Drohnenangriff auf türkisches Frachtschiff Royad Mammadov im Schwarzen Meer – zwei Tote
Ein Frachtschiff unter türkischer Führung ist am 5. Oktober im Schwarzen Meer nahe der rumänischen Küste durch einen Drohnenangriff in Brand geraten. Das Schiff transportierte Getreide vom ukrainischen Hafen Ismajil nach Italien. Nach Angaben des rumänischen Innenministeriums starben zwei Besatzungsmitglieder, elf wurden gerettet. Präsident Selenskyj erklärte, das Schiff sei in neutralen Gewässern von zwei russischen Drohnen getroffen worden.
Das Wichtigste
- Der Frachter Royad Mammadov fing am 5. Oktober im Schwarzen Meer rund 20 Seemeilen vor der rumänischen Küste Feuer.
- Das Schiff war von Ismajil in Richtung Italien unterwegs und transportierte Getreide (Mais).
- Präsident Selenskyj erklärte, zwei russische Drohnen hätten das Schiff in neutralen Gewässern getroffen; Russland hat sich offiziell weder geäußert noch bestritten.
- Nach Angaben des rumänischen Innenministeriums starben zwei Besatzungsmitglieder, elf wurden gerettet – eine Person wurde verletzt.
- Die Besatzung bestand nach Angaben Selenskyjs aus Staatsbürgern Aserbaidschans und Indiens; das Schiff war demnach türkisch betrieben.
- Rettungskräfte aus Rumänien (SAR Apollo, SAR Ares, SAR Artemis sowie Küstenwache und ein Hubschrauber) waren im Einsatz.
Warum es wichtig ist
Der Angriff auf ein ziviles Getreidefrachter in neutralen Gewässern vor der Küste eines NATO-Staates weitet die Risiken des Krieges auf den kommerziellen Schiffsverkehr im westlichen Schwarzen Meer aus. Er trifft die Schwarzmeer-Getreiderouten, die für die globale Lebensmittelversorgung und die Preise an den Weltmärkten von Bedeutung sind – und das in einer Phase, in der diplomatische Bemühungen um eine Waffenruhe im Schwarzen Meer und die Wiederaufnahme sicherer Getreidepassagen laufen. Der Tod von zwei Besatzungsmitgliedern verdeutlicht die menschlichen Kosten solcher Angriffe auf die zivile Schifffahrt.
Was geschehen ist
Am Montag, dem 5. Oktober, ging um 10:37 Uhr beim rumänischen Seenotrettungs-Koordinationszentrum ein Notruf für den Frachter Royad Mammadov ein. Das Schiff befand sich rund 20 Seemeilen vor der rumänischen Küste und etwa 9 Seemeilen von der Gasplattform Pescăruș (Platform 7) des Betreibers OMV Petrom entfernt, außerhalb der rumänischen Hoheitsgewässer. Es war mit Getreide (Mais) vom ukrainischen Hafen Ismajil nach Italien unterwegs – Abfahrt am 18. September, geplante Ankunft in Ravenna am 12. Oktober. An Bord befanden sich insgesamt 13 Personen, nach Angaben von Präsident Selenskyj Staatsbürger Aserbaidschans und Indiens.
Selenskyj erklärte, das Schiff sei in neutralen Gewässern von zwei russischen Drohnen getroffen worden. Rumänische Behörden haben die Ursache des Brandes offiziell noch nicht benannt; Russland hat sich weder geäußert noch bestritten. Nach dem Brand sank das Schiff nach übereinstimmenden Meldungen. Rumänien entsandte die Rettungsschiffe SAR Apollo, SAR Ares und SAR Artemis, eine Küstenwacheinheit sowie einen Hubschrauber des General Aviation Inspectorate, der die Verletzten zur medizinischen Notversorgung brachte. Nach Angaben des rumänischen Innenministeriums wurden elf Besatzungsmitglieder gerettet, zwei kamen ums Leben. Selenskyjs Darstellung zufolge wurde der Kapitän getötet und das Schicksal einer weiteren Person war zum Zeitpunkt seiner Stellungnahme noch unklar.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Quellen stellen Selenskyjs Darstellung in den Mittelpunkt: demnach handelt es sich um einen gezielten russischen Drohnenangriff auf ein türkisches ziviles Frachtschiff in neutralen Gewässern. Sie betonen die türkische Eigentümerschaft, die ausländische Besatzung aus Aserbaidschan und Indien sowie den Ladungsursprung im ukrainischen Hafen Ismajil und rahmen den Vorfall als Angriff auf die ukrainische Exportinfrastruktur. Selenskyj rief erneut zu verstärktem Druck auf Moskau auf, um die globale Ernährungssicherheit wiederherzustellen, und verwies auf frühere russische Angriffe auf ukrainische Häfen und zivile Schiffe.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Internationale Berichterstattung übernimmt weitgehend die Drohnenangriffserzählung, die auf Selenskyj zurückgeht, hebt aber zugleich die multinationale Zusammensetzung der Besatzung und die türkische diplomatische Kontaktaufnahme mit der Ukraine, Aserbaidschan und Indien hervor. Der breitere Quellenkorpus betont den rumänischen Rettungseinsatz, die Lage des Vorfalls in der Nähe der Gasplattform Pescăruș von OMV Petrom sowie die diplomatischen Reaktionen aus der EU und der Türkei zu den Schwarzmeer-Getreidekorridoren.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Opferzahlen werden unterschiedlich angegeben: Das rumänische Innenministerium spricht von zwei Toten, Selenskyjs Präsidialamt vom getöteten Kapitän und einer weiteren Person, deren Schicksal noch unklar sei. Die Entfernung des Vorfalls von der Küfte wird uneinheitlich berichtet – Ziua de Constanța nennt rund 20 Seemeilen, die rumänische Küstenwache etwa 9 Seemeilen südöstlich der Plattform Pescăruș, das rumänische Innenministerium rund 30 Seemeilen südlich von Sfântu Gheorghe. Auch bei Ursache und Verlauf des Vorfalls gehen die Angaben auseinander: Selenskyj spricht von einem russischen Drohnenangriff, während Russland sich offiziell nicht geäußert hat, die rumänischen Behörden die Brandursache noch nicht offiziell benannten und Ziua de Constanța vom Sinken des Schiffs, die rumänische Seebehörde vom Brand berichtet.
Hintergrund
Nach Angaben Selenskyjs hatte Russland bereits im Juli die Angriffe auf ukrainische Häfen und zivile Schiffe intensiviert; im August schlug die Ukraine über einen Drittstaat vor, die Angriffe auf zivile Objekte im Schwarzen Meer einzustellen – Russland lehnte ab. Am 31. August legte die Türkei einen Plan für sichere Getreidepassagen auf dem Seeweg vor, der mit Kiew und Moskau erörtert wurde. Das betroffene Schiff Royad Mammadov hatte Ismajil am 18. September verlassen und sollte Ravenna in Italien am 12. Oktober erreichen. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der Gasplattform Pescăruș (Platform 7), die von OMV Petrom betrieben wird.