2 September 2026 · Aktualisiert am 3 September 2026

Deutschland macht Russland offiziell für Drohnenangriff auf ukrainische Frachtflugzeuge in Leipzig verantwortlich

Die deutsche Regierung hat Russland am 1. September offiziell für die Sprengstoffdrohnenvorfälle am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht, bei denen im August ukrainische Frachtflugzeuge vom Typ Antonov Ziel eines versuchten hybriden Angriffs wurden. Die EU und die NATO verurteilten den Vorfall als neue Stufe der Eskalation und kündigten zusätzlichen Druck auf Moskau sowie weitere Luftverteidigungshilfen für die Ukraine an.

Warum es wichtig ist

Es ist das erste Mal, dass Deutschland offiziell einen hybriden Angriff auf seinem Staatsgebiet Russland zuschreibt. Bei den Zielobjekten handelte es sich um ukrainische Militärttransportflugzeuge vom Typ Antonov, wodurch der Vorfall unmittelbar mit der Unterstützung der ukrainischen Verteidigung verknüpft ist. Spitzenvertreter der EU und der NATO werten den Vorfall als neue Eskalationsstufe und nutzen ihn als Begründung für zusätzliche Sanktionen, Finanzhilfen und Luftverteidigungslieferungen an die Ukraine.

Was geschehen ist

In der Nacht zum 4. August wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff bestückte Drohe in der Nähe eines ukrainischen Frachtflugzeugs entdeckt. Berichten zufolge kollidierte die Drohe mit dem ukrainischen Flugzeug, detonierte jedoch aus unbekannten Gründen nicht; die Sprengladung löste sich vermutlich beim Aufprall. Die Drohe wurde etwa vier Stunden nach dem Vorfall zufällig gefunden. Ende August wurde am selben Flughafen eine dritte Drohe entdeckt, die offenbar einen Angriff auf ein ukrainisches Flugzeug vom Typ An-124 versuchte. Nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums wurde niemand verletzt und kein Flugzeug der Antonov-Firma beschädigt.

Am 1. September erklärte die deutsche Regierung Russland offiziell für den versuchten hybriden Angriff verantwortlich. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt begründete die Zuschreibung mit nachrichtendienstlichen Erkenntnissen und der Analyse weiterer hybrider Vorfälle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, der Angriff sei von russischen operatives mit militärischem Material ausgeführt worden; ein Gelingen hätte massive Zerstörung und möglicherweise Menschenleben gefordert. NATO-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete Russland als zunehmend rücksichtslos und verwies auf das vermehrte Eindringen russischer Drohnen und Raketen in den Luftraum von NATO-Staaten an der Ostflanke sowie auf Brandanschläge auf Fabriken, die Verteidigungsprodukte für die Ukraine herstellen. Die Hohe Vertreterin der EU, Kallas, wertete den Leipziger Vorfall als Anzeichen für Staatsterrorismus.

Russland wies die Vorwürfe zurück; Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte am Abend des 1. September, Deutschland habe keine Beweise vorgelegt. Deutschland kündigte als Konsequenz die Beendigung der Vereinbarung mit dem „Russischen Haus“ in Berlin, eine Verschärfung der Kontrollen für einreisende Russen sowie die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn zum 18. September an.

Parallel erklärte von der Leyen, die EU und die NATO würden den Druck auf Russland erhöhen, bis Moskau seine Angriffe auf die Ukraine einstelle, und kündigte an, Sanktionspakete bereitzuhalten, sobald die Verantwortung für Angriffe festgestellt werde. Sie teilte zudem mit, dass die EU eine neue Finanzierungsanfrage der Ukraine in Höhe von mehreren Milliarden Euro für ukrainische Luftverteidigung, einschließlich Patriot-Systemen, erhalten habe – zusätzlich zum bereits angelaufenen EU-Kreditprogramm über 90 Milliarden Euro. Rutte erklärte, NATO-Verbündete hätten vereinbart, der Ukraine in diesem und im nächsten Jahr jeweils mindestens 70 Milliarden Euro bereitzustellen. Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete, er habe mit Bundeskanzler Friedrich Merz über den russischen Angriff, die Berliner Reaktion und die Bereitschaft der Ukraine, Expertise mit Deutschland zu teilen, gesprochen; man habe sich auf Inhalt und Zeitpunkt der Unterzeichnung eines sogenannten Drone Deal geeinigt. Laut Selenskyj soll Deutschland im September 2026 neue Luftverteidigungspakete liefern; deutschen Medienberichten zufolge sind zusätzliche Iris-T-Luftverteidigungsraketen sowie mehrere tausend Angriffsdrohnen geplant.

Wo die Berichte auseinandergehen

Über die Verantwortung für den Leipziger Drohnenangriff besteht zwischen den Beteiligten kein Einvernehmen: Russland wies jede Verantwortung zurück, Kremlsprecher Peskow erklärte, Deutschland habe keine Beweise vorgelegt, während Bundesinnenminister Dobrindt die Zuschreibung auf nachrichtendienstliche Erkenntnisse und die Analyse weiterer hybrider Operationen stützte. Auch bei den Abläufen am Flughafen Leipzig/Halle gehen die Darstellungen auseinander: Ein Bericht schildert, die Drohe sei mit dem Flugzeug kollidiert, aber nicht detoniert; ein anderer beschreibt, die Drohe sei erst rund vier Stunden nach dem Ereignis in der Nähe des Flugzeugs entdeckt worden.

Hintergrund

Im August kam es am Flughafen Leipzig/Halle zu mehreren Drohnenvorfällen, darunter gegen Ende des Monats ein dritter Drohnenfund. Die Hohe Vertreterin der EU, Kallas, wertete den Vorfall als Anzeichen für Staatsterrorismus. NATO-Generalsekretär Rutte verwies in diesem Zusammenhang auch auf Brandanschläge auf Fabriken, die Verteidigungsprodukte für die Ukraine herstellen, als Teil der breiteren feindlichen Aktivität gegen NATO-Gebiet.