Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Ukrainische Stahlproduktion bricht im August 2026 nach russischen Angriffen auf Hüttenwerke ein

Die ukrainische Metallurgie verzeichnete im August 2026 einen drastischen Produktionseinbruch: Die Stahlproduktion sank um 57,3 %, die Roheisenerzeugung um 65,6 % und die Walzstahlproduktion um 57,4 % gegenüber Juli. Hauptgrund sind russische Raketenangriffe auf drei große Hüttenwerke – Zaporizhstal, ArcelorMittal Kryvyi Rih und Kametstal –, die den Betrieb ganz oder teilweise zum Erliegen brachten. In den ersten acht Monaten des Jahres fielen die Jahresvergleiche ebenfalls deutlich: Stahl −12,5 %, Roheisen −14,8 %, Walzstahl −15,6 %.

Das Wichtigste

  • Stahlproduktion Januar–August 2026: 4,3 Mio. Tonnen, minus 12,5 % gegenüber Vorjahreszeitraum
  • Roheisen Januar–August 2026: 4,35 Mio. Tonnen, minus 14,8 % gegenüber 5,11 Mio. Tonnen 2025
  • Walzstahl Januar–August 2026: 3,59–3,6 Mio. Tonnen, minus 15,6 % gegenüber 4,26 Mio. Tonnen 2025
  • August 2026 gegenüber Juli: Stahl −57,3 % auf 277.000 t, Roheisen −65,6 % auf 257.100 t, Walzstahl −57,4 % auf 269.500 t
  • 11. August: Russischer Raketenangriff auf Zaporizhstal – acht Tote, Betrieb vollständig eingestellt; erneuter Beschuss am 27. August
  • Nacht 15./16. August: Angriff auf ArcelorMittal Kryvyi Rih – zwei Tote, 13 Verletzte, Produktion teilweise eingestellt
  • Nacht 4./5. September: Kametstal in Kamianske (Dnipropetrowsk) mit mehreren ballistischen Raketen getroffen – Produktion vollständig gestoppt

Warum es wichtig ist

Die ukrainische Metallurgie ist ein wichtiger industrieller Arbeitgeber und Devisenbringer. Der Einbruch der Produktion um mehr als die Hälfte allein im August 2026 bedeutet unmittelbare wirtschaftliche Verluste und gefährdet die Beschäftigung in den betroffenen Regionen. Da Zaporizhstal, ArcelorMittal Kryvyi Rih und Kametstal – drei der größten Stahlhersteller des Landes – gleichzeitig ganz oder teilweise stillstehen, droht im September eine weitere Verschlechterung. Gleichzeitig gerät der Sektor durch die russische Seeblockade und EU-Handelsinstrumente wie CBAM und Stahlimportquoten unter zusätzlichen Druck, sodass Kriegsschäden und handelspolitische Maßnahmen zusammenwirken.

Was geschehen ist

Nach Daten des ukrainischen Branchenverbands Ukrmetalurhprom (berichtet von Ukrinform) brach die ukrainische Metallproduktion im August 2026 massiv ein. Die Stahlproduktion sank gegenüber Juli um 57,3 % auf 277.000 Tonnen, die Roheisenerzeugung um 65,6 % auf 257.100 Tonnen und die Walzstahlproduktion um 57,4 % auf 269.500 Tonnen. Über die ersten acht Monate des Jahres hinweg lag die Stahlproduktion mit 4,3 Mio. Tonnen um 12,5 % unter dem Vorjahreswert, Roheisen mit 4,35 Mio. Tonnen um 14,8 % und Walzstahl mit 3,59–3,6 Mio. Tonnen um 15,6 %.

Als Auslöser gelten russische Raketenangriffe auf drei große Werke: Am 11. August schlug eine ballistische Rakete in Zaporizhstal ein und tötete acht Arbeiter; Energieanlagen, Infrastruktur und Haupt- sowie Hilfsaggregate der Hochöfen wurden beschädigt, der Betrieb kam vollständig zum Erliegen. In der Nacht zum 16. August traf eine Rakete ArcelorMittal Kryvyi Rih, zwei Menschen starben, 13 Beschäftigte des Werks und von Vertragsfirmen wurden verletzt, die Produktion wurde teilweise eingestellt. Am 27. August wurde Zaporizhstal erneut mit fünf ballistischen Raketen beschossen. In der Nacht zum 5. September schlugen mehrere ballistische Raketen in Kametstal in Kamianske (Gebiet Dnipropetrowsk) ein, einem Werk der Metinvest-Gruppe, und beschädigten zentrale Produktionsanlagen – das Werk stellte den Betrieb vollständig ein.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Alle vorliegenden Quellen sind ukrainischsprachige Medien und Agenturen (Forbes Ukraine, Ukrinform, NV). Die Berichterstattung fokussiert einheitlich auf die Schäden an konkreten Werken – Zaporizhstal, ArcelorMittal Kryvyi Rih und Kametstal – sowie auf die Opferzahlen der russischen Angriffe. Ukrainische Quellen stellen den Einbruch als Ergebnis zusammenwirkender Schocks dar: der verschärften russischen Angriffe seit Anfang August einerseits und der strukturellen Belastungen durch die Seeblockade sowie EU-Maßnahmen wie CBAM und Stahlimportquoten andererseits. Eine Einschätzung der GMK-Center-Analysten wird zitiert, um den August 2026 als einen der historisch niedrigsten Produktionsmonate einzuordnen und eine weitere Verschlechterung im September anzukündigen.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen weichen bei den monatlichen Veränderungen im August gegenüber Juli voneinander ab: Ein Teil der Angaben berichtet für Stahl −57,3 %, Roheisen −65,6 % und Walzstahl −57,4 %; andere Angaben lauten auf Stahl −39,4 %, Roheisen −40,5 % und Walzstahl −29,6 %. Beim Jahresvergleich für die ersten acht Monate nennt ein Artikel einen Rückgang von 15 % bei Roheisen und 16 % bei Walzstahl, während die übrigen Quellen −14,8 % bzw. −15,6 % angeben.

Hintergrund

Im Jahr 2025 hatte die ukrainische Metallurgie im Vergleich zu 2024 die Produktion von Walzstahl um 4,8 % auf 6,52 Mio. Tonnen und von Roheisen um 11,2 % auf 7,88 Mio. Tonnen gesteigert, während die Stahlproduktion um 2,2 % auf 7,41 Mio. Tonnen zurückging. Der produktionsstärkste Monat des Jahres 2026 war bisher März – mit einem Plus von 22,5 % beim Roheisen und 27,6 % beim Stahl gegenüber dem Vorjahresmonat; beim Walzstahl war Juni mit +6,5 % am stärksten. Der Sektor ist zugleich durch eine effektive Blockade der ukrainischen Seehäfen und durch EU-Handelsinstrumente wie den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) sowie Stahlimportquoten belastet.