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Kyivs Wasserwerke warnen vor Zusammenbruch der Wasserversorgung bei Stromausfällen und Frost

Der stellvertretende Generaldirektor des kommunalen Wasserwerks Kyivvodokanal, Serhii Korkutsenko, hat in einem Interview mit Ekonomichna Pravda gewarnt, dass die Wasserversorgung in der Hauptstadt Kyiv immer häufiger durch Spannungsschwankungen im Stromnetz ausfällt. Bei anhaltenden 20-stündigen Stromabschaltungen pro Tag und Temperaturen um minus 10 Grad bestehe ein hohes Risiko, dass die Bewohner kein fließendes Wasser mehr erhalten und die Kanalisation nach etwa drei Tagen zu einer epidemiologischen Katastrophe führt.

Das Wichtigste

  • Wasserversorgung in Kyiv fällt zunehmend wegen Spannungsschwankungen im Stromnetz aus.
  • Die Elektroinfrastruktur von Kyivvodokanal stammt aus den 1970er-Jahren und hält Spannungsschwankungen nicht stand.
  • Kyivvodokanal hat in vier Jahren 40 Prozent seines Personals verloren; ein Mitarbeiter erledigt die Arbeit von vier.
  • Dem Betrieb fehlen Schlosser, Energietechniker und Schweißer.
  • Bei 20 Stunden Stromausfall pro Tag und Frost liefe die Wasserversorgung faktisch nur während der vier Stunden mit Strom.
  • Eine vollständige Kanalisationsabschaltung könnte laut Korkutsenko innerhalb von rund drei Tagen eine epidemiologische Katastrophe in Kyiv auslösen.

Warum es wichtig ist

Die Wasserversorgung der ukrainischen Hauptstadt hängt direkt an der Stabilität des Stromnetzes, das durch russische Angriffe zunehmend unter Druck steht. Eine Kombination aus veralteter Infrastruktur, massivem Personalverlust und langen Stromausfällen bei Wintertemperaturen könnte dazu führen, dass Millionen Kyiver ohne fließendes Wasser dastehen und binnen Tagen eine Seuchengefahr entsteht. Das Versorgungsversprechen beschränkt sich im Ernstfall auf Trinkwasser per Tankwagen; den Schutz der hausinternen Leitungen vor dem Einfrieren verlagert das Wasserwerk an Wohnungseigentümer und Hausverwaltungen.

Was geschehen ist

Serhii Korkutsenko, stellvertretender Generaldirektor des städtischen Wasserwerks Kyivvodokanal, schilderte im Gespräch mit Ekonomichna Pravda die prekäre Lage der Hauptstadtversorgung. Stromausfälle und die dadurch verursachten Spannungsschwankungen führen demnach immer häufiger zu Unterbrechungen der Wasserversorgung; die elektrische Ausrüstung des Betriebs stamme aus den 1970er-Jahren und halte den Belastungen nicht mehr stand. Gleichzeitig habe Kyivvodokanal in den vergangenen vier Jahren 40 Prozent seines Personals verloren, unter anderem wegen eingefrorener Tarife und eines nur 50-prozentigen, zuletzt auf 75 Prozent erhöhten Wehrdienstaufschubs. Derzeit müsse ein Mitarbeiter die Aufgaben von vier Personen übernehmen, Schlosser, Energietechniker und Schweißer fehlten. Bei 20-stündigen Stromabschaltungen pro Tag und Temperaturen um minus zehn Grad bestehe ein hohes Risiko, dass die Wasserversorgung in den Häusern einfriert und Bewohner vollständig ohne Wasser in den Leitungen dastehen. Eine längerfristige Unterbrechung der Stromversorgung könne zudem die Kanalisation lahmlegen und innerhalb von rund drei Tagen eine epidemiologische Katastrophe auslösen; besonders gefährdet seien Bewohner der unteren Stockwerke wegen möglicher Rückläufe. Korkutsenko sicherte zu, im Ernstfall Trinkwasser per Tankwagen an die Bevölkerung zu liefern, und erklärte, dass der Abtransport von Abwässern aus Wohnhäusern unabhängig von der Stromversorgung funktionieren werde. Er gab allerdings offen zu, derzeit nicht zu wissen, wie die Versorgung der Wohnungen unter diesen Bedingungen aufrechterhalten werden soll.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Medien rücken den technischen und betrieblichen Zustand des Hauptstadt-Wasserwerks in den Mittelpunkt und betonen das Zusammenspiel von veralteter Infrastruktur aus den 1970er-Jahren, massivem Personalverlust und kriegsbedingten Ursachen wie eingefrorenen Tarifen und dem Wehrdienstaufschub. Die Aussagen des stellvertretenden Generaldirektors von Kyivvodokanal stehen im Zentrum der Berichterstattung, einschließlich seiner Zusagen zur Trinkwasserversorgung per Tankwagen und zur Aufrechterhaltung der Abwasserentsorgung aus Wohnhäusern. Hervorgehoben werden das Risiko einer epidemiologischen Krise und die Verteilung der Verantwortung zwischen Wasserwerk, Wohnungseigentümergemeinschaften und Hauseigentümern beim Schutz der Rohrleitungen vor dem Einfrieren. Bürgermeister Vitaliy Klitschko wird mit Warnungen vor großflächigeren Bedrohungen der Wasserversorgung durch mögliche Beschädigungen der Infrastruktur zitiert.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen schreiben den Namen des stellvertretenden Generaldirektors von Kyivvodokanal unterschiedlich: Einige ukrainische Medien verwenden die Schreibweise Korkutsenko, andere Horkutsenko.

Hintergrund

Kyiv produziert täglich 680.000 bis 700.000 Kubikmeter Abwasser, das zum großen Teil in der Bortnytschi-Belüftungsstation gereinigt wird, deren Hauptsammler unter der U-Bahn verlaufen. Während großflächiger Stromausfälle sinkt der Wasserverbrauch der Stadt auf höchstens 200.000 Kubikmeter pro Tag. Vor etwa 25 Jahren ereignete sich in Kyiv ein vergleichbares ökologisches Desaster, als eine Pumpstation überflutet wurde und unbehandeltes Abwasser in den Dnipro gelangte. Spannungsschwankungen treten inzwischen häufiger auf, da Russland seine Angriffe auf das ukrainische Energienetz fortsetzt.