Geleaktes Dokument enthüllt Russlands dreistufigen Plan zur Zerstörung der ukrainischen Energieinfrastruktur
Die New York Times hat ein geleaktes russischsprachiges Dokument vom August veröffentlicht, das einen detaillierten russischen Plan zur systematischen Zerstörung der ukrainischen Energie- und Wasserversorgung beschreibt. Energieminister Denys Schmyhal hatte das Dokument bereits zwei Wochen zuvor in Paris europäischen Partnern vorgelegt. Die NYT konnte die Echtheit des Dokuments nicht unabhängig überprüfen.
Das Wichtigste
- Plan sieht den Einsatz von bis zu 1.000 Raketen, Drohnen und Bomben vor
- Ziel: Zerschlagung von rund 15 GW Erzeugungskapazität in drei Stufen
- Erste Stufe: Umspannwerke an der Westgrenze, über die Strom aus Europa importiert wird
- Zweite Stufe: Wasserkraftwerke; dritte Stufe: drei Kernkraftwerke – Riwne, Südukraine und Chmelnyzkyj
- Geplanter Effekt für Kyjiw, Charkiw und Odessa: 90 % weniger Strom und Wärme, schwere Störung der Kanalisation
- Auch Wasserpumpstationen und Kläranlagen sollen angegriffen werden
- Energieminister Schmyhal hatte das Dokument in Paris europäischen Partnern präsentiert
Warum es wichtig ist
Das Dokument legt offen, dass Russland über einen konkreten, abgestuften Plan zur Auslösung einer humanitären Krise in den größten Städten der Ukraine durch gleichzeitige Angriffe auf Strom-, Wärme-, Wasser- und Abwassersysteme verfügt. Die Angriffe auf die offenen Schaltanlagen der drei noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke stellen eine neue Eskalationsstufe mit möglichen Folgen für die nukleare Sicherheit dar. Dass Energieminister Schmyhal das Dokument europäischen Partnern in Paris vorgelegt hat, zeigt, dass die Ukraine das Papier als Mittel zur Mobilisierung internationaler Unterstützung vor dem Winter nutzt.
Was geschehen ist
Die New York Times veröffentlichte ein geleaktes russischsprachiges Dokument vom August, das einen detaillierten russischen Plan zur systematischen Zerstörung der ukrainischen Energie- und Wasserinfrastruktur beschreibt. Energieminister Denys Schmyhal hatte das Dokument rund zwei Wochen vor der Veröffentlichung in Paris europäischen Partnern präsentiert. Der Plan sieht den Einsatz von bis zu 1.000 Raketen, Drohnen und Bomben gegen Ziele wie Umspannwerke, Wasserkraftwerke, Wärmekraftwerke und Heizhäuser vor. Ziel sei es, etwa 15 GW Erzeugungskapazität zu zerstören – ungefähr die Kapazität, die die Ukraine Ende des Sommers hatte. Russland wolle außerdem versuchen, die drei größten Kernkraftwerke – Riwne, Südukraine und Chmelnyzkyj – durch Angriffe auf die offenen Schaltanlagen, die sie mit dem Netz verbinden, vom Netz zu nehmen. Auch Wasserpumpstationen und Kläranlagen sollen in bisher nicht dagewesenem Ausmaß angegriffen werden. Die Kampagne ist in drei Stufen gegliedert: zuerst Umspannwerke an der Westgrenze, die Strom aus Europa importieren, dann Wasserkraftwerke und schließlich die drei Kernkraftwerke. Hauptziele sind Kyjiw, Charkiw und Odessa, deren Strom- und Wärmeversorgung um 90 % gekappt und deren Kanalisation schwer gestört werden soll. Die NYT erklärte, die Echtheit des Dokuments nicht unabhängig überprüfen zu können.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die New York Times erklärte, die Echtheit des im August datierten Dokuments nicht unabhängig überprüfen zu können. Unklar ist zudem, ob Russland den beschriebenen Plan tatsächlich umsetzen wird und ob er im Fall einer Umsetzung erfolgreich wäre.
Hintergrund
Wladimir Putin hatte öffentlich angekündigt, Russland werde in diesem Winter eine groß angelegte Kampagne gegen die ukrainische Energieinfrastruktur führen, und dies als Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien gerahmt. Im August erklärte Schmyhal, die Ukraine gehe mit etwa 15 GW Kapazität in den Winter, die bis Jahresende auf über 21 GW wachsen solle, gegenüber einem Spitzenbedarf von etwa 18 GW im vorherigen Winter. Die Ukraine hat Hunderte Millionen Dollar in Reparaturen und in dezentrale, schwerer zu treffende Erzeugungsanlagen wie Gasturbinen investiert; Energieexperten warnten jedoch, diese Maßnahmen könnten den erwarteten Schlag abmildern, aber nicht verhindern. Schmyhal hatte zuvor öffentlich erklärt, der ukrainische Geheimdienst habe Dokumente mit detaillierten russischen Angriffsplänen für den Energiesektor in diesem Winter erlangt.