Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Ukrainische Drohnen treffen in der Nacht Raffinerien und Rüstungsbetriebe in vier russischen Regionen

In der Nacht zum 25. September 2026 haben ukrainische Drohnen mehrere Industriestandorte tief in Russland angegriffen. Betroffen waren unter anderem die Elektronikfabrik Iskra in Uljanowsk, die Lukoil-Raffinerie Permnefteorgsintez in Perm, die Nowoschachtinsk-Raffinerie in der Oblast Rostow und der Chemiebetrieb Woroneschsintezkauchuk. Regionale Gouverneure bestätigten Schäden, Verletzte und Produktionsausfälle; über die genaue Zahl abgefangener Drojen gingen die russischen Angaben weit auseinander.

Das Wichtigste

  • Angriff in der Nacht zum 25. September auf Industriestandorte in den Oblasten Uljanowsk, Perm, Rostow und Woronesch.
  • Iskra-Werk in Uljanowsk getroffen: Teil des Almaz-Antey-Konzerns, liefert Komponenten unter anderem für Kh-59M2/M2A-Marschflugkörper.
  • Raffinerie Lukoil-Permnefteorgsintez in Perm, eine der größten Russlands mit über 13 Mio. Tonnen Jahresdurchsatz, geriet in Brand; OSINT-Berichte nennen die AVT-5-Anlage als vermutlich beschädigt.
  • Nowoschachtinsk-Raffinerie in der Oblast Rostow laut Gouverneur Jurij Sljussar beschädigt und vorübergehend stillgelegt; Kapazität bis zu 7,5 Mio. Tonnen pro Jahr.
  • Gouverneur Alexei Russkich (Uljanowsk) sprach von acht Verletzten; Gouverneur Alexander Gussew (Woronesch) meldete vier Verletzte und Schäden an Wohnhäusern, Autos und Industriegebäuden.
  • Gouverneur Dmitri Machonin (Region Perm) erklärte, bei dem Angriff auf einen Industriebetrieb habe es keine Verletzten gegeben.
  • Russische Angaben zu abgefangenen Drohnen schwanken stark: etwa 50 über der Oblast Rostow, 88 über der Oblast Woronesch, insgesamt 592 laut Verteidigungsministerium in 18 Regionen.
  • Präsident Wolodymyr Selenskyj knüpfte die Einstellung von Angriffen auf Energie- und Raffinerieinfrastruktur an ein mögliches Teilabkommen im russisch-ukrainischen Krieg.

Warum es wichtig ist

Mehrere der getroffenen Objekte sind unmittelbar mit der russischen Rüstungs- und Energiebasis verbunden. Das Iskra-Werk gehört zum Rüstungskonzern Almaz-Antey und liefert Komponenten für Marschflugkörper vom Typ Kh-59M2/M2A; die Raffinerien in Perm und Nowoschachtinsk zählen zu den größeren Verarbeitern Russlands. Die Nowoschachtinsk-Raffinerie steht nach dem Treffer still, in Perm wurde offenbar dieselbe Anlage beschädigt wie schon Ende August. Präsident Selenskyj verknüpfte Angriffe auf russische Energie- und Raffinerieinfrastruktur öffentlich mit möglichen Vereinbarungen über eine Teilwaffenruhe. Die geografische Breite des Angriffs – von Uljanowsk über Perm und Woronesch bis in die Oblast Rostow – verdeutlicht die Reichweite der jüngsten ukrainischen Drohnenoperationen.

