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Energoatom: Aufsichtsrat wählt neuen CEO und Chief Nuclear Officer

Der Aufsichtsrat des ukrainischen Staatskonzerns Energoatom hat Jurij Tkatschuk zum neuen CEO und Pawlo Pawlyschyn zum neuen Chief Nuclear Officer (CNO) gewählt. Die Aufteilung der bisherigen Spitzenposition in zwei separate Rollen ist Teil einer neuen Corporate-Governance-Struktur. Die Ernennung folgt auf den Korruptionsskandal „Midas“/„Mindichgate“ aus dem November 2025.

Das Wichtigste

  • Energoatom-Aufsichtsrat wählte Jurij Tkatschuk zum neuen CEO und Pawlo Pawlyschyn zum neuen CNO.
  • Die frühere Generaldirektorenposition wurde in eine CEO- und eine CNO-Rolle aufgeteilt; der CNO erhält unabhängige Befugnisse in nuklearen Sicherheitsfragen.
  • Für die CEO-Position bewarben sich 78 Kandidaten aus der Ukraine und dem Ausland; nach mehreren Auswahlrunden blieben fünf, dann zwei Finalisten.
  • Tkatschuk leitet derzeit die staatliche Gasfördergesellschaft Ukrgazvydobuwannya; Pawlyschyn verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Kernenergie und war von 2012 bis 2022 Leiter des Kernkraftwerks Riwne.
  • Mit beiden neuen Führungskräften sollen Fünfjahresverträge abgeschlossen werden, die noch ausgehandelt werden; Pawlyschyn benötigt eine neue individuelle Lizenz nach ukrainischem Nuklearrecht.
  • Von sieben Vorstandspositionen sind derzeit zwei besetzt; die Auswahl der Finanz-, Rechts-, HR- und Handelsdirektoren läuft und soll bis Ende Oktober abgeschlossen werden.
  • Die Ernennung erfolgt vor dem Hintergrund des NABU/SAP-Korruptionsskandals „Midas“/„Mindichgate“ vom November 2025, in dem ua. Timur Minditsch und Justizminister Herman Haluschtschenko beschuldigt werden.

Warum es wichtig ist

Energoatom betreibt alle Kernkraftwerke der Ukraine – einen zentralen Pfeiler der kriegsbedingten Stromversorgung des Landes. Die personelle Erneuerung folgt auf den Korruptionsskandal „Midas“/„Mindichgate“ vom November 2025, in dem ua. hochrangige Politiker und Energieverantwortliche beschuldigt werden, rund 100 Mio. USD aus dem Staatskonzern abgezweigt zu haben. Die Aufteilung der früheren Generaldirektion in eine CEO- und eine CNO-Rolle mit eigenständiger nuklearer Sicherheitsbefugnis ist eine strukturelle Veränderung der Sicherheits-Governance.

Was geschehen ist

Der Aufsichtsrat von Energoatom wählte am 20. September 2026 Jurij Tkatschuk zum neuen CEO und Pawlo Pawlyschyn zum neuen Chief Nuclear Officer (CNO). Tkatschuk ist derzeitiger Leiter des staatlichen Gasproduzenten Ukrgazvydobuwannya; Pawlyschyn verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Kernenergie und stand von 2012 bis 2022 an der Spitze des Kernkraftwerks Riwne. Für den CEO-Posten hatten sich 78 Kandidaten beworben; die Auswahl wurde von der internationalen Beratung Korn Ferry (durch Roman Bondar) unterstützt. Nach mehreren Stufen – von 78 auf 9, dann 5 und schließlich 2 Kandidaten – entschied der Aufsichtsrat. Der gesamte Auswahlprozess für beide Spitzenpositionen dauerte nach unterschiedlichen Angaben entweder rund zwei Monate oder rund sechs Monate. Mit beiden designierten Führungskräften sollen Fünfjahresverträge mit zusätzlichen leistungsbezogenen Vergütungspaketen abgeschlossen werden, die noch ausgehandelt werden. Pawlyschyn benötigt eine neue individuelle Lizenz, da seine frühere 2022 entzogen wurde; Energoatom will seine Kandidatur nach Abschluss aller Unternehmensverfahren zur Lizenzierung einreichen. Von sieben Vorstandspositionen sind erst zwei besetzt; die Auswahl der Finanz-, Rechts-, HR- und Handelsdirektoren läuft und soll bis Ende Oktober abgeschlossen werden.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Alle fünf herangezogenen Quellen sind ukrainischsprachig (Forbes Ukraine, LIGA.net, hromadske, Ukrinform). Sie rahmen die Personalentscheidung als Teil der Corporate-Governance-Reform – der Aufteilung der CEO- und CNO-Rollen – und betonen das wettbewerbsorientierte Auswahlverfahren mit 78 Bewerbern, Korn Ferry, Nominierungsausschuss und psychometrischer Bewertung. Ein zweiter Schwerpunkt ist der NABU/SAP-Skandal „Midas“/„Mindichgate“ vom November 2025, in dem ua. Timur Minditsch, Justizminister Herman Haluschtschenko, dessen Ex-Berater Igor Myronjuk und Ex-Vizepremierminister Oleksij Tschernyschow als Verdächtige genannt werden. Premierminister Serhij Koretskyj wird mit dem Dringen auf eine rasche Ernennung zitiert; Wirtschafts- und Umweltminister Oleksandr Kravtschenko sowie dessen Stellvertreterin Darija Martschak werden als am Verfahren beteiligt genannt. Ministerpräsident Serhij Koretskyj ist in der Ukraine als Regierungschef einer zentralen Figur in der Regierungsführung.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Keine nennenswerte internationale Rahmung; die fünf Quellen stammen sämtlich aus ukrainischen Medien und von der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen widersprechen sich bei der Dauer des CEO-Auswahlprozesses: Ein Artikel nennt rund zwei Monate, ein anderer rund sechs Monate für die gemeinsame Auswahl von CEO und CNO.

Hintergrund

Energoatom ist der Betreiber aller ukrainischen Kernkraftwerke. Im Januar 2026 wurde ein neuer Aufsichtsrat mit vier unabhängigen internationalen Mitgliedern und drei Regierungsvertretern eingesetzt, um die Umstrukturierung zu steuern. Zuvor waren Gesamtunternehmensführung und oberste nukleare Sicherheitsverantwortung in einer Position vereint. Im Mai 2026 ordnete der Aufsichtsrat eine interne Untersuchung auf Basis von NABU-Materialien an und suspendierte mehrere Mitarbeiter; die Reorganisation bestimmter Einheiten sollte bis zum 19. Juni 2026 abgeschlossen sein. Premierminister Serhij Koretskyj hatte im August auf eine rasche Ernennung der neuen Führung gedrängt. Tkatschuk war von November 2022 an Finanzdirektor von Ukrnafta, von Mai bis Dezember 2025 dort amtierender Leiter und übernahm im Dezember 2025 Ukrgazvydobuwannya. Pawlyschyn leitete von 2012 bis 2022 das Kernkraftwerk Riwne und war 2019–2020 für vier Monate amtierender Präsident von Energoatom; seine individuelle Lizenz wurde 2022 entzogen und muss für die CNO-Rolle erneuert werden.