Ukraine steht vor akutem Mangel an Patriot- und F-16-Abwehrraketen, während Russland Drohnen- und Raketenproduktion hochfährt
Die ukrainischen Vorräte an PAC-3- und Patriot-Abwehrraketen sowie an AIM-Raketen für F-16-Kampfjets sind laut The Economist nahezu erschöpft. Gleichzeitig steigert Russland die Produktion turbojetgetriebener Geran-Drohnen und ballistischer Raketen. Die Ukraine setzt auf europäische Alternativen wie SAMP/T-Batterien mit Aster-Raketen und das gemeinsame Projekt Freyja.
Das Wichtigste
- PAC-3-Bestände für Patriot und AIM-120/AIM-9 für F-16 in der Ukraine nahezu aufgebraucht
- Russland produziert turbojetgetriebene Geran-4- und Geran-5-Drohnen mit rund 3.000 Einheiten pro Monat
- Die Drohnen erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 600 km/h, ältere Modelle flogen langsamer
- Russland skaliert ballistische Raketenproduktion auf etwa 100 Stück pro Monat (ca. 60 Iskander-M und 40 RM-48U)
- Eine Export-PAC-3 kostet rund 7 Mio. Dollar; Aster-Raketen kosten weniger als die Hälfte
- Ukraine erwartet bis Ende 2026 ältere SAMP/T-Batterien mit Aster-Raketen sowie 2027 acht neue SAMP/T NG
- Das Projekt Freyja, basierend auf ukrainischer FP-7-Rakete, soll eine günstigere, massenproduzierbare Alternative zu PAC-3 werden
Warum es wichtig ist
Die Ukraine verteidigt ihren Luftraum mit rapide schrumpfenden Munitionsvorräten, während Russland Drohnen und ballistische Raketen in industriellem Tempo produziert. Das zwingt Kiew, auf günstigere europäische Alternativen wie SAMP/T mit Aster-Raketen und das Gemeinschaftsprojekt Freyja umzuschwenken. Das Kostenverhältnis von PAC-3 zu Aster (unter 50 %) macht eine reine Umstellung auf Patriot-Munition auf Dauer unbezahlbar. Gleichzeitig dürften großvolumige US-Nachlieferungen wegen eigener Bestandslücken Washingtons ausbleiben.
Was geschehen ist
Russland hat seine Drohnenangriffe auf die Ukraine mit turbojetgetriebenen Modellen wie Geran-4 und Geran-5 massiv verstärkt. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe stiegen die Einsätze dieser Jet-Drohnen von 350 im Juni auf 1.600 im Juli und 2.800 im August; in fünf Nächten im August übertrafen sie zahlenmäßig ältere, langsamere Modelle. Die Drohnen erreichen Geschwindigkeiten bis 600 km/h und werden monatlich zu etwa 3.000 Stück produziert, wobei die Turbojet-Triebwerke überwiegend aus China stammen und einige Komponenten in Russland mit geschmuggelten westlichen 3D-Druckern gefertigt werden. Russland hat zudem die Produktion ballistischer Raketen auf etwa 100 pro Monat hochgefahren (Schätzung), darunter rund 60 Iskander-M und 40 RM-48U.
Parallel dazu sind die ukrainischen Vorräte an PAC-3-Abwehrraketen für Patriot-Systeme und an AIM-120/AIM-9-Raketen für F-16-Kampfjets nahezu erschöpft. Neue großvolumige US-PAC-3-Lieferungen gelten als unwahrscheinlich, da die US-Bestände durch die Konfrontation mit dem Iran beansprucht sind. Die Ukraine setzt daher auf europäische Lösungen: Bis Ende 2026 sollen ältere SAMP/T-Batterien mit Aster-Raketen eintreffen, 2027 folgen acht neue SAMP/T NG. Aster nutzt einen Explosiv-Sprengkopf mit Annäherungszündung und kostet nach übereinstimmenden Angaben weniger als die Hälfte einer Export-PAC-3 (etwa 7 Mio. Dollar). Das gemeinsame europäisch-ukrainische Projekt Freyja, das auf der ukrainischen Kurzstreckenrakete FP-7 basiert, soll eine günstigere, massenproduzierbare Alternative zu PAC-3 werden; Sensorik, Steuerung und Kontrollsysteme werden von zwölf europäischen Rüstungsfirmen geliefert, darunter Thales, Leonardo, Diehl und Saab.
Wo die Berichte auseinandergehen
Französische Militärquellen behaupten, die Aster-Rakete übertreffe die Patriot in mancherlei Hinsicht, während andere Angaben die PAC-3 als aktuellen Maßstab mit einem Exportstückpreis von rund 7 Mio. Dollar darstellen. Dies spiegelt unterschiedliche nationale Einschätzungen wider, keine direkt widersprüchlichen Zahlen.
Hintergrund
Die turbojetgetriebenen Geran-Drohnen werden überwiegend mit chinesischen Triebwerken angetrieben; einige Komponenten werden in Russland aus geschmuggelten westlichen 3D-Druckern gefertigt. Zusätzlich setzt Russland die größere Drohne „Banderole" ein, die zunehmend einem kostengünstigen Marschflugkörper ähnelt. Die Aster-Rakete arbeitet mit Annäherungszündung, während die PAC-3 auf einen kinetischen „Hit-to-Kill"-Abschuss setzt. Deutschland plant eine Lizenzproduktion von bis zu 200 leistungsschwächeren PAC-2-Raketen pro Jahr, von denen einige mit Zustimmung weiterer NATO-Staaten später an die Ukraine geliefert werden könnten.