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Ukraine: Ausländische Elektronik in russischen Waffen weiterhin nachweisbar

Der ukrainische Sanktionsbeauftragte des Präsidenten, Vladyslav Vlasyuk, hat darauf hingewiesen, dass in abgeschossenen und geborgenen russischen Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern weiterhin zahlreiche kurz vor dem Einsatz gefertigte Komponenten westlicher und asiatischer Hersteller gefunden werden. Die Belege umfassen eine Drohne Geran-4, eine Iskander-M-Rakete sowie den Bordrechner Zarya-61 aus einer Kinzhal-Rakete.

Das Wichtigste

  • Geran-4-Drohne, abgeschossen am 12. August 2026 in der Oblast Kiew, enthielt 96 Fremdkomponenten aus den USA, China, Taiwan, Deutschland, der Schweiz und Kanada
  • Iskander-M-Rakete, Anfang Juli 2026 in der Oblast Kiew geborgen, enthielt 147 Fremdkomponenten aus den USA, Belarus, der Schweiz, Deutschland, China und Japan
  • Im Iskander-M wurden 36 russische und 11 belarusische Komponenten identifiziert
  • Zarya-61-Bordrechner aus einer im Mai 2026 abgeschossenen Kinzhal-Rakete enthält Komponenten aus den Jahren 2021 bis 2024, darunter einen Texas-Instruments-DSP und IDT-Speicher (Renesas)
  • Platine des Zarya-61 wurde im Mai 2025 bestückt; in einem weiteren Bereich fanden sich ein Texas-Instruments-Prozessor mit 1986er-Markierung und AMD-Schaltkreise von 1996
  • In der Geran-4 stammen sieben Komponenten aus 2026, drei aus 2025; im Iskander-M mindestens 21 Komponenten aus 2025 sowie weitere aus 2026
  • Daten stammen aus einer Veröffentlichung des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR über 155 Roselektronika-Betriebe und einer Stellungnahme Vlasyuks gegenüber LIGA.net

Warum es wichtig ist

Die Funde sprechen dafür, dass bestehende Sanktionsregelungen Lücken aufweisen und weiterhin aktive Lieferketten für westliche und asiatische Elektronik in russische Waffenfabriken bestehen. Die Fertigungsdaten bis 2026 zeigen, dass es sich nicht um die Verwertung alter Lagerbestände handelt, sondern um laufende Beschaffung. Die benannten Hersteller und Herkunftsländer liefern konkrete Ansatzpunkte für gezieltere Exportkontrollen und Sanktionen. Im Fall der Kinzhal-Rakete widerlegen die Funde zudem frühere Berichte über eine erfolgreiche russische Substitution amerikanischer Prozessoren im Bordrechner Zarya-61.

Was geschehen ist

Der Sanktionsbeauftragte des ukrainischen Präsidenten, Vladyslav Vlasyuk, hat Untersuchungsergebnisse zu abgeschossenen oder geborgenen russischen Waffensystemen vorgestellt. In einer Drohne vom Typ Geran-4, die am 12. August 2026 in der Oblast Kiew abgeschossen wurde, identifizierten Experten 96 fremdgefertigte Komponenten. Sie stammten aus den USA, China, Taiwan, Deutschland, der Schweiz und Kanada; Hersteller waren unter anderem Texas Instruments, Amphenol, Diodes Incorporated, Kyocera AVX, Kemet, ON Semiconductor und Vishay Intertechnology. Sieben Bauteile waren 2026 gefertigt worden, drei weitere 2025. In einer Iskander-M-Rakete, die Anfang Juli 2026 an einem Einschlagsort in der Oblast Kiew sichergestellt wurde, fanden sich 147 Fremdkomponenten aus den USA, Belarus, der Schweiz, Deutschland, China und Japan. Hersteller waren unter anderem Texas Instruments, Analog Devices, Maxim Integrated, Cypress, STMicroelectronics, Macronix, Integrated Silicon Solution und MaxLinear. Mindestens 21 Komponenten stammten aus 2025, weitere aus 2026; daneben enthielt die Rakete 36 russische und 11 belarusische Bauteile. Bei der Untersuchung des Bordrechners Zarya-61 aus einer im Mai 2026 abgeschossenen Kinzhal-Rakete zeigte sich, dass Russland Anfang der 2020er Jahre noch amerikanische Texas-Instruments-Prozessoren durch eigene Mikroschaltungen ersetzt hatte. In einem neueren Muster des Zarya-61, dessen Platine im Mai 2025 bestückt wurde, waren jedoch wieder amerikanische Texas-Instruments-DSP-Prozessoren und IDT-Speicher (heute Renesas) verbaut, ergänzt um ältere Komponenten wie einen Texas-Instruments-Prozessor mit 1986er-Markierung und AMD-Schaltkreise von 1996. Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR hatte zuvor Daten zu 155 Betrieben des russischen Staatskonzerns Roselektronika veröffentlicht, die Komponenten für ballistische Waffen, Flugzeuge, Drohnen und elektronische Kampfführung produzieren.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Vlasyuk nutzt die Untersuchungsergebnisse, um die Sanktionspolitik gegenüber Russland als unzureichend darzustellen. Die ukrainische Seite dokumentiert gezielt Hersteller und Fertigungsjahre, um gegenüber westlichen Partnern die Notwendigkeit strengerer Exportkontrollen zu belegen. Die Veröffentlichung von Daten zu 155 Roselektronika-Betrieben durch den HUR verfolgt dasselbe Ziel: gezielte Maßnahmen gegen einzelne Glieder der russischen Rüstungsindustrie zu ermöglichen.

Hintergrund

Die Geran-4 ist eine russische Kampfdrohne, die regelmäßig bei Angriffen auf ukrainische Ziele eingesetzt wird. Die Iskander-M ist ein russisches Kurzstrecken-Ballistic-Missile-System, die Kinzhal eine luftgestartete ballistische Rakete. Bereits zuvor hatte Russland versucht, bestimmte amerikanische Prozessoren im Bordrechner Zarya-61 durch inländische Mikroschaltungen zu ersetzen. Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR beobachtet und veröffentlicht seit längerem Daten zu russischen Rüstungsholdings wie Roselektronika.