BKA-Bericht: Über 165 mutmaßliche Sabotageakte und Hunderte Drohnenvorfälle in Deutschland seit Jahresbeginn
Ein vertraulicher Bericht des Bundeskriminalamts (BKA), den die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht hat, dokumentiert einen starken Anstieg mutmaßlicher Sabotage, Spionage und verdächtiger Drohnenaktivitäten in Deutschland seit Anfang 2026. Er basiert auf den ersten Monaten des neu gegründeten Gemeinsamen Abwehrzentrums gegen Hybridbedrohungen (GAZ-Hybrid) in Berlin. Mehrere Vorfälle der jüngsten Zeit werden von den Ermittlern mit Russland in Verbindung gebracht.
Das Wichtigste
- Seit Jahresbeginn 2026 registrierte die deutsche Polizei mehr als 165 mutmaßliche Sabotagefälle.
- Sicherheitsbehörden zählten 747 Vorfälle mit verdächtigen Drohnen, die insgesamt 1.068 Flüge über kritische Infrastruktur, Militärstützpunkte und Rüstungsstandorte umfassten.
- Der Generalbundesanwalt und die Landesstaatsanwaltschaften eröffneten 24 Ermittlungsverfahren wegen Spionage; die Hälfte betrifft Cyberoperationen; rund 40 weitere Cyber-Spionageverdachtsfälle sind in Bearbeitung.
- Die Polizei registrierte insgesamt 112 Spionage-Straftaten; mehr als 60 davon betrafen unerlaubte Foto- oder Videoaufnahmen militärischer Objekte; in 26 Fällen wird Agententätigkeit zur Vorbereitung von Sabotage vermutet.
- Die meisten Verdachtsfälle auf sabotagevorbereitende Agententätigkeit verzeichneten Brandenburg (23), Nordrhein-Westfalen (21), Schleswig-Holstein (21) und Niedersachsen (15).
- Im Juli 2026 wurde in Bayern ein moldauischer Staatsbürger festgenommen, der mit einer Drohne einen Standort des Rüstungskonzerns KNDS ausspioniert haben soll; Ermittler gehen von einer Verbindung zu russischen Geheimdiensten aus.
- Am 9. August 2026 attackierten zwei maskierte Personen in Balaklavas einen Wachmann nahe einer Gasverarbeitungsanlage in Grossenkneten (Niedersachsen), der Drohnenpiloten suchte; die Täter flohen.
- Im Juli 2026 beschädigte ein Brand auf der Bahnstrecke Düsseldorf–Köln Signalkabel und stoppte den Zugverkehr; die Polizei ermittelt wegen möglicher Sabotage.
- Am 4. August 2026 wurde nahe einem ukrainischen Antonov-Transportflugzeug am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit Sprengstoff gefunden; insgesamt drei Drohnen wurden in Flughafennähe entdeckt.
- Deutschland macht Russland offiziell für den versuchten Anschlag auf das Antonov-Flugzeug in Leipzig/Halle verantwortlich.
Warum es wichtig ist
Der Bericht belegt einen sprunghaften Anstieg mutmaßlicher Sabotage und Spionage auf deutschem Boden, der Militärstützpunkte, Rüstungsstandorte und kritische Infrastruktur betrifft. Drohnen treten als wiederkehrendes Aufklärungs- und Angriffsmittel in Erscheinung, wobei die Piloten selten gefasst werden. Konkrete jüngste Vorfälle – darunter eine Sprengstoffdrohne in der Nähe eines ukrainischen Transportflugzeugs vom Typ Antonov in Leipzig/Halle und ein Brand auf der Bahnstrecke Düsseldorf–Köln – werden von deutschen Behörden als mögliche Sabotage behandelt.
Was geschehen ist
Ein vertraulicher Bericht des Bundeskriminalamts (BKA), den die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf das neu eingerichtete Gemeinsame Abwehrzentrum gegen Hybridbedrohungen (GAZ-Hybrid) in Berlin veröffentlichte, beziffert die seit Jahresbeginn 2026 registrierten Sabotageverdachtsfälle auf mehr als 165 und die Vorfälle mit verdächtigen Drohnen auf 747, die zusammen 1.068 Flüge über kritischer Infrastruktur, Militärbasen und Rüstungsbetrieben ausmachten. Der Generalbundesanwalt und die Landesstaatsanwaltschaften eröffneten 24 Spionageverfahren – etwa die Hälfte davon wegen Cyberoperationen – bei weiteren rund 40 Verdachtsfällen laufen Ermittlungen. Insgesamt 112 Spionagestraftaten wurden polizeilich erfasst, mehr als 60 betrafen unerlaubte Foto- oder Videoaufnahmen militärischer Objekte; in 26 Fällen besteht der Verdacht auf sabotagevorbereitende Agententätigkeit, die sich auf Brandenburg (23), Nordrhein-Westfalen (21), Schleswig-Holstein (21) und Niedersachsen (15) konzentrierte. Zu den konkreten Vorfällen zählen die Festnahme eines moldauischen Drohnenspions am KNDS-Standort in Bayern im Juli, ein Angriff maskierter Personen auf einen Wachmann in Grossenkneten am 9. August, ein Signalbrand auf der Bahnstrecke Düsseldorf–Köln im Juli und der Fund einer Sprengstoffdrohne in der Nähe eines ukrainischen Antonov-Transportflugzeugs am Flughafen Leipzig/Halle am 4. August, für den Deutschland Russland offiziell verantwortlich macht.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die drei vorliegenden ukrainischen Quellen stimmen in den wesentlichen Zahlen und der Darstellung der zentralen Vorfälle überein. In der Schilderung des Vorfalls vom 9. August in Grossenkneten unterscheiden sich zwei Artikel: Einer beschreibt, die maskierten Angreifer hätten den Kopf des Wachmanns gegen die Motorhaube geschlagen, während der andere nur von einem Angriff mit anschließender Flucht berichtet. Beim Datum der Eröffnung des GAZ-Hybridzentrums nennt eine Quelle „Mitte Juni", eine andere erwähnt das Zentrum in diesem Zusammenhang nicht.
Hintergrund
Der Bericht wurde vom Bundeskriminalamt (BKA) auf Grundlage der ersten Monate des Betriebs des Gemeinsamen Abwehrzentrums gegen Hybridbedrohungen (GAZ-Hybrid) erstellt, das Mitte Juni in Berlin eröffnet wurde. Bereits zuvor hatte der deutsche Verfassungsschutz Russland für frühere Vorfälle verantwortlich gemacht: die Festnahme zweier Agenten mit doppelter russisch-deutscher Staatsbürgerschaft in Bayern im April 2024, die US-Militärstützpunkte und Transportrouten für Militärhilfe an die Ukraine ausspähten, sowie die Paketzündung im DHL-Frachtterminal am Leipziger Flughafen im Juli 2024. Deutschland macht Russland offiziell auch für den versuchten Anschlag auf das Antonov-Flugzeug in Leipzig/Halle verantwortlich.