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Rinkēvičs: Die meisten NATO-Staaten könnten russischen Raketenangriff nicht abwehren

Der lettische Präsident Edgars Rinkēvičs hat in einem Interview mit The Guardian gewarnt, dass die meisten NATO-Länder einem russischen Raketenangriff nicht gewachsen wären und dass Europa bei Drohnen- und Luftkriegstechnologien, die in der Ukraine entwickelt werden, den Anschluss verliere. Er äußerte sich in Washington vor dem geplanten Treffen von US-Präsident Donald Trump mit europäischen Spitzenpolitikern am Rande der UN-Generalversammlung.

Das Wichtigste

  • Rinkēvičs erklärte, die meisten NATO-Staaten könnten einen russischen Raketenangriff nicht abwehren.
  • Die Drohnen- und Luftkriegstechnologie in der Ukraine entwickle sich „blitzschnell“, Europa halte nicht mit.
  • Die Ukraine und europäliche Verbündete erhalten verspätet Patriot-Abfangraketen und andere Flugabwehrmunition.
  • Nach einer Analyse des US Congressional Budget Office könnte die Wiederauffüllung der Interzeptor-Bestände mindestens fünf Jahre dauern.
  • Die USA prüfen eine Übertragung von Patriot-Produktionslizenzen an die Ukraine und Europa – eine Einigung gibt es noch nicht.
  • Der polnische Premierminister Donald Tusk warnte, Russland könnte in den kommenden Monaten NATO-Staaten mit Drohnen oder Raketen angreifen, die die Ukraine unterstützen.
  • Trump antwortete auf Tusk: „Ich denke, sie greifen Verbündete der Ukraine bereits an. Sie greifen Verbündete der Ukraine seit etwa fünf Jahren an."

Warum es wichtig ist

Ein NATO-Staatsoberhaupt hat öffentlich eingeräumt, dass die Mehrheit der Allianz einem russischen Raketenangriff nicht standhalten könnte – ein beispielloser Kommentar zur Luft- und Raketenabwehrbereitschaft. Rinkēvičs verknüpft das europäische Defizit direkt mit der rasanten Innovationsgeschwindigkeit bei Drohnen und Luftkrieg in der Ukraine und macht Kiew so zum Treiber westlicher Bedrohungswahrnehmung. Lieferverzögerungen bei Patriot-Abfangraketen und die CBO-Einschätzung, dass die Auffüllung der Bestände mindestens fünf Jahre dauern könnte, lassen einen bevorstehenden Munitionsengpass erkennen. Ausstehende Entscheidungen über die Vergabe von Patriot-Produktionslizenzen an die Ukraine und Europa könnten die transatlantische Rüstungsindustrie neu ordnen. Die parallelen Warnungen aus Warschau und Washington zeigen, dass die verbündeten Staats- und Regierungschefs die Bedrohung sehr unterschiedlich bewerten.

Was geschehen ist

Der lettische Präsident Edgars Rinkēvičs sagte in einem Interview mit The Guardian in Washington, dass die meisten NATO-Staaten einen russischen Raketenangriff nicht abwehren könnten, sollte sich der Konflikt ausweiten. Europa bleibe bei Drohnen- und Luftkriegstechnologien, die in der Ukraine entwickelt würden, hinter dem Tempo zurück – dieses entwickle sich „blitzschnell“.

Die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten erhalten laut Rinkēvičs derzeit verspätet kritische Abfangraketen für Patriot- und andere Flugabwehrsysteme. Eine Analyse des US Congressional Budget Office kommt zum Ergebnis, dass die USA nahezu zwei Drittel ihrer Bestände an kritischen Interzeptoren im Krieg mit dem Iran verbraucht hätten und die Wiederauffüllung mindestens fünf Jahre dauern könnte. Die USA erwägten, Produktionslizenzen für Patriot an die Ukraine und Europa zu übertragen; eine Einigung steht aus, Rinkēvičs sprach von laufenden Gesprächen und technischen Lizenzproblemen.

Parallel warnte der polnische Premierminister Donald Tusk, Russland könnte in den kommenden Monaten NATO-Staaten, die die Ukraine unterstützen, mit Drohnen oder Raketen angreifen. US-Präsident Donald Trump reagierte auf Tusk mit den Worten: „Ich denke, sie greifen Verbündete der Ukraine bereits an. Sie greifen Verbündete der Ukraine seit etwa fünf Jahren an.“ Für den 22.–28. September wird am Rande der UN-Generalversammlung in New York ein Treffen Trumps mit europäischen Spitzenpolitikern erwartet.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Alle zugänglichen Quellen sind ukrainische Medien. Sie rücken die Bedrohung für NATO und Europa in den Vordergrund und betonen die Rolle der Ukraine als Quelle modernster Drohnen- und Luftabwehr-Erkenntnisse. Berichtet wird über die Verzögerungen bei Patriot-Lieferungen an die Ukraine und andere Flugabwehrraketen – die Ukraine sei vom gleichen Munitionsengpass betroffen wie Europa. Ukrainische Medien ordnen Rinkēvičs' Warnung neben Tusk parallel verlaufenden Warnungen und Trumps abwehrender Reaktion ein und zeichnen damit das Bild eines in der Antwort gespaltenen Bündnisses.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen sind uneins darüber, ab wann die derzeitigen europäischen Vorbereitungen auf einen Luftkrieg veralten könnten: Eine Version verweist auf Mitte 2027, eine andere bereits auf Mitte 2026.

Hintergrund

Das Interview gab Rinkēvičs während seines Washington-Besuchs vor dem geplanten Treffen Trumps mit europäischen Spitzenpolitikern am Rande der UN-Generalversammlung in New York vom 22.–28. September. Laut Politico wächst unter europäischen Offiziellen die Sorge, dass Russland Drohnen- oder Raketenangriffe gegen NATO-Staaten ausführen könnte, während Moskau seine hybride Kampagne auf dem Kontinent verschärft; Deutschland bereitet Krankenhäuser vor, Litauen hat Evakuierungspläne aktualisiert, NATO-Truppen üben im Baltikum, und belarussische Streitkräfte haben große Manöver nahe Litauen abgehalten. Rinkēvičs zufolge wird Russland nach den Kommunalwahlen voraussichtlich die Mobilisierung verstärken und den Winter nutzen, um in der Ukraine vorzurücken und unterstützende Staaten von weiterer Hilfe abzuhalten.