Ukraine: Verteidigungsminister nennt Zahlen zu Angriffen auf russische ballistische Starter und fordert mehr Raketen
Der ukrainische Verteidigungsminister Jevhenij Chmara hat bei einem Briefing mit Journalisten am 11. Oktober erklärt, die ukrainischen Streitkräfte hätten im September und Anfang Oktober acht russische Startanlagen für ballistische Raketen getroffen, von denen drei zerstört und fünf beschädigt wurden. Diese Angriffe hätten Russland bereits gezwungen, geplante ballistische Angriffe abzusagen oder zu verändern, erklärte Chmara. Gleichzeitig warnte er, dass die derzeitigen und möglichen Lieferungen von Raketen für die ballistische Abwehr nicht ausreichten, und kündigte den weiteren Ausbau der Deep-Strike-Fähigkeiten der Ukraine an.
Das Wichtigste
- Verteidigungsminister Jevhenij Chmara erklärte am 11. Oktober, die ukrainischen Streitkräfte hätten im September und Anfang Oktober 8 russische Startanlagen für ballistische Raketen getroffen.
- Drei der 8 Anlagen wurden zerstört, fünf beschädigt.
- Chmara sagte, diese Angriffe hätten den Gegner bereits gezwungen, geplante ballistische Angriffe abzusagen oder zu verändern.
- Nach Angaben Chmaras reichen die derzeitigen und potenziellen Lieferungen von Raketen für die ballistische Abwehr nicht aus, um die Bedrohung vollständig abzudecken.
- Chmara forderte Dutzende bis Hunderte Raketen statt Einzel Lieferungen und verwies auf eine Suche nach vorhandenen Beständen bei Partnern.
- Chmara erklärte, seit Beginn der Deep-Strike-Operationen seien 51 % der russischen Ölraffineriekapazität außer Betrieb.
- Er kündigte an, die Deep-Strike- und Mid-Strike-Fähigkeiten weiter auszubauen, letztere bis auf Korps-Ebene.
Warum es wichtig ist
Chmaras Ausführungen verknüpfen zwei strategische Linien: Angriffe auf russische ballistische Starter, die laut ukrainischer Darstellung bereits geplante russische Angriffe verändert haben, und eine deutliche Forderung nach Dutzenden bis Hunderten Raketen zur ballistischen Abwehr, da bestehende und mögliche Lieferungen als unzureichend beschrieben werden. Die Zahlenangaben zu den getroffenen Anlagen und die Aussage, 51 % der russischen Ölraffineriekapazität seien seit Beginn der Deep-Strike-Operationen außer Betrieb, sollen den Druck auf Russland und die Leistungsfähigkeit der ukrainischen Schlagkraft belegen. Kündigungen zum Ausbau der Deep- und Mid-Strike-Fähigkeiten bis auf Korps-Ebene signalisieren eine langfristige Skalierung der ukrainischen Angriffs- und Verteidigungsinfrastruktur.
Was geschehen ist
Der ukrainische Verteidigungsminister Jevhenij Chmara hat bei einem Briefing mit Journalisten am 11. Oktober den Umfang ukrainischer Angriffe auf russische Startanlagen für ballistische Raketen beziffert: Im September und Anfang Oktober seien 8 solcher Anlagen getroffen worden, 3 davon zerstört und 5 beschädigt. Nach seinen Worten zwangen diese Schläge den Gegner bereits, geplante ballistische Angriffe abzusagen oder umzuplanen. Gleichzeitig schilderte er die Bedrohung durch ballistische Angriffe als weiterhin kritisch; die derzeitigen und potenziellen Lieferungen von Raketen für die ballistische Abwehr reichten nicht aus, um sie vollständig abzudecken. Das Verteidigungsministerium arbeite mit Partnern daran, die Lieferungen zu beschleunigen, wobei es nicht um das Abwarten großer langfristiger Verträge gehe, sondern darum, vorhandene Bestände bei Partnern schnell zu finden und in die Ukraine zu überführen; benötigt würden Dutzende bis Hunderte Raketen statt Einzel Lieferungen. Chmara kündigte zudem an, die Deep-Strike- und Mid-Strike-Fähigkeiten weiter auszubauen und Mid-Strike-Mittel bis auf Korps-Ebene zu skalieren. Seit Beginn der Deep-Strike-Operationen seien nach seinen Angaben 51 % der russischen Ölraffineriekapazität außer Betrieb. Ergänzend wurde darauf verwiesen, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj am 3. Oktober berichtet hatte, die ukrainischen Streitkräfte hätten Stellungen von Iskander-Raketenbesatzungen im russischen Gebiet Bryansk getroffen, und im September zwei Startanlagen eines S-400-Flugabwehrsystems in der Gegend von Wynonytschi in Bryansk, von denen aus Russland Kiew mit ballistischen Raketen angegriffen hatte. Chmara ordnete Deep Strike als Teil einer asymmetrischen Antwort auf russische Angriffe und als Verteidigungsform ein, mit dem Ziel, Russlands Fähigkeit zur Fortführung des Krieges zu treffen.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle Quellen sind ukrainisch und ordnen die Angaben zu Angriffen und Fähigkeiten dem Verteidigungsminister Jevhenij Chmara und seinem Briefing am 11. Oktober zu. Die Berichterstattung stellt ukrainisches Handeln in den Mittelpunkt und verknüpft die Angriffe auf russische Startanlagen ausdrücklich damit, den Verlauf russischer ballistischer Angriffe zu verändern und Russlands Kriegsfähigkeit – einschließlich 51 % der russischen Ölraffineriekapazität – zu schwächen. Zugleich werden die Lücken bei der Luft- und Raketenabwehr betont und die ukrainische Deep-Strike-Doktrin als Antwort auf diese Lücken gerahmt.
Hintergrund
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am 3. Oktober berichtet, die ukrainischen Streitkräfte hätten Stellungen von Iskander-Raketenbesatzungen im russischen Gebiet Bryansk getroffen. Im September waren nach ukrainischen Angaben zwei Startanlagen eines S-400-Flugabwehrsystems in der Gegend von Wynonytschi in Bryansk angegriffen worden, von denen aus Russland Kiew mit ballistischen Raketen beschossen hatte. Selenskyj hatte zudem angekündigt, die Ukraine werde als Reaktion auf eine neue russische Taktik massiver Angriffe auf zivile Infrastruktur die Angriffe auf russische Ölraffinerien verstärken.