Veröffentlicht am · Aktualisiert:

USA warnen Verbündete vor Lieferverzögerungen von bis zu fünf Jahren bei Raketen und Luftabwehr

Die USA haben ihre Verbündeten – darunter die Ukraine – darauf hingewiesen, dass sie bei wichtigen Raketen- und Luftabwehrsystemen mit Lieferverzögerungen von bis zu fünf Jahren rechnen müssen. Grund seien die während des Krieges gegen den Iran leergefegten eigenen Arsenale der US-Streitkräfte. Betroffen sind unter anderem Patriot-Abfangjäger, Tomahawk-Marschflugkörper und THAAD-Systeme. Die Ukraine braucht zusätzliche Patriot-Interceptoren vor einem schwierigen Winter.

Das Wichtigste

  • USA warnen Verbündete vor Lieferverzögerungen von bis zu fünf Jahren bei Raketen- und Luftabwehrsystemen wegen eigener Bestandsengpässe.
  • Deutschland hat Washington um beschleunigte Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern und Typhon-Bodenstartsätzen gebeten; Raytheon wird den Auftrag voraussichtlich nicht innerhalb von fünf Jahren erfüllen können.
  • Schätzungen zufolge haben die USA im Krieg gegen den Iran mehr als die Hälfte ihrer modernsten Patriot-Raketen, etwa ein Drittel ihrer Tomahawk-Bestände und nahezu die Hälfte ihrer THAAD-Präzisionswaffen und Abfangjäger verbraucht.
  • Das Congressional Budget Office schätzt, dass die USA seit Juni 2025 bis zu zwei Drittel ihrer Abfangjägerbestände zur Raketenabwehr aufgebraucht haben dürften.
  • Das Pentagon stellt die Wiederauffüllung eigener Bestände über Auslieferungen an Verbündete, was die Versorgung der Ukraine mit zusätzlichen Patriot-Abfangjägern vor dem Winter erschwert.
  • US-Präsident Donald Trump erklärte, er erwäge mit der Ukraine entweder eine deutlich weniger fortschrittliche Version des Patriot-Systems zu liefern oder Lizenzen an europäische Länder zur eigenen Produktion zu vergeben.
  • Lockheed Martin arbeitet daran, die Jahresproduktion der PAC-3-MSE-Abfangjäger von rund 600 auf 2.000 Stück zu steigern.

Warum es wichtig ist

Die Lieferengpässe treffen die Ukraine in einer sicherheitspolitisch heiklen Phase: Der kommende Winter gilt als schwierig, und der Bedarf an zusätzlichen Patriot-Abfangjägern ist akut. Da das Pentagon die Wiederauffüllung der eigenen Bestände priorisiert, sinken die Chancen Kyjiws auf zeitnahe Nachlieferungen – gleichzeitig sollen die Luftabwehrbedürfnisse der Ukraine ein zentrales Thema bei den bevorstehenden UN-Sitzungen in New York sein. Die Verzögerungen betreffen nicht nur die Ukraine, sondern auch europäische Verbündete wie Deutschland sowie Japan und verdeutlichen strukturelle Schwächen der US-amerikanischen und verbündeten Rüstungsindustrie.

