Russland startet massive Drohnen- und Raketenangriffe auf die Ukraine – Ukraine trifft Erdölraffinerie in Samara
In der Nacht zum 22. September hat Russland die Ukraine mit Raketen verschiedener Typen und 212 Drohnen angegriffen. Nach ukrainischen Angaben wurden 186 Luftziele abgefangen; Einschläge gab es an 22 Orten, getroffen wurden unter anderem Dnipro und die Oblast Poltawa. Zeitgleich traf die Ukraine mit Drohnen die Kuibyschew-Raffinerie in Samara. Die Angriffe fallen in die Vorbereitung des Treffens von Selenskyj mit Trump bei der UN-Generalversammlung.
Das Wichtigste
- Russland griff in der Nacht zum 22. September mit Raketen verschiedener Typen und 212 Drohnen an; die Hauptziele lagen in den Oblasten Dnipropetrowsk, Kirowohrad und Poltawa.
- Die Luftabwehr fing nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe bis 08:00 Uhr 186 Ziele ab: 1 Kalibr-Marschflugkörper, 8 Banderol/Dan-T sowie 177 Schahed-, Gerbera- und andere Drohnen.
- Russland feuerte Oniks-Antischiffsraketen aus der Oblast Rostow, Iskander-M-, S-400- und KN-23-Raketen aus den Oblasten Kursk, Rostow und Woronesch, 4 Kalibr-Marschflugkörper aus dem Kaspischen Meer sowie 8 Banderol/Dan-T aus der Oblast Belgorod.
- Einschläge wurden an 22 Orten registriert; in Dnipro starben bei einem ballistischen Raketenangriff nach einer Darstellung zwei Menschen, nach einer anderen vier Menschen, sechs wurden verletzt.
- In der Oblast Poltawa, Kremenchuker Rajon, wurden ein Industrieunternehmen und ein Objekt der kritischen Infrastruktur getroffen; in Kiew wurden fünf Menschen verletzt, ein fünfstöckiges Gebäude im Stadtbezirk Dnipro beschädigt.
- Die Ukraine traf mit Drohnen die Kuibyschew-Raffinerie in Samara und löste einen Großbrand aus; laut Gouverneur Fedorischtschew starb ein Mensch, vier wurden verletzt.
- Frankreich kündigte nach Angaben von Präsident Macron zusätzliche Radargeräte zum Schutz des ukrainischen Stromnetzes an; Selenskyj wollte bei dem Treffen mit Trump in New York weitere Patriot-Systeme anfordern.
Warum es wichtig ist
Die Angriffswelle vereinte mehrere Raketentypen – Oniks, Iskander-M, S-400, KN-23, Kalibr und Banderol/Dan-T – mit 212 Drohnen und richtete sich koordiniert gegen mehrere Regionen. Einschläge an mindestens 22 Orten, darunter kritische Infrastruktur und Industrieanlagen, zeigen die landesweite Reichweite der Attacke. Zugleich führt die Ukraine ihre eigenen Tiefschläge auf russische Energieinfrastruktur fort. Politisch fallen die Angriffe in die Tage vor dem Treffen von Selenskyj mit US-Präsident Trump am Rande der UN-Generalversammlung, bei dem Selenskyj weitere Patriot-Systeme einfordern will; Frankreich kündigte parallel zusätzliche Radargeräte zum Schutz des Stromnetzes an.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 22. September startete Russland einen großangelegten kombinierten Raketen- und Drohnenangriff auf die Ukraine. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden Raketen verschiedener Typen und 212 Drohnen – darunter schahed-artige Schlagdrohnen mit Jet-Antrieb sowie Parodijja-Drohnen als Köder – eingesetzt. Bis 08:00 Uhr seien 186 Luftziele neutralisiert worden: 1 Kalibr-Marschflugkörper, 8 Banderol/Dan-T und 177 Schahed-, Gerbera- und andere Drohnen. Russland feuerte Oniks-Antischiffsraketen aus der Oblast Rostow, Iskander-M-, S-400- und KN-23-Raketen aus Kursk, Rostow und Woronesch, 4 Kalibr aus dem Kaspischen Meer sowie 8 Banderol/Dan-T aus der Oblast Belgorod ab. Die Drohnen wurden aus den russischen Gebieten Orjol, Millerowo, Schatalowo, Kursk und Primorsko-Achtarsk sowie vom besetzten Donezk, Hwardijiske und Tschauta auf der Krim gestartet.
