Nausėda: Drohnen über dem Baltikum könnten absichtlich von der Route abgelenkt werden
Der litauische Präsident Gitanas Nausėda hat in einem Interview mit LRT die jüngsten Drohnenvorfälle in Europa als gezielte Einschüchterungsversuche des Kremls gegen die stärksten Unterstützer der Ukraine gedeutet. In der Nacht zum 15. September hatten NATO-Jäger erstmals eine Drohne über litauischem Luftraum abgeschossen.
Das Wichtigste
- In der Nacht zum 15. September schossen NATO-Jäger erstmals eine Drohne unbekannten Typs über Litauen ab, die aus Belarus eingeflogen war.
- Am Absturzort wurde ein Sprengkörper gefunden und von Pionieren entschärft.
- Am 16. September lud das litauische Außenministerium einen Vertreter Belarus' vor und übergab eine Protestnote wegen Grenz- und Luftraumverletzung.
- Nausėda sagte, Drohnen, die in baltische Staaten oder nach Polen fliegen, könnten bewusst vom Kurs abgelenkt worden sein.
- Nausėda bezeichnete die Vorfälle als Versuch des Kremls, Länder zu bestrafen, die die Ukraine unterstützen.
- Nausėda erklärte, Russland ziele auf die stärksten Unterstützer der Ukraine, ohne dabei eine direkte Konfrontation mit der NATO anzustreben.
- Nausėda schloss nicht aus, dass Russland solche Vorfälle in Europa über verschiedene, oft verdeckte Mittel inszeniert.
Warum es wichtig ist
Nausėda bringt mit seiner öffentlichen Bewertung die bislang deutliche Lesart eines Staatschefs an der NATO-Ostflanke zum Ausdruck: Die Drohnenvorfälle werden nicht als zufällige Luftraumverletzungen, sondern als gezielte politische Drohung des Kremls gegen die Ukraine-Unterstützer eingeordnet. Dass erstmals eine Drohne über Litauen von einem NATO-Einsatz abgeschossen wurde und am Absturzort Sprengstoff gefunden wurde, erhöht die Brisanz deutlich.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 15. September fingen Kampfflugzeuge der NATO-Patrouillenmission erstmals eine Drohne unbekannten Typs über Litauen ab. Das Gerät war aus Belarus in den litauischen Luftraum eingeflogen. Am Absturzort entdeckten Einsatzkräfte einen Sprengkörper, den Pioniere entschärften. Am folgenden Tag, dem 16. September, lud das litauische Außenministerium einen Vertreter Belarus' vor und überreichte eine Protestnote wegen Verletzung des Staatsgebiets und des Luftraums. In einem Interview mit dem litauischen Sender LRT ordnete Präsident Gitanas Nausėda den Vorfall und ähnliche Ereignisse in Europa als bewusste Aktion des Kremls ein. Seiner Einschätzung nach könnten Drohnen, die in baltische Staaten oder nach Polen fliegen, absichtlich vom Kurs abgelenkt worden sein, um die Öffentlichkeit zu verunsichern. Russland verfolge damit das Ziel, die stärksten Unterstützer der Ukraine unter Druck zu setzen, ohne eine direkte Konfrontation mit der NATO zu riskieren.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen bewerten Nausėdas Aussagen unterschiedlich: Einige stellen seine Einschätzung heraus, dass die Drohnenvorfälle kein direkter russischer Angriff auf die NATO seien, während der übergreifende Tenor seine Aussage betont, der Kreml ziele gezielt auf die Unterstützer der Ukraine. Beide Lesarten stammen aus demselben Interview.
Hintergrund
Die Aussagen Nausėdas fielen in ein Interview mit dem litauischen Sender LRT, das von der Europäischen Prawda aufgegriffen wurde. Anlass waren die jüngsten Drohnenvorfälle in Europa, insbesondere der erste Abschuss einer Drohne durch die NATO-Patrouillenmission über litauischem Luftraum.