Was geschehen ist

In der Nacht zum 25. September 2026 führten ukrainische Drohnen eine koordinierte Angriffswelle auf mehrere Industriestandorte tief im russischen Hinterland durch. In Uljanowsk wurde das Iskra-Werk (NPP Sawod Iskra) getroffen, ein seit 1971 bestehender Betrieb, der zum Almaz-Antey-Konzern gehört und Halbleiter, Mikrowellenbauelemente, Leistungselektronik sowie LTCC-Keramikgehäuse für Radarelektronik herstellt; das Werk beliefert auch den Jaroslawler Radiowerk für die Produktion von Kh-59M2/M2A-Marschflugkörpern. Gouverneur Alexei Russkich bestätigte Schäden an Industrie- und Zivilinfrastruktur und sprach von acht Verletzten. In Perm geriet die Lukoil-Raffinerie Permnefteorgsintez (PNOS) – einer der größten Ölverarbeiter Russlands mit über 13 Millionen Tonnen Jahresdurchsatz – in Brand; OSINT-Quellen verorten den Schaden an der AVT-5-Atmosphärisch-Vakuum-Destillationsanlage, die bereits Ende August wahrscheinlich beschädigt worden war. Gouverneur Dmitri Machonin erklärte, es habe keine Verletzten gegeben. In der Oblast Rostow wurde die Nowoschachtinsk-Raffinerie (bis zu 7,5 Millionen Tonnen pro Jahr) getroffen; Gouverneur Jurij Sljussar bestätigte den Schaden und die vorübergehende Stilllegung. In der Oblast Woronesch wurde unter anderem der Chemiebetrieb Woroneschsintezkauchuk (Thermoelastomere und Synthesekautschuk, seit 2012 im Besitz von Sibur) getroffen; Gouverneur Alexander Gussew meldete vier Verletzte und Schäden an Wohnhäusern, Autos und Industriegebäuden.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Medien betonen die militärindustrielle Bedeutung der Ziele: Sie verweisen auf Iskra als Teil von Almaz-Antey, auf die Rolle des Werks in der Produktion von Kh-59M2/M2A-Komponenten und auf die Verarbeitungskapazitäten der Raffinerien in Perm und Nowoschachtinsk. Die Berichterstattung greift gezielt russische Bestätigungen durch Gouverneure auf – Schäden, Stilllegungen, Verletzte – und stellt diese als Eingeständnis realer Folgen auf russischem Boden dar. Einige ukrainische Quellen betten den Angriff in den politischen Kontext ein und zitieren Selenskyjs Aussagen, die Angriffe auf Energie- und Raffinerieinfrastruktur an mögliche Waffenstillstandsvereinbarungen knüpfen. Russische OSINT-Kanäle wie ASTRA und Exilenova+ werden herangezogen, um die Perm-Raffinerie und das Iskra-Werk als Ziele zu identifizieren.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die russischen Angaben zu abgefangenen Drohnen schwanken erheblich: Gouverneur Sljussar sprach von rund 50 Drohnen über der Oblast Rostow, Gouverneur Gussew von 88 Drohnen über der Oblast Woronesch, und das russische Verteidigungsministerium behauptete insgesamt 592 Drohnen in 18 Regionen und Territorien. Auch Schadens- und Verletztenzahlen weichen je nach Oblast voneinander ab: In Uljanowsk wurden acht Verletzte und Schäden an Wohnhäusern gemeldet, in Perm ausdrücklich keine Verletzten, in der Oblast Woronesch vier Verletzte. Beim Perm-Angriff ist zudem unklar, ob die gesamte Anlage oder konkret die AVT-5-Destillationsanlage betroffen ist. Über den Umfang der Angriffswelle besteht ebenfalls keine Einigkeit: Viele Quellen fokussieren auf Uljanowsk und Perm, andere beziehen die Nowoschachtinsk-Raffinerie, Woroneschsintezkauchuk und einen Treffer in einem Hypermarkt im besetzten Luhansk in dieselbe Angriffsnacht ein.

Hintergrund

Das Iskra-Werk in Uljanowsk, gegründet 1971, gehört zum Almaz-Antey-Konzern und stellt Halbleiterbauern, Mikrowellenkomponenten, Leistungselektronik und LTCC-Keramikgehäuse für Radarelektronik her; seine Produkte werden im russischen Rüstungs­komplex verwendet, unter anderem in Marschflugkörpern des Typs Kh-59M2/M2A. Die Lukoil-Raffinerie Permnefteorgsintez (PNOS) in Perm zählt mit über 13 Millionen Tonnen Jahresdurchsatz zu den größten Ölverarbeitern Russlands und war bereits Ende August getroffen worden, wobei wahrscheinlich die primäre atmosphärisch-vakuum-Destillationsanlage beschädigt wurde. Die Nowoschachtinsk-Raffinerie in der Oblast Rostow verarbeitet bis zu 7,5 Millionen Tonnen pro Jahr und war ebenfalls bereits mehrfach Ziel von Angriffen, mit einem Produktionsstopp Ende August. Woroneschsintezkauchuk, in der Nähe des gemeldeten Einschlagorts in der Oblast Woronesch, produziert Thermoelastomere und Synthesekautschuk und gehört seit 2012 vollständig zu Sibur. In der vorherigen Nacht (23.–24. September) hatten Drohnen südliche russische Regionen angegriffen und dabei Öldepots in der Oblast Rostow und in Kuban beschädigt. Präsident Selenskyj hatte öffentlich erklärt, eine Einstellung von Angriffen auf Energieinfrastruktur und Raffinerien werde als eine Option für eine Teilwaffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg diskutiert, und die Bereitschaft der Ukraine zu einem solchen Schritt an ein vergleichbares Einlenken Russlands geknüpft.