivile Schiffe intensiviert hat, bleibt die diplomatische Öffnung ungewiss.
Was geschehen ist
Beim sechsten Gipfel der Internationalen Krim-Plattform am 23. September in New York erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, die Ukraine habe sich auf ein Regime zur sicheren Durchfahrt von Schiffen im Schwarzen Meer geeinigt. Über Vermittler – darunter Ägypten, Indien und die Türkei – seien schriftliche Vorschläge eingegangen; eine offizielle russische Antwort stehe noch aus. Selenskyj erklärte, die Ukraine sei bereit, friedliche und sichere Schifffahrt sowie Ernährungssicherheit im Schwarzen Meer zu gewährleisten, sofern Russland echte Deeskalationsschritte unternehme. Er schlug einen gegenseitigen Stopp von Angriffen auf zivile Schifffahrt vor, um ungehinderte Transporte – insbesondere landwirtschaftlicher Produkte – zu ermöglichen. Selenskyj verwies darauf, dass die Türkei ihre diplomatischen Bemühungen intensiviert habe und dass ein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan am Rande der UN-Generalversammlung stattgefunden habe. Er dankte Europa, den USA, der Türkei und Ägypten für ihren Einsatz zur Wiederherstellung von Ernährungssicherheit und sicherer Schifffahrt im Schwarzen Meer.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die verfügbaren Quellen sind ausschließlich ukrainische Medien und Agenturen. Sie rücken Selenskyjs Aussagen in den Mittelpunkt und betonen die ukrainische Verhandlungsbereitschaft, während sie Russland für die Störung der Seefahrt verantwortlich machen. Sie stellen die russische Besetzung der Krim seit 2014 als Grundursache der aktuellen Probleme beim Schwarzmeer-Export dar und bezeichnen russische Angriffe auf zivile Schiffe als „vorsätzlichen wirtschaftlichen und humanitären Terror“. Hervorgehoben wird zudem die Vermittlerrolle der Türkei – mit Verweis auf die Intensivierung der Bemühungen durch Außenminister Hakan Fidan und ein Treffen Selenskyjs mit Erdoğan – sowie Ägyptens und Indiens.
Hintergrund
Russland besetzte die Krim 2014 und hat die Halbinsel seither militarisiert; nach ukrainischer Darstellung ist dies die Ursache der seitdem gestörten Schwarzmeer-Exporte von Getreide, Düngemitteln, Diesel und Öl. Nach der russischen Vollinvasion 2022 stiegen die Lebensmittelpreise weltweit stark an und trafen besonders Entwicklungsländer; eine Wiederholung der damaligen Nahrungsmittelkrise zu verhindern war eines der Ziele von EU-Vertretern bei der UN-Generalversammlung, die am 18. September begann. Seit Beginn der Vollinvasion wurden nach Angaben von Infrastrukturminister Mykola Kalaschnyk 1.173 Hafeninfrastrukturobjekte und 274 zivile Schiffe beschädigt oder teilweise zerstört. Rund 100 Millionen Tonnen Nahrungsmittel aus Russland und der Ukraine – etwa 60 Millionen Tonnen russisches Getreide und 30 bis 35 Millionen Tonnen ukrainisches Getreide und Ölsaaten – gelangen aufgrund der Seeblockade nicht auf den Weltmarkt. Hält die Blockade bis Ende des Wirtschaftsjahres 2026/27 an, könnte die Ukraine laut einer Schätzung von Forbes Ukraine mehr als 5 Milliarden Dollar Exporteinnahmen verlieren und rund 24 Millionen Tonnen Getreide nicht verschiffen. Am 14. September erklärte US-Präsident Donald Trump, die weltweit steigenden Dieselpreise seien vor allem durch Russlands Krieg gegen die Ukraine verursacht; Selenskyj antwortete, Kiew sei zu einem gegenseitigen Stopp von Angriffen auf kritische Infrastruktur bereit, sofern Partner Russlands Einhaltung garantieren könnten. Am 15. September bezeichnete Kremlsprecher Dmitri Peskow ein mögliches „Energieabkommen“ als „sehr gute Idee“ – nachdem er wenige Tage zuvor mit der Aussage, Energie sei die „Achillesferse“ der Ukraine, ein solches praktisch ausgeschlossen hatte. Die Ukraine schloss sich zudem 51 UN-Mitgliedstaaten an, die einen vollständigen, sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand forderten.