Einschläge von Raketen und Drohnen wurden an 22 Orten verzeichnet, Trümmerteile abgeschossener Ziele an vier weiteren. Die Hauptangriffsrichtungen lagen nach Angaben der Luftwaffe in den Oblasten Dnipropetrowsk, Kirowohrad und Poltawa. In Dnipro wurden bei einem ballistischen Raketenangriff nach einer Darstellung zwei, nach einer anderen vier Menschen getötet; sechs wurden verletzt. In der Oblast Poltawa, Kremenchuker Rajon, wurden ein Industrieunternehmen und ein Objekt der kritischen Infrastruktur getroffen; zudem fiel eine Drohne auf das Gelände eines Landwirtschaftsbetriebs, ohne dass Menschen zu Schaden kamen. In Kiew wurden fünf Menschen verletzt; im Stadtbezirk Dnipro traf eine russische Drohne ein fünfstöckiges Gebäude, die Druckwelle beschädigte drei benachbarte Häuser. Im Stadtbezirk Darnyzkyj fielen Trümmer auf ein privates Grundstück; im Rajon Browary der Oblast Kiew brach in einem Lagergebäude und auf dem Dach eines Nebengebäudes ein Brand aus, ein Teil von Browary fiel zeitweise ohne Strom aus. Auch in Krywyj Rih und Pawlohrad in der Oblast Dnipropetrowsk wurden Industrieunternehmen beschädigt.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Quellen liefern detaillierte Aufschlüsselungen nach Raketentyp und Startort, benennen die eingesetzten Luftabwehrmittel – Luftfahrt, Flugabwehrraketentruppen, elektronische Kampfführung, unbemannte Systeme sowie mobile Feuergruppen – und beziffern die abgefangenen Ziele auf 186. Sie betonen Angriffe auf kritische Infrastruktur und Industrie in Dnipro, der Oblast Poltawa, Krywyj Rih, Pawlohrad, Kiew und Browary und berichten zugleich über den ukrainischen Drohnenangriff auf die Kuibyschew-Raffinerie in Samara mit den vom Gouverneur genannten Opferzahlen. Im Vordergrund steht zudem das bevorstehende Treffen Selenskyjs mit Trump bei der UN-Generalversammlung und Selenskyjs Ankündigung, zusätzliche Patriot-Systeme anfordern zu wollen.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Der englischsprachige US-Quellensender rahmt die Ereignisse als wechselseitige „tödliche Schläge“ zwischen Russland und der Ukraine und stellt die diplomatischen und westlichen Hilfsaspekte in den Vordergrund: das geplante Treffen Selenskyjs mit Trump, die Bitte um weitere Patriot-Systeme sowie Macrons Zusage zusätzlicher Radargeräte zum Schutz des Stromnetzes. Detaillierte Auflistungen von Startorten und Abfangzahlen treten in den Hintergrund. Zugleich wird die Behauptung des russischen Verteidigungsministeriums, wonach 297 ukrainische Drohnen über 14 russischen Regionen und der Krim abgefangen worden seien, mit hoher Sichtbarkeit wiedergegeben, ohne sie unabhängig einzuordnen.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Opferzahlen in Dnipro widersprechen sich: Eine Darstellung nennt zwei Tote und sechs Verletzte durch einen ballistischen Raketenangriff, eine andere vier Tote und sechs Verletzte nach einem Treffer auf ein Unternehmen. Beide Zahlen werden in den Quellen genannt, eine Auflösung ist nicht belegt. Das russische Verteidigungsministerium behauptet zudem, in derselben Nacht 297 ukrainische Drohnen über 14 russischen Regionen und der Krim abgefangen zu haben; diese Zahl lässt sich nicht unabhängig überprüfen.
Hintergrund
Der Berater des Präsidenten für Technologiefragen, Serhij (Flash) Beskrestnow, hatte am 21. September gewarnt, Russland werde in der Nacht versuchen, Gebiete westlich von Kiew mit benzinbetriebenen Schahed-Drohnen anzugreifen und dabei schlechtes Wetter ausnutzen. Die Kuibyschew-Raffinerie in Samara gehört Rosneft und produziert Benzin, Diesel, Heizöl und andere Erdölprodukte für das zentrale Russland.