ISW: Russland beginnt Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur früher als üblich
Das Institute for the Study of War (ISW) hat am 4. Oktober eine Analyse veröffentlicht, wonach Russland seine Kampagne von Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur in diesem Herbst deutlich früher als gewöhnlich begonnen hat. Demnach will Moskau die Schläge ausweiten, bevor die Ukraine wirksame Gegenmaßnahmen gegen ballistische Raketen und Marschflugkörper sowie Jet-Drohnen entwickeln kann. Das russische Verteidigungsministerium begründet die Intensivierung als Reaktion auf angebliche ukrainische Angriffe auf russische zivile Ziele seit Juni 2026.
Das Wichtigste
- ISW veröffentlichte die Analyse am 4. Oktober 2026.
- Russland beginnt die Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur früher als in den Vorjahren.
- Moskau will damit laut ISW zivile Lebensbedingungen in der Ukraine unerträglich machen und die Ukraine zur Kapitulation zwingen.
- Das russische Verteidigungsministerium kündigte am 4. Oktober eine Intensivierung der Angriffe auf Infrastruktur in Kiew, im Gebiet Kiew und weiteren Regionen an.
- Die Begründung laut Moskau: Reaktion auf angebliche ukrainische Angriffe auf russische zivile Ziele seit Juni 2026.
- In der Nacht zum 30. September traf die russische Armee Energieanlagen in Kiew, Charkiw, Dnipropetrowsk, Sumy und Donezk; einige Abnehmer waren ohne Strom.
- Ukrainische Gegenangriffe haben nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums bereits über 51 % der russischen Ölverarbeitungskapazität außer Betrieb gesetzt.
Warum es wichtig ist
Die ISW-Analyse deutet auf eine strategische Neuausrichtung Moskaus hin: Da die ukrainischen Erfolge auf dem Schlachtfeld 2026 Russlands ursprüngliche Siegtheorie in Frage stellen, verlegt Putin den Druck auf eine Fernwaffenkampagne gegen Energie- und kritische Infrastruktur im Winter 2026–2027, um die ukrainische Zivilbevölkerung mürbe zu machen und die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen. Der frühe Beginn dieser Kampagne erhöht die Risiken für die Energieversorgung und die Zivilbevölkerung bereits vor dem Winter erheblich. Zugleich versucht das russische Verteidigungsministerium, die Eskalation rhetorisch als Reaktion auf angebliche ukrainische Angriffe auf russische zivile Ziele zu legitimieren – vor der eigenen Bevölkerung wie auch international. Vor dem Hintergrund, dass ukrainische Angriffe laut Kiew bereits über 51 % der russischen Ölverarbeitungskapazität lahmgelegt haben, verschärft Moskau den Druck auf Kiew, während die ukrainische Vergeltungsfähigkeit weiter wächst.
Was geschehen ist
Das Institute for the Study of War (ISW) veröffentlichte am 4. Oktober 2026 eine Bewertung, der zufolge Russland seine Kampagne von Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur in diesem Jahr deutlich früher als üblich eingeläutet hat. Hintergrund ist nach ISW-Einschätzung die Absicht Moskaus, den Druck auszuweiten, bevor die Ukraine wirksame Gegenmaßnahmen gegen russische ballistische Raketen und Jet-Drohnen entwickeln kann. Bereits Ende August hatte Russland Vorbereitungen für massive Angriffe auf ukrainische Energieanlagen angekündigt; im September drohte das russische Verteidigungsministerium nach ukrainischen Angriffen auf Moskau mit einer Intensivierung der Schläge gegen Kiew. In der Nacht zum 30. September traf die russische Armee Energieanlagen in Kiew, Charkiw, Dnipropetrowsk, Sumy und im Gebiet Donezk, sodass einige Abnehmer ohne Strom blieben. Am 4. Oktober erklärte das russische Verteidigungsministerium eine weitere Intensivierung der Angriffe auf Infrastruktur in Kiew, im Gebiet Kiew und in weiteren Regionen und begründete dies als Reaktion auf angebliche ukrainische Angriffe auf russische zivile Ziele seit Juni 2026. Der ukrainische Premierminister Serhij Koretskyj stellte fest, dass Russland zu massiven Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur übergegangen ist.
Hintergrund
Russland führt seit dem Winter 2022–2023 in jeder Wintersaison eine Angriffskampagne gegen die ukrainische Energieinfrastruktur. Bereits in der laufenden Kampagne haben russische ballistische Raketen und Jet-Drohnen erhebliche Schäden angerichtet. Ende August kündigte Russland Vorbereitungen für massive Angriffe auf ukrainische Energieanlagen an; im September drohte das russische Verteidigungsministerium nach ukrainischen Angriffen auf Moskau mit einer Verschärfung der Schläge gegen Kiew. In der Nacht zum 30. September traf die russische Armee Energieanlagen in Kiew, Charkiw, Dnipropetrowsk, Sumy und im Gebiet Donezk; einige Abnehmer waren ohne Strom. Der ukrainische Premierminister Serhij Koretskyj erklärte, Russland sei zu massiven Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine übergegangen. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums haben ukrainische Fernoperationen bereits über 51 % der russischen Ölverarbeitungskapazität außer Betrieb gesetzt.