Ukrainischer Geheimdienst warnt vor russischen Tests einer neuen ballistischen Rakete mit bis zu 800 km Reichweite
Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR warnt, Russland plane bis Ende 2026 die Erprobung eines neuen ballistischen Raketensystems mit einer Reichweite von bis zu 800 km. Bei den Tests könnten Ziele in der Westukraine angegriffen werden. Zugleich weist der Geheimdienst auf einen Mangel an Patriot-Abfangraketen hin, während Deutschland am 8. September eine dringende Lieferung von PAC-2-Raketen ankündigte.
Das Wichtigste
- Der HUR-Vertreter Wadym Skibizky erklärte am Rande einer Sitzung des interparlamentarischen Rates Ukraine-NATO, Russland plane bis Ende 2026 die finalen Tests einer ballistischen Rakete mit bis zu 800 km Reichweite.
- Bei den Tests könnte Russland laut HUR versuchen, Ziele in der Westukraine anzugreifen.
- Die offizielle Reichweite der russischen Iskander-M liegt bei 500 km; mit reduziertem Gefechtskopf schätzen Experten bis zu 700 km.
- Ende August wandte sich Russland laut HUR an Nordkorea wegen neuer KN-30-Raketen mit höheren Leistungsdaten als zuvor gelieferte Systeme.
- Die Ukraine hat nach HUR-Angaben einen Mangel an PAC-2-Abfangraketen für Patriot-Systeme; eine Lizenzproduktion in der Ukraine gilt als langwieriger Prozess.
- Deutschland kündigte am 8. September eine dringende Lieferung von PAC-2-Abfangraketen aus Bundeswehr-Beständen an die Ukraine an.
- Der HUR beschreibt die russische Strategie als Abnutzungskrieg: Intensivierung von Raketen- und Drohnenangriffen zur Erzeugung einer sozioökonomischen Krise, fortgesetzte Schwarzmeer-Blockade und Versuche, Belarus in den Krieg hineinzuziehen.
Warum es wichtig ist
Eine Rakete mit 800 km Reichweite würde die bisherige Iskander-M-Reichweite von offiziell 500 km deutlich überschreiten und die Verwundbarkeit der Westukraine erhöhen. Da die Ukraine nach Angaben des HUR unter einem Mangel an Patriot-Abfangraketen leidet und eine eigene Produktion oder Lizenzierung als langwierig gilt, könnte die Luftverteidigung gegen Ziele mit erweiterter Reichweite unter Druck geraten.
Was geschehen ist
Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR hat davor gewarnt, dass Russland bis Ende 2026 die finalen Tests eines neuen ballistischen Raketensystems mit einer Reichweite von bis zu 800 km plant. Der stellvertretende HUR-Chef Wadym Skibizky äußerte dies bei einer Sitzung des interparlamentarischen Rates Ukraine-NATO. Demnach könnte Russland die Tests nutzen, um Ziele in der Westukraine anzugreifen. Der HUR verweist zudem auf einen Mangel an PAC-2-Abfangraketen für die Patriot-Systeme der Ukraine und auf einen schleppenden Prozess für deren Produktion oder Lizenzierung. Am 8. September kündigte Deutschland eine dringende Lieferung von PAC-2-Abfangraketen aus Bundeswehr-Beständen an die Ukraine an. US-Präsident Donald Trump hatte laut den vorliegenden Informationen zunächst Bereitschaft signalisiert, der Ukraine die Produktion von Patriot-Abfangraketen zu erlauben, soll aber später an dieser Lizenz gezweifelt haben.
Hintergrund
Die offizielle Reichweite der russischen Iskander-M liegt bei 500 km; mit leichtem Gefechtskopf schätzen Expertinnen und Experten bis zu 700 km. Anfang 2026 griff Russland die Oblast Lwiw mit Mittelstreckenraketen vom Typ Oreshnik an. Nach HUR-Angaben verlor Russland im August 2026 43.000 Soldaten bei nur 39.000 Einberufungen; der Generalstab sieht eine intensivierte Mobilisierung als einzigen Weg zur vollständigen Besetzung des Donbass und zur Sicherung der strategischen Initiative. HUR-Chef Oleh Iwaschtschenko schätzt, dass Russland trotz wirtschaftlicher Schwächungen Ressourcen für eine Kriegsführung bis 2027 und 2028 haben könnte.