Zelensky bringt Schwarzmeer-Korridor für sichere Schifffahrt ins Gespräch
Auf dem sechsten Gipfel der Krim-Plattform am 23. September hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die Bereitschaft der Ukraine erklärt, einem Regime für sichere Schifffahrt im Schwarzen Meer zuzustimmen, und wartet auf eine Antwort Russlands. Er führte die weltweit steigenden Energie- und Lebensmittelpreise auf die russische Besetzung der Krim seit 2014 zurück und sagte, Ägypten, Indien und die Türkei hätten bereits Optionen vorgelegt.
Das Wichtigste
- Zelensky sprach am 23. September auf dem sechsten Gipfel der Krim-Plattform.
- Die Ukraine ist nach eigenen Angaben bereit, einem Regime für sichere Schifffahrt im Schwarzen Meer zuzustimmen, und wartet auf Russlands Antwort.
- Zelensky verknüpfte den weltweiten Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise mit der russischen Besetzung der Krim seit 2014.
- Ägypten, Indien und die Türkei haben der Ukraine nach seinen Worten Optionen für Schwarzmeer-Schifffahrt und Ernährungssicherheit vorgelegt; diese lägen „auf dem Tisch".
- Er stellte eine Einigung an die Bedingung, dass Russland zu echten Deeskalationsschritten bereit ist.
- Russland hat nach ukrainischen Angaben zuletzt seine Angriffe auf zivile Schifffahrt im Schwarzen Meer verstärkt.
- Zelensky dankte Europa, den USA, der Türkei und Ägypten für ihre Hilfe zur Wiederherstellung von Ernährungssicherheit und sicherer Schifffahrt im Schwarzen Meer.
Warum es wichtig ist
Ein Regime für sichere Schifffahrt im Schwarzen Meer könnte Getreide-, Düngemittel- und Energieexporte sowie die globale Ernährungssicherheit unmittelbar beeinflussen. Mit der Verknüpfung aktueller Preisschocks mit der Besetzung der Krim seit 2014 verschärft Selenskyj die politische und rechtliche Argumentation gegen Russland. Zugleich stellt die Ukraine eine Einigung öffentlich unter die Bedingung, dass Russland reziprok zu Deeskalation bereit ist — die Initiative liegt damit aus Sicht Kyjws bei Moskau.
Was geschehen ist
Auf dem sechsten Gipfel der Krim-Plattform am 23. September erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, die Ukraine sei bereit, einem Regime für sichere Durchfahrt von Schiffen im Schwarzen Meer zuzustimmen, und warte nun auf eine Antwort Russlands. Er führte steigende weltweite Preise für Energie und Lebensmittel auf die russische Besetzung der Krim seit 2014 zurück und argumentierte, ohne diese Besetzung und deren Nutzung als große Militärbasis könnten Exporte von Getreide, Düngemitteln, Diesel und Öl durch das Schwarze Meer ungehindert erfolgen. Nach seinen Worten haben Ägypten, Indien und die Türkei der Ukraine bereits Optionen zur Schwarzmeer-Schifffahrt und Ernährungssicherheit vorgelegt, die „auf dem Tisch" lägen. Eine Einigung sei aus ukrainischer Sicht nur dann möglich, wenn Russland zu echten Deeskalationsschritten bereit sei. Selenskyj verwies darauf, dass Kyjiw bereits 2022 versucht habe, Fragen der Getreideexporte über den Schwarzmeer-Korridor zu lösen, und stellte fest, dass eine Rückkehr zur Normalität ohne Befreiung der Krim, ohne wiederhergestellte Sicherheit, den Schutz von Menschenleben, die Freilassung von Gefangenen und die Rückkehr zu grundlegenden Normen des Völkerrechts nicht möglich sei. Er dankte Europa, den USA, der Türkei und Ägypten für ihre Hilfe zur Wiederherstellung von Ernährungssicherheit und sicherer Schifffahrt im Schwarzen Meer.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle vier zugrunde liegenden Quellen sind ukrainischsprachig. Sie rücken Selenskyjs Erklärungen in den Mittelpunkt und rahmen seinen Vorschlag für sichere Schifffahrt im Schwarzen Meer sowie die Verknüpfung der weltweiten Preisanstiege mit der russischen Besetzung der Krim seit 2014 als zentrale Pointe der Geschichte. Der Vorschlag wird als ukrainische Initiative dargestellt, auf die nun Russland antworten müsse — die Bereitschaft wird betont und der Ball wird in den Kreml gespielt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Kremlsprecher Dmitrij Peskow hat seine Position zu einer möglichen „Energiewaffenruhe" innerhalb weniger Tage verschoben: Wenige Tage vor dem 15. September nannte er Energie die „Achillesferse" der Ukraine und lehnte eine solche Vereinbarung faktisch ab; am 15. September bezeichnete er sie als „sehr gute Idee".
Hintergrund
Nach Russlands umfassender Invasion der Ukraine 2022 stiegen die Lebensmittelpreise weltweit deutlich, was Entwicklungsländer besonders hart traf; Kyjiw hatte bereits 2022 versucht, die Getreideexporte über den Schwarzmeer-Korridor zu sichern. Am 14. September hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, der Anstieg der weltweiten Dieselpreise sei vor allem auf Russlands Krieg gegen die Ukraine zurückzuführen und nicht auf die Lage rund um den Iran; Selenskyj reagierte mit der Bereitschaft zu einem gegenseitigen Verzicht auf Angriffe auf kritische Infrastruktur, sofern Partner Russlands Einhaltung garantieren könnten. Am 15. September nannte Kremlsprecher Dmitrij Peskow eine mögliche „Energiewaffenruhe" eine „sehr gute Idee" — obwohl er zuvor Energie als „Achillesferse" der Ukraine bezeichnet und eine solche Vereinbarung faktisch ausgeschlossen hatte. Russland hat in jüngster Zeit seine Angriffe auf zivile Schifffahrt im Schwarzen Meer verstärkt. Die EU nutzte die am 18. September eröffnete UN-Generalversammlung unter anderem, um Wege zur Vermeidung einer Wiederholung der globalen Lebensmittelkrise von 2022 zu suchen.