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Energoatom: Tkachuk wird CEO, Pavlyshyn Chef-Nuklearoffizier

Der Aufsichtsrat des ukrainischen Staatskonzerns Energoatom hat Jurij Tkachuk zum CEO und Pawlo Pawlyschyn zum Chief Nuclear Officer (CNO) gewählt. Die frühere Einzelposition des Generaldirektors wurde damit in zwei getrennte Führungsrollen aufgeteilt – eine Reform im Zuge des Korruptionsskandals „Mindichgate" vom November 2025.

Das Wichtigste

  • Aufsichtsrat wählte Jurij Tkachuk zum CEO und Pawlo Pawlyschyn zum Chief Nuclear Officer (CNO).
  • Die frühere Generaldirektor-Position wurde in zwei separate Rollen aufgeteilt: CEO für Unternehmensführung, CNO mit unabhängiger Befugnis für nukleare und Strahlensicherheit.
  • Internationale Personalberatung Korn Ferry unterstützte den Auswahlprozess; auf die CEO-Stelle hatten sich 78 Kandidaten aus der Ukraine und dem Ausland beworben.
  • Die Auswahl lief von Juni bis September 2026; die formelle Ernennung steht noch unter dem Vorbehalt gesetzlicher, regulatorischer und unternehmensinterner Verfahren.
  • CNO Pawlyschyn muss eine individuelle Lizenz nach ukrainischem Kernenergierecht erwerben – seine bisherige Lizenz war ihm 2022 entzogen worden.
  • Tkachuk leitet seit Dezember 2025 den ukrainischen Gasproduzenten Ukrgaswydobuwannya; Pawlyschyn war von 2012 bis 2022 Chef des Kernkraftwerks Riwne.
  • Der neue Aufsichtsrat wurde im Januar 2026 eingesetzt, nach der NABU/SAP-Ermittlung „Midas" (auch „Mindichgate" genannt) wegen mutmaßlicher Korruption im Wert von rund 100 Mio. US-Dollar.

Warum es wichtig ist

Energoatom betreibt sämtliche ukrainische Kernkraftwerke und ist damit zentral für die nationale Stromversorgung und nukleare Sicherheit. Die Aufteilung der bisherigen Generaldirektor-Position in einen CEO und einen unabhängigen CNO verändert die Aufsichtsstruktur grundlegend und trennt Unternehmensführung von der Verantwortung für die nukleare Sicherheit. Die Personalentscheidung fällt zudem in eine Phase der Umstrukturierung nach dem Korruptionsskandal „Mindichgate" und gilt als Teil eines umfassenden Neustarts der Konzernführung.

Was geschehen ist

Der Aufsichtsrat der NAEK „Energoatom" wählte am 20. September 2026 Jurij Tkachuk zum Sieger des Auswahlverfahrens für die Position des CEO und Pawlo Pawlyschyn zum Sieger für die Position des Chief Nuclear Officer. Beide Posten waren zuvor in der Generaldirektor-Rolle vereint; im neuen Governance-Modell verantwortet der CEO die Geschäftstätigkeit und Entwicklung des Unternehmens, während der CNO über unabhängige fachliche Befugnisse in Fragen der nuklearen und Strahlensicherheit sowie des Betriebs der Kernkraftwerksblöcke verfügt. Der Auswahlprozess lief von Juni bis September 2026 und wurde von der internationalen Personalberatung Korn Ferry begleitet; auf die CEO-Position hatten sich 78 Kandidaten aus der Ukraine und dem Ausland beworben, von denen fünf in die engere Auswahl kamen und zwei dem Aufsichtsrat als Finalisten präsentiert wurden. Pawlyschyn wurde für die CNO-Position einstimmig unterstützt; er benötigt allerdings eine neue individuelle Lizenz nach ukrainischem Kernenergierecht, da seine frühere Lizenz 2022 entzogen worden war. Tkachuk steht seit Dezember 2025 an der Spitze von Ukrgaswydobuwannya, dem größten Gasproduzenten des Landes; Pawlyschyn leitete von 2012 bis 2022 das Kernkraftwerk Riwne und hatte 2019/2020 bereits für rund vier Monate als amtierender Präsident von Energoatom amtiert. Die formelle Ernetzung beider Kandidaten steht unter dem Vorbehalt der gesetzlichen, regulatorischen und unternehmensinternen Verfahren; mit dem CEO soll ein Fünf-Jahres-Vertrag geschlossen werden, der auch zusätzliche erfolgsabhängige Vergütungspakete umfassen kann.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen widersprechen sich in der Dauer des Auswahlprozesses für die CEO-Position: Einige Berichte sprechen von rund zwei Monaten, andere von einem etwa sechsmonatigen Verfahren für beide Spitzenpositionen. Uneinigkeit besteht auch bei der Zusammensetzung der engeren Auswahl für die CEO-Rolle: Während mehrere Artikel fünf Kandidaten in der Shortlist nennen, führt ein weiterer Artikel neun Kandidaten auf, die in die vertiefte Prüfung gelangten und anschließend auf fünf reduziert wurden.

Hintergrund

Die Umstrukturierung der Energoatom-Führung folgt auf die NABU/SAP-Ermittlung „Midas" („Mindichgate") vom November 2025, in der mutmaßliche Korruptionsschemata im Umfang von rund 100 Mio. US-Dollar aufgedeckt wurden. Zu den Verdächtigen gehörten unter anderem der Mitinhaber von „Kwartał 95", Timur Minditsch, Justizminister und Ex-Energieminister Herman Haluschenko, dessen früherer Berater Ihor Myronjuk sowie der ehemalige Vizepremierminister Oleksij Tschernyschow. Ein neuer Aufsichtsrat, eingesetzt im Januar 2026 und bestehend aus vier unabhängigen Mitgliedern mit internationaler Erfahrung sowie drei Regierungsvertretern, erhielt den Auftrag, die Konzernführung neu aufzustellen. Anfang Juli 2026 schloss die ukrainische Regierung die Bildung der Aufsichtsräte von Energoatom und des Gas-TSO ab; Ende Juli wurde die Satzung von Energoatom aktualisiert, um das Management neu auszurichten.