Rinkēvičs: Die meisten NATO-Staaten könnten einen russischen Raketenangriff nicht abwehren
Der lettische Präsident Edgars Rinkēvičs hat in einem Interview mit The Guardian in Washington gewarnt, dass die meisten NATO-Länder einem russischen Raketenangriff nicht standhalten könnten, falls sich der Konflikt ausweitet. Europa hinke der rasanten Entwicklung der Drohnen- und Luftkriegstechnologie in der Ukraine hinterher, sagte er. Gleichzeitig warnten Polens Ministerpräsident Donald Tusk und Litauens Außenminister Kęstutis Budrys vor möglichen russischen Angriffen auf NATO-Territorium in den kommenden Monaten.
Das Wichtigste
- Rinkēvičs sagte in The Guardian, die meisten NATO-Staaten könnten einen russischen Raketenangriff bei einer Ausweitung des Konflikts nicht abwehren.
- Die Entwicklung der Drohnentechnologie in der Ukraine schreite „blitzschnell" voran, während Europa nicht mithalte, so Rinkēvičs.
- Ukraine und europäische Verbündete erleben Lieferverzögerungen bei wichtigen Raketen für Patriot- und andere Luftabwehrsysteme.
- Die USA haben erwogen, Produktionslizenzen für Patriot an die Ukraine und Europa zu übertragen, eine Einigung wurde bislang nicht erzielt.
- Polens Premierminister Donald Tusk warnte, Russland könnte in den kommenden Monaten NATO-Staaten angreifen, die die Ukraine unterstützen.
- Für den 22.–28. September wird während der UN-Generalversammlung in New York ein Treffen zwischen Donald Trump und europäischen Staats- und Regierungschefs erwartet.
Warum es wichtig ist
Dass ein amtierender NATO-Staatschef öffentlich erklärt, die Allianz könne einen russischen Raketenangriff nicht abwehren, stellt die Glaubwürdigkeit von Artikel 5 infrage. Rinkēvičs bewertet die ukrainische Drohnenkriegsführung als technologischen Maßstab, den die NATO verfehle. Die Warnungen aus Lettland, Polen und Litauen sowie die US-Reaktion signalisieren wachsende Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts auf NATO-Territorium.
Was geschehen ist
Der lettische Präsident Edgars Rinkēvičs gab in Washington ein Interview mit The Guardian. Darin erklärte er, Europa halte mit der Drohnen- und Luftkriegsentwicklung in der Ukraine nicht Schritt; diese schreite „blitzschnell" voran. Sollte Russland Raketen auf europäisches Territorium abfeuern, wäre dies für viele Länder eine kaum zu bewältigende Herausforderung, so Rinkēvičs – die meisten NATO-Staaten könnten einen solchen Angriff nicht abwehren. Er warnte zudem, dass die derzeitigen Vorbereitungen auf einen Luftkrieg mittelfristig veralten könnten. Polens Ministerpräsident Donald Tusk erklärte, Geheimdienstdaten deuteten auf russische Pläne für hybride Angriffe gegen Länder hin, die die Ukraine unterstützen. Litauens Außenminister Kęstutis Budrys teilte diese Einschätzung. Donald Trump sagte auf Nachfrage, Russland greife Verbündete der Ukraine „bereits seit etwa fünf Jahren" an. Für die UN-Generalversammlung in New York (22.–28. September) ist ein Treffen Trumps mit europäischen Staats- und Regierungschefs geplant.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen geben den Zeitpunkt, an dem die derzeitigen europäischen Vorbereitungen auf einen Luftkrieg veralten könnten, unterschiedlich wieder: Artikel 26580 nennt Mitte 2027, die Artikel 26621 und 26653 nennen Mitte des nächsten Jahres (Mitte 2026).
Hintergrund
Der lettische Präsident äußerte sich in Washington gegenüber The Guardian. Eine Analyse des US Congressional Budget Office, auf die die Berichte verweisen, schätzt, dass die USA während eines Krieges mit dem Iran fast zwei Drittel ihrer Bestände an kritischen Abfangraketen verbraucht haben und eine Auffüllung mindestens fünf Jahre dauern könnte. Die USA haben erwogen, Patriot-Produktionslizenzen an die Ukraine und Europa zu übertragen; nach Angaben von Rinkēvičs bestehen jedoch technische Lizenzprobleme, und eine Einigung wurde noch nicht erzielt. Belarusische Streitkräfte haben laut den Berichten groß angelegte Übungen in der Nähe Litauens abgehalten. Für die UN-Generalversammlung in New York (22.–28. September) ist ein Treffen zwischen Donald Trump und europäischen Staats- und Regierungschefs geplant.