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Interne BKA-Zahlen: Mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle und rund 750 Drohnenvorfälle in Deutschland seit Jahresbeginn

Ein vertraulicher Bericht des Bundeskriminalamts, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt, beziffert die hybride Bedrohungslage in Deutschland im laufenden Jahr 2026. Demnach wurden seit Jahresbeginn mehr als 165 mutmaßliche Sabotagefälle und nahezu 750 verdächtige Drohnenvorfälle über militärischen Einrichtungen und kritischer Infrastruktur registriert. Die Daten basieren auf den ersten Betriebsmonaten des im Juni in Berlin eingerichteten Gemeinsamen Zentrums für die Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ-Hybrid).

Das Wichtigste

  • Mehr als 165 mutmaßliche Sabotagefälle seit Jahresbeginn 2026 in Deutschland registriert
  • Rund 747 Vorfälle mit verdächtigen Drohnen über Militärstandorten, kritischer Infrastruktur und Rüstungsbetrieben – mit insgesamt 1.068 Drohnenflügen
  • 24 Ermittlungsverfahren wegen Spionageverdachts, etwa die Hälfte davon im Cyber-Bereich; weitere rund 40 Cyber-Spionageverdachtsfälle
  • Insgesamt 112 Straftaten mit Spionagebezug, über 60 davon mit unbefugtem Filmen militärischer Objekte
  • In 26 Fällen besteht Verdacht auf agentliche Vorbereitung von Sabotage; Schwerpunkte in Brandenburg (23), Nordrhein-Westfalen (21), Schleswig-Holstein (21) und Niedersachsen (15)
  • Im Juli wurde in Bayern ein moldauischer Staatsbürger festgenommen, der mit einer Drohne ein Werk des Rüstungskonzerns KNDS ausspioniert haben soll
  • Am 4. August wurde nahe einer ukrainischen An-124 in Leipzig/Halle eine Drohne mit Sprengstoff gefunden; insgesamt drei Drohnen am Flughafen entdeckt – Deutschland macht Russland offiziell für den versuchten Anschlag verantwortlich

Warum es wichtig ist

Die durchgesickerten BKA-Zahlen zeichnen erstmals ein quantifiziertes Bild der mutmaßlichen Sabotage- und Spionageaktivität auf deutschem Boden im Jahr 2026. Die hohe Zahl an Drohnenvorfällen – fast 750 – über Militärstützpunkten, kritischer Infrastruktur und Rüstungsbetrieben verweist auf eine anhaltende luftgestützte Aufklärungsbedrohung. Dass Deutschland zumindest einen versuchten Anschlag – die Sprengstoffdrohne nahe einer ukrainischen Antonow in Leipzig/Halle – offiziell Russland zuschreibt, rahmt das Gesamtbild als hybride Kampagne. Dass Drohnenpiloten nur selten festgenommen werden, unterstreicht die Schwierigkeit, solche Taten zuzuordnen und strafrechtlich zu verfolgen.

Was geschehen ist

Ein vertraulicher Bericht des Bundeskriminalamts, den die Süddeutsche Zeitung ausgewertet hat, listet für das Jahr 2026 bislang mehr als 165 mutmaßliche Sabotagefälle und etwa 750 verdächtige Drohnenvorfälle über militärischen und sicherheitsrelevanten Objekten in Deutschland auf. Die Datenbasis bilden die ersten Betriebsmonate des im Juni in Berlin eröffneten Gemeinsamen Zentrums für die Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ-Hybrid). Im selben Zeitraum haben der Generalbundesanwalt und die Landesstaatsanwaltschaften 24 Ermittlungsverfahren wegen Spionageverdachts eingeleitet, die Hälfte davon mit Cyber-Bezug; weitere rund 40 Cyber-Spionageverfahren laufen. Insgesamt 112 Straftaten stehen im Zusammenhang mit Spionage, über 60 davon betreffen unbefugtes Fotografieren oder Filmen militärischer Anlagen. In 26 Fällen sehen die Ermittler agentliche Tätigkeit mit möglichem Sabotagebezug – die meisten in Brandenburg (23), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (21), Schleswig-Holstein (21) und Niedersachsen (15). Drohnenpiloten werden nach Angaben der Sicherheitsbehörden selten festgenommen. Erst im Juli wurde in Bayern ein moldauischer Staatsbürger gefasst, der per Drohne ein Werk des Rüstungskonzerns KNDS ausspioniert haben soll; der Verdacht besteht, dass er im Auftrag russischer Geheimdienste handelte. Am 9. August wurde in der Nähe einer Gasaufbereitungsanlage in Großennkneten (Niedersachsen) ein Wachmann, der nach Drohnenpiloten suchte, von zwei maskierten Unbekannten angegriffen; die Täter flohen unerkannt.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die drei ukrainischsprachigen und ukrainisch publizierten Medien – Українська правда, НВ und LIGA.net – behandeln den Bericht als innenpolitische Warnung vor russisch gelenkter hybrider Aktivität auf NATO- und EU-Territorium. Sie nutzen die BKA-Zahlen, um das Ausmaß der Bedrohung zu unterstreichen, und stellen den Bezug zur Ukraine her, indem sie frühere Fälle rund um Militärhilfe für die Ukraine sowie den Sprengstoffdrohnen-Fund nahe einer ukrainischen Antonow in Leipzig/Halle in den Vordergrund rücken.

Wo die Berichte auseinandergehen

Uneinheitlich berichten die ukrainischen Quellen über den Vorfall am 9. August in Großennkneten: Eine Darstellung beschreibt, die maskierten Angreifer hätten den Kopf des Wachmanns gegen die Motorhaube geschlagen; eine andere spricht lediglich davon, dass sie ihn attackiert und danach die Flucht ergriffen hätten.

Hintergrund

Das Gemeinsame Zentrum für die Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ-Hybrid) hat Mitte Juni 2026 in Berlin seine Arbeit aufgenommen und lieferte die Datengrundlage für den BKA-Bericht. Bundesanwaltschaft und Landesstaatsanwaltschaften haben 2026 bislang 24 Spionageverfahren eingeleitet, etwa die Hälfte mit Cyber-Bezug; rund 40 weitere Cyber-Spionageverdachtsfälle sind in Bearbeitung. In den vergangenen Jahren sorgten mehrere Vorfälle für Aufsehen: Im April 2024 wurden in Bayern zwei Agenten mit deutsch-russischer Doppelstaatsbürgerschaft festgenommen, die US-Militärstützpunkte ausspähten und Anschläge auf Transportrouten für Militärhilfe in die Ukraine vorbereiteten. Im Juli 2024 geriet am DHL-Frachtterminal am Flughafen Leipzig ein Paket in Brand; deutsche Nachrichtendienste erklärten später, eine Frachtflugzeug-Katastrophe sei nur durch eine zufällige Flugverschiebung verhindert worden, und schrieben die Sabotage Russland zu. Im Juli 2026 beschädigte ein Brand auf einer Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln Signalkabel; die Polizei prüft Sabotage als mögliche Ursache. Am 4. August 2026 wurde nahe einer ukrainischen Antonow-Frachtmaschine am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit Sprengstoff entdeckt, insgesamt drei Drohnen wurden im Flughafenbereich gefunden. Im Juli 2026 war in Bayern ein moldauischer Staatsbürger festgenommen worden, der mit einer Drohne ein Werk des Rüstungskonzerns KNDS ausspioniert haben soll; die Ermittler gehen davon aus, dass er im Auftrag russischer Geheimdienste handelte.