3 September 2026 · Aktualisiert am 3 September 2026

Ukrainische F-16-Piloten müssen bei Luftkämpfen mangels Raketen auf die Bordkanone zurückgreifen

Ukrainische F-16-Piloten leiden nach Angaben des Kommandeurs der 107. Luftstaffel mit dem Rufzeichen „Phantom" unter einem akuten Mangel an Luft-Luft-Raketen. In einigen Tageseinsätzen bleiben ihnen nur die 20-mm-Bordkanonen, um russische Luftziele zu bekämpfen. Die Ukraine wirbt international um neue Lieferungen, mehr Interzeptor-Raketen für Patriot-Systeme und eine Ausweitung der Produktion.

Das Wichtigste

  • Der Kommandeur der 107. Luftstaffel der ukrainischen Luftwaffe, „Phantom", bestätigte einen kritischen Mangel an Luft-Luft-Raketen für F-16 und erklärte, jedes Flugzeug ohne Bewaffnung sei nutzlos.
  • In mehreren Tageseinsätzen mussten F-16-Piloten russische Luftziele ausschließlich mit der 20-mm-Sechsrohrkanone M61A1 Vulcan bekämpfen.
  • Üblicherweise setzen F-16 zur Bekämpfung von Prioritätszielen wie Marschflugkörpern amerikanische AIM-120-AMRAAM- und AIM-9-Sidewinder-Raketen ein.
  • AIM-120-Raketen sind zugleich Hauptmunition der NASAMS-Systeme, die Kiew und weitere kritische Objekte gegen Drohnen und Marschflugkörper schützen.
  • Die Ukraine zählt laut „Phantom" jede neue Rakete an der Grenze und „zählt die Stunden und Minuten, bis sie eintreffen".
  • Forderungen umfassen zusätzliche Interzeptor-Raketen für Patriot-Systeme sowie eine Steigerung oder Lokalisierung der Produktion in der Ukraine oder anderen europäischen Staaten.
  • Im Mai 2025 meldete die ukrainische Luftwaffe einen Vorfall, bei dem ein F-16-Pilot nach einem Kanonier-Einsatz zur Abschuss eines Ziels aussteigen musste.

Warum es wichtig ist

Der Engpass bei Luft-Luft-Raketen verringert die Kampfkraft der ukrainischen F-16 gegen russische Drohnen und Marschflugkörper, die eine der größten Bedrohungen für die ukrainische Infrastruktur darstellen. Piloten, die mit Kanonen angreifen, gehen deutlich höhere Risiken ein – bis hin zu dokumentierten Ausstiegen. Da AIM-120-Raketen gleichzeitig die Hauptmunition der bodengestützten NASAMS-Systeme zum Schutz Kiews sind, wirkt der Mangel über die F-16 hinaus auf die gesamte ukrainische Luftverteidigung. Die Ukraine nutzt die öffentliche Warnung, um westliche Partner zu zusätzlichen Lieferungen und zum Ausbau oder zur Lokalisierung der Produktion zu drängen.

Was geschehen ist

Piloten der ukrainischen F-16 sehen sich laut dem Kommandeur der 107. Luftstaffel mit dem Rufzeichen „Phantom" mit einem akuten Mangel an Luft-Luft-Raketen konfrontiert. In mehreren Tageseinsätzen mussten sie russische Luftziele mit der bordeigenen 20-mm-Sechsrohrkanone M61A1 Vulcan bekämpfen, weil keine AIM-120-AMRAAM- oder AIM-9-Sidewinder-Raketen zur Verfügung standen. Die Veröffentlichung der Information am 2. September durch The War Zone, unter Berufung auf die Newsmax-Journalistin Shelby Wilder, machte den Engpass erstmals in dieser Deutlichkeit öffentlich. „Phantom" erklärte, jedes Flugzeug ohne Bewaffnung sei nutzlos, und beschrieb, wie die Ukraine jede neue Raketenlieferung an der Grenze verfolge und „die Stunden und Minuten bis zum Eintreffen" zähle. Eine der Hauptaufgaben der F-16 ist nach seinen Angaben der Schutz ukrainischer Infrastruktur vor russischen Drohnen; Marschflugkörper gelten als Prioritätsziele. Der Kanoniereinsatz gilt als deutlich gefährlicher, insbesondere gegen kleine oder langsame Ziele und bei Nacht; im Mai 2025 hatte die ukrainische Luftwaffe einen Vorfall gemeldet, bei dem ein F-16-Pilot nach einem Kanonier-Einsatz aussteigen musste.

Hintergrund

The War Zone berichtete am 2. September über die Aussagen und zitierte die Newsmax-Journalistin Shelby Wilder sowie einen hochrangigen Kommandeur der ukrainischen Luftwaffe. F-16 nutzen normalerweise AIM-120-AMRAAM-Mittelstrecken- und AIM-9-Sidewinder-Kurzstreckenraketen zur Bekämpfung von Prioritätszielen wie Marschflugkörpern; die 20-mm-Bordkanone M61A1 Vulcan ist nur ein Notbehelf. Bereits Anfang August hatte die Financial Times berichtet, US-Präsident Donald Trump habe die Bitte von Präsident Wolodymyr Selenskyj um mehrere Hundert Patriot-Interzeptor-Raketen mit Verweis auf die eigenen begrenzten Bestände und Bedarfe im Nahen Osten abgelehnt. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wandte sich am 13. August an alle Mitgliedstaaten mit Patriot-Beständen und forderte Lieferungen an die Ukraine. Für den 24. August wurde berichtet, der britische Premierminister (in den Quellen als Andy Burnham bezeichnet) wolle im September mit weiteren EU-Spitzenpolitikern in die USA reisen, um Trump vor dem Winter Zugang zu amerikanischen Interzeptor-Beständen abzuringen. Am 25. August erklärte Selenskyj, die Ukraine habe bereits eine kleine Charge Patriot-Raketen, AIM-Raketen für NASAMS sowie die Bestätigung zu mehreren Crotale-Systemen und dazugehörigen Raketen erhalten.