Selenskyj trifft Erdogan in New York: Gespräche über Schwarzmeer-Sicherheit und Getreideexporte
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan haben sich in New York getroffen. Im Mittelpunkt standen die Sicherheit im Schwarzen Meer, der Betrieb des maritimen Exportkorridors sowie bilaterale Themen wie eine Freihandelszone und ein mögliches Drohnenabkommen. Selenskyj knüpfte die Wiederherstellung des vollständigen ukrainischen Agrarexports an die Bedingung, dass Russland seine Angriffe auf ukrainische Infrastruktur einstellt.
Das Wichtigste
- Treffen zwischen Wolodymyr Selenskyj und Recep Tayyip Erdoğan am 24. September 2026 in New York
- Themen: Sicherheit im Schwarzen Meer und Betrieb des maritimen Exportkorridors
- Selenskyj knüpfte volle Wiederherstellung des Exports an die Bedingung, dass Russland Angriffe auf ukrainische Infrastruktur einstellt; danach wolle die Ukraine ihre Fernschläge stoppen
- Bilaterale Themen: mögliche Freihandelszone und Drohnenabkommen (Drone Deal)
- Etwa 90 % der ukrainischen Rohstoffexporte laufen über Schwarzmeerhäfen rund um Odessa
- Russland hat im Sommer Angriffe auf Hafeninfrastruktur in der Region Odessa verstärkt
- Parallel traf Außenminister Andrij Sybiha den geschäftsführenden Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms Carl Skau; EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte ein Ende der russischen Angriffe auf ukrainisches Getreide
Warum es wichtig ist
Die Schwarzmeer-Schifffahrt ist der wichtigste Kanal für ukrainische Agrarexporte; russische Angriffe auf Hafeninfrastruktur haben daher unmittelbare globale Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit. Selenskyj formuliert eine konkrete Wechselbedingung: Russland stoppt Angriffe, die Ukraine stoppt Fernschläge. Mit der Türkei als vorgeschlagenem Vermittler — Ankara hatte bereits im August einen Moratoriumsvorschlag für Angriffe auf Handelsschiffe unterbreitet — gewinnt diese Spur an Gewicht. Das Thema wird parallel auf mehreren diplomatischen Kanälen verfolgt: Ukraine–Türkei, Ukraine–WFP und EU.
Was geschehen ist
Am Rande der UN-Generaldebatte in New York trafen sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Auf der Agenda standen die Sicherheit im Schwarzen Meer und der Betrieb des maritimen Exportkorridors. Selenskyj erklärte, die Wiederherstellung des vollständigen ukrainischen Agrarexports sei an die Bedingung geknüpft, dass Russland seine Angriffe auf ukrainische Infrastruktur einstellt; im Gegenzug wolle die Ukraine ihre weitreichenden Gegenschläge beenden. Daneben sprachen die beiden Seiten über bilaterale Vorhaben: eine Freihandelszone und ein mögliches Drohnenabkommen. Selenskyj dankte Erdoğan für die türkische Unterstützung der territorialen Integrität und Souveränität der Ukraine und informierte ihn über seine Kontakte mit dem US-Team. Kommentare Erdoğans lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor. Parallel dazu erörterte Außenminister Andrij Sybiha in einem Gespräch mit dem geschäftsführenden Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms Carl Skau Fragen der globalen Ernährungssicherheit und der russischen Angriffe auf den ukrainischen Seekorridor. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte ein Ende der russischen Angriffe auf ukrainisches Getreide im Schwarzen Meer.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainische Darstellung stellt die Sicherheit im Schwarzen Meer in den Mittelpunkt und rahmt die russischen Angriffe als Haupthindernis für die Wiederaufnahme der Lebensmittelexporte sowie für eine wechselseitige Deeskalation. Daneben werden bilaterale Ergebnisse mit der Türkei — mögliche Freihandelszone und Drohnenabkommen — als konkrete Fortschritte hervorgehoben. Selenskyj dankte Erdoğan ausdrücklich für die türkische Unterstützung der territorialen Integrität und Souveränität der Ukraine. Das Treffen mit Erdoğan wird bewusst parallel zur diplomatischen Linie gegenüber dem Welternährungsprogramm verortet, um zu unterstreichen, dass die Ukraine das Thema Ernährungssicherheit auf mehreren Schienen verfolgt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Ukrainische, EU- und WFP-nahe Stellungnahmen rahmen die russischen Angriffe auf Schwarzmeer-Hafeninfrastruktur als Angriffe auf ukrainische Getreideexporte und als Bedrohung der globalen Ernährungssicherheit. Russland seinerseits gibt an, seine Angriffe richteten sich gegen militärische Infrastruktur, logistische Einrichtungen und Schiffe, die ausländische Waffen transportierten.
Hintergrund
Rund 90 % der ukrainischen Rohstoffexporte werden über Schwarzmeerhäfen in und um Odessa abgewickelt. Russland hat im Sommer seine Angriffe auf die Hafeninfrastruktur der Region Odessa verstärkt und damit den ukrainischen Export behindert. Im August erklärte der türkische Außenminister Hakan Fidan, die Türkei habe Russland und der Ukraine einen Moratoriumsvorschlag für Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer unterbreitet; Ankara habe das Angebot an beide Seiten übermittelt und warte auf Antworten.