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Kyiver Geheimdienst: Russland könnte Krieg gegen die Ukraine bis 2028 weiterführen

Der Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes (HUR), Oleh Ivashchenko, erklärte in einem Interview mit Ukrinform, Russland sei wirtschaftlich deutlich schwächer als zu Beginn der Vollinvasion, verfüge aber vermutlich über genügend Ressourcen, um den Krieg 2027 und 2028 fortzusetzen. Die Aussagen beziffern die täglichen russischen Verluste, beschreiben die Erschöpfung des Vertragsrekrutierungsmodells und dokumentieren den Einsatz ausländischer Söldner aus mehr als 40 Ländern.

Das Wichtigste

  • HUR-Chef Oleh Ivashchenko schätzt, dass Russland über Ressourcen für eine Kriegsführung 2027 und 2028 verfügen könnte.
  • Russland setzt Söldner aus über 40 Ländern ein, vor allem bei Sturmtruppen, oft als Vorhut russischer Einheiten.
  • Teile dieser Söldner werden durch Täuschung rekrutiert: Sie reisen auf der Suche nach Arbeit nach Russland und unterzeichnen Verträge, ohne deren Inhalt zu verstehen.
  • Die durchschnittlichen täglichen russischen Verluste (Getötete und Schwerverletzte) liegen laut HUR bei 1.200 bis 1.400, manchmal bei 1.500 Personen.
  • Mehr als 60 Prozent der russischen Bevölkerung sind nach HUR-Einschätzung gegen den Krieg.
  • Das Vertragsrekrutierungsmodell in Russland ist nach HUR-Angaben weitgehend erschöpft, die Regionalbudgets können die Zahlungen nicht weiter finanzieren.
  • Die HUR hat Länder identifiziert, die über Scheinfirmen Elektronikkomponenten, Werkzeugmaschinen und Spezialchemie an die russische Kriegsmaschinerie liefern.

Warum es wichtig ist

Die Bewertung des ukrainischen Militärgeheimdienstes setzt den voraussichtlichen Zeithorizont des Krieges auf potenziell zwei weitere Jahre – trotz der wirtschaftlichen Schwächung Russlands. Sie macht deutlich, dass Moskaus Personalproblem durch ausländische Söldner und ein zunehmend erschöpftes Vertragsrekrutierungsmodell nur teilweise kompensiert wird, und benennt die Voraussetzungen – wirksame Sanktionen und durchgesetzte Exportkontrollen – unter denen Russland diese Ressourcen verlieren könnte.

Was geschehen ist

Der Leiter des HUR, Oleh Ivashchenko, gab Ukrinform ein Interview, in dem er Russlands aktuelle Ressourcenlage für den Krieg gegen die Ukraine einschätzte. Zwar sei die russische Wirtschaft heute deutlich schwächer als zu Beginn der Vollinvasion – mit Arbeitskräftemangel, wachsendem Haushaltsdefizit und Problemen im Bankensektor –, dennoch schließe die Aufklärung nicht aus, dass Moskaus Ressourcen für die Jahre 2027 und 2028 reichten. Die durchschnittlichen täglichen russischen Verluste bezifferte Ivashchenko auf 1.200 bis 1.500 Getötete und Schwerverletzte. Das Vertragsrekrutierungsmodell sei weitgehend erschöpft, die Regionalhaushalte könnten die Rekrutierungszahlungen nicht weiter finanzieren. Russland greife daher auf Söldner aus mehr als 40 Ländern – darunter Zentralasien, Afrika und Lateinamerika – zurück, die vor allem in Sturmabteilungen eingesetzt würden, teils nach Täuschungsrekrutierung. Gleichzeitig arbeite die HUR Länder heraus, aus denen über Scheinfirmen Elektronikkomponenten, Werkzeugmaschinen und Spezialchemie an die russische Kriegsmaschinerie geliefert würden.

Hintergrund

Bereits Anfang Juni hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj Präsident Wladimir Putin öffentlich aufgefordert, den Krieg nicht in den Jahren 2027 und 2028 fortzusetzen. Am 16. August hatte das ukrainische Außenministerium berichtet, Russland habe mindestens 2.982 Personen aus 37 afrikanischen Ländern rekrutiert, von denen 486 getötet worden seien, und eine Webressource in Englisch, Französisch und Swahili zu russischen Rekrutierungsmethoden veröffentlicht. Am 6. September trafen die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Kiew ein, nachdem sie tags zuvor in Moskau mit Putin gesprochen hatten; Selenskyj hatte am 3. August erklärt, die Ukraine werde alles tun, damit Russland den Krieg vor dem Winter beende, während Kushner ein Kriegsende bis zum Winter als nicht garantiert bezeichnete.