Was geschehen ist

Die USA haben ihre Verbündeten informiert, dass bei wichtigen Raketen- und Luftabwehrsystemen Lieferverzögerungen von bis zu fünf Jahren zu erwarten sind. Hintergrund ist die Erschöpfung der eigenen Arsenalbestände der US-Streitkräfte im Krieg gegen den Iran. Bloomberg hatte unter Berufung auf eigene Quellen zuerst darüber berichtet. Deutschland bat Washington, die Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern und Typhon-Bodenstartsätzen zu beschleunigen; der Hersteller Raytheon dürfte den deutschen Auftrag jedoch innerhalb von fünf Jahren nicht bedienen können. Auch einige osteuropäische Länder, die auf US-Waffensysteme angewiesen sind, meldeten bereits kurz nach Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar Lieferverzögerungen. Schätzungen zufolge verbrauchten die USA im Iran-Krieg mehr als die Hälfte ihrer modernsten Patriot-Raketen, etwa ein Drittel ihrer Tomahawk-Bestände und nahezu die Hälfte ihrer THAAD-Präzisionswaffen und Abfangjäger. Das Congressional Budget Office kommt zudem auf bis zu zwei Drittel verbrauchter Abfangjägerbestände seit Juni 2025 und beziffert die direkten Kriegskosten für die USA auf rund 38 Milliarden Dollar in den ersten fünf Monaten. Reuters berichtete am 4. August unter Berufung auf drei Quellen, die USA hätten nahezu ihre gesamten ATACMS- und PrSM-Bestände sowie rund die Hälfte der weltweiten Tomahawk-Bestände aufgebraucht. Das Pentagon und das Weiße Haus wiesen den Bericht zurück; Verteidigungsminister Pete Hegseth bestritt Engpässe bei wichtigen Raketenbeständen. US-Präsident Donald Trump drohte Medien, die über Munitionsknappheit berichteten, mit „langen Haftstrafen“, räumte am folgenden Tag jedoch ein, dass die Bestände bestimmter Munitionsarten knapper geworden seien. Trump erklärte zudem, er spreche mit der Ukraine über die Lieferung einer deutlich weniger fortschrittlichen Patriot-Version oder über Lizenzen für europäische Länder zur eigenen Produktion. Lockheed Martin arbeitet an einer Steigerung der Jahresproduktion von PAC-3-MSE-Abfangjägern von rund 600 auf 2.000 Stück. EU-Vertreter drängen ebenfalls auf US-Lizenzen für eine europäische Produktion von Patriot-Raketen, die später an Kyjiw weitergegeben werden könnten.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen sind sich uneins über den Zustand der US-Raketenbestände: Medienberichte sprechen von „gefährlich niedrigen" Patriot-Beständen (etwa 80 Prozent verbraucht), und laut der New York Times warnten US-Militärvertreter Vizepräsident JD Vance im Sommer vor einem kritischen Engpass bei Patriot-Abfangjägern. Pentagon-Chef Pete Hegseth und das Weiße Haus wiesen die Berichte über eine Erschöpfung wichtiger Raketenbestände zurück. US-Präsident Trump bestritt Engpässe zunächst und drohte berichtenden Medien mit Haftstrafen, räumte am Folgetag jedoch ein, dass bestimmte Munitionsbestände knapper geworden seien. Beim Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran datiert einzelnes Material den Kriegsbeginn auf Februar 2026, während andere Fakten ihn auf den 28. Februar ohne ausdrückliche Jahresangabe legen.

Hintergrund

Der US-israelische Krieg gegen den Iran begann am 28. Februar. Nach den vorliegenden Schätzungen haben die USA in diesem Krieg mehr als die Hälfte ihrer modernsten Patriot-Raketen, etwa ein Drittel ihrer Tomahawk-Bestände und nahezu die Hälfte ihrer THAAD-Präzisionswaffen und Abfangjäger verbraucht. Lockheed Martin arbeitet daran, die Jahresproduktion von PAC-3-MSE-Abfangjägern von rund 600 auf 2.000 Stück zu erhöhen. Im April hatte die USA Japan mitgeteilt, dass Tomahawk-Lieferungen sich um bis zu zwei Jahre verzögern würden. EU-Vertreter drängen auf US-Lizenzen für eine europäische Produktion von Patriot-Raketen, die später an Kyjiw weitergegeben werden könnten. Das Congressional Budget Office beziffert die direkten Kriegsausgaben der USA in den ersten fünf Monaten auf rund 38 Milliarden Dollar. Nach Einschätzung von Experten ist der aktuelle Mangel an US-Raketen und Munition eher auf strukturelle Schwächen der US-amerikanischen und verbündeten Rüstungsindustrie zurückzuführen als auf die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten.