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Selenskyj bestätigt US-Drohung mit Stopp der Geheimdienst-Zusammenarbeit – zwei Nächte ballistischer Angriffe auf Kiew ohne Vorwarnung

In einem Interview mit NPR hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigt, dass die US-Regierung der Ukraine mit dem Ende des Geheimdienst-Austauschs gedroht hat, falls die Angriffe auf russische Ölraffinerien fortgesetzt werden. Die Warnung sei seinen Generälen, nicht ihm persönlich übermittelt worden. Zugleich blieb die Ukraine in zwei Nächten in Folge – am 12. und 13. Oktober – ohne Vorwarnung der Partner vor ballistischen russischen Angriffen auf Kiew; drei Menschen kamen in der Hauptstadt ums Leben. Trump erklärte öffentlich, die Geheimdienst-Zusammenarbeit sei nicht eingestellt worden; laut Semafor wird der Schritt im Weißen Haus weiter erwogen.

Das Wichtigste

  • Selenskyj bestätigte im NPR-Interview, dass Washington mit dem Stopp des Geheimdienst-Austauschs gedroht hat, sollte die Ukraine russische Ölraffinerien weiter angreifen.
  • Die Warnung sei seinen Generälen übermittelt worden, nicht ihm direkt; zum Zeitpunkt des Interviews sei der Austausch nicht gestoppt gewesen.
  • Trump sagte am 13. Oktober, die USA hätten den Geheimdienst-Austausch mit der Ukraine nicht eingestellt.
  • Am Abend des 12. Oktober schlug Russland Kiew mit ballistischen Raketen; die Ukraine erhielt keine Vorwarnung von Partnern.
  • Am Abend des 13. Oktober wiederholte sich das gleiche Bild bei einem weiteren ballistischen Angriff auf Kiew; drei Tote wurden in der Hauptstadt gemeldet.
  • Selenskyj begründete den Anstieg der Treibstoffpreise in den USA mit dem Krieg rund um den Iran und der Blockade der Straße von Hormus.
  • Laut Semafor wird im Weißen Haus weiter über einen Stopp des Geheimdienst-Austauschs beraten; CIA-Direktor John Ratcliffe gehört zu den Gegnern einer solchen Beschränkung.

Warum es wichtig ist

Ein möglicher Stopp des US-Geheimdienst-Austauschs würde die Fähigkeit der Ukraine, russische Raketen- und Drohnenangriffe frühzeitig zu erkennen und abzufangen, unmittelbar schwächen – was sich bereits in den folgenreichen ballistischen Angriffen auf Kiew am 12. und 13. Oktober gezeigt hat. Die US-Drohung ist explizit an die Forderung gekoppelt, die ukrainischen Langstreckenschläge auf russische Energieinfrastruktur einzustellen, und verkehrt die Logik des Konflikts: Nicht ukrainische Angriffe, sondern russische Angriffe auf das ukrainische Energienetz sind der Auslöser der ukrainischen Operationen. Dass Trump öffentlich jeden Stopp bestreitet, intern aber weiter über einen solchen Schritt beraten wird, macht die Lage unberechenbar. Zugleich lockern die USA Sanktionen gegen russisches Diesel – ein paralleler Kurswechsel, der russische Kriegsfinanzierung erleichtert.

Was geschehen ist

Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte in einem am 13. Oktober veröffentlichten Interview mit dem US-Sender NPR, dass die Trump-Regierung der Ukraine mit dem Ende des Geheimdienst-Austauschs gedroht habe, sollten ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien weitergehen. Die Warnung sei nicht an ihn persönlich, sondern an seine Generäle gerichtet gewesen. Zum Zeitpunkt des Interviews sei der Austausch nicht tatsächlich unterbrochen worden. US-Präsident Donald Trump erklärte am 13. Oktober, die USA hätten die Geheimdienst-Zusammenarbeit mit der Ukraine nicht eingestellt. Nach Berichten von Semafor wird ein Stopp im Weißen Haus jedoch weiter erwogen; CIA-Direktor John Ratcliffe zählt zu den Widersachern einer solchen Beschränkung. Währenddessen wurde Kiew in zwei aufeinanderfolgenden Nächten von ballistischen russischen Raketen getroffen – am Abend des 12. und am Abend des 13. Oktober. Nach Darstellung Selenskyjs und der ukrainischen Luftwaffe erhielt die Ukraine in beiden Fällen keine Vorwarnung von Partnern über die Starts; die Raketen wurden erst beim Anflug auf die Hauptstadt erfasst. Am Morgen nach dem Angriff vom 13. Oktober wurde die Energieinfrastruktur in Kiew und der Region erneut getroffen; drei Tote wurden in der Hauptstadt gemeldet.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die ukrainischen Medien stellen Selenskyjs Aussage in den Mittelpunkt, dass die US-Drohung den Generälen und nicht dem Präsidenten übermittelt wurde – was als Versuch Washingtons gewertet wird, die politische Verantwortung an die Militärführung zu verlagern. Gleichzeitig betonen sie die operativen Folgen: zwei unangekündigte Nächte ballistischer Angriffe auf Kiew und drei Tote in der Hauptstadt. Der Sprecher der Luftwaffe, Juri Ihnat, und Außenminister Andrij Sybiha werden zitiert, um deutlich zu machen, dass solche Vorfälle kein Einzelfall sind und die US-Erklärung mit dem schlechten Wetter in Kiew nicht als ausreichend akzeptiert wird. Der von Trump angekündigte „Energiewaffenstillstand" wird als Entscheidung dargestellt, von der die Ukraine aus den sozialen Medien erfuhr, und die ukrainischen Angriffe auf russische Energie- und Logistikziele werden als Reaktion auf russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur verteidigt.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen sind sich in vier Punkten uneins. Erstens: Ob der Geheimdienst-Austausch tatsächlich gestoppt ist – Selenskyj bestätigt eine Drohung, Trump bestreitet einen Stopp öffentlich, Semafor berichtet von einer noch laufenden internen Abwägung im Weißen Haus. Zweitens: Die Ursache für die fehlende Vorwarnung vor dem ballistischen Angriff auf Kiew am 12. Oktober – eine US-Quelle nannte laut Politico schlechtes Wetter, ukrainische Offizielle halten das für unzureichend und vermuten einen anderen Grund. Drittens: Der „Energiewaffenstillstand" – Selenskyj spricht von einer von Trump erfundenen Ankündigung, von der die Ukraine erst über soziale Medien erfuhr; Trump stellt sie als echte Vereinbarung mit Putin dar. Viertens: Die Verantwortung für steigende Treibstoffpreise in den USA – Selenskyj führt sie auf den Iran-Konflikt und die Blockade der Straße von Hormus zurück, Trump macht die ukrainischen Angriffe auf russische Energieinfrastruktur und Selenskyj persönlich verantwortlich.

Hintergrund

Bereits Anfang Oktober hatten die Financial Times und CNN unter Berufung auf europäische Beamte berichtet, die Trump-Regierung fordere von Kiew ein Ende der Angriffe auf russische Ölraffinerien und habe mit dem Stopp von Waffenkäufen und Geheimdienst-Austausch gedroht. Am 9. Oktober kündigte Trump eine Vereinbarung mit Wladimir Putin über die vorübergehende Aufhebung der Sanktionen gegen russisches Diesel an und verlangte von der Ukraine ein Ende der Angriffe auf russische Raffinerien – einen „Energiewaffenstillstand", von dem Selenskyj nach eigenen Angaben erst über Truth Social erfuhr. Laut früheren Berichten sollen Trumps Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner bei einem Treffen mit ukrainischen und europäischen Vertretern in Florida am 9. Oktober entsprechende Drohungen ausgesprochen haben. Semafor berichtete zudem, dass CIA-Direktor John Ratcliffe zu denjenigen im Weißen Haus gehört, die Beschränkungen des Geheimdienst-Austauschs mit der Ukraine ablehnen.