5 September 2026 · Aktualisiert am 5 September 2026

Raketenangriff auf Stahlwerk Kametstal in Kamianske fordert fünf Tote

In der Nacht zum 5. September 2025 schlug eine russische ballistische Rakete in das metallurgische Kombinat Kametstal des Konzerns Metinvest im ukrainischen Kamianske, Oblast Dnipropetrowsk, ein. Nach zunächst vier Toten stieg die Zahl der Opfer auf fünf, hinzu kommen mehrere Verletzte. Metinvest hat die gesamte Produktion stillgelegt; Kamianske erklärte den 5. September zum Trauertag.

Das Wichtigste

  • Russische ballistische Rakete traf das Metinvest-Kombinat Kametstal in Kamianske, Oblast Dnipropetrowsk, in der Nacht zum 5. September.
  • Fünf Tote — vier Kametstal-Mitarbeiter und ein Mitarbeiter eines Auftragnehmers — sowie mehrere Verletzte, darunter eine 30-jährige Frau auf der Intensivstation.
  • Beschädigt wurden Sinter- und Hochofenproduktion sowie Energie- und Transportinfrastruktur des Werks; Metinvest legte alle Produktionsprozesse still, ein Termin für die Wiederaufnahme ist unbekannt.
  • Zwischen Luftalarm und Einschlag lagen laut Metinvest nur wenige Minuten, sodass nicht alle Beschäftigten Schutzräume erreichen konnten.
  • 5. September wurde in Kamianske zum Trauertag erklärt; an allen Metinvest-Standorten wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt.
  • Leiter der OVA Dnipropetrowsk, Oleksandr Hanzha, meldete den Angriff; die russische Erklärung sprach von Zielen wie Logistikzentren und metallverarbeitenden Betrieben.
  • Der Angriff erfolgte trotz ukrainischer Initiative zu einem »Regime der Stille« an der Front vom 5. bis 8. September, dem Russland zugestimmt haben soll.

Warum es wichtig ist

Der Angriff legte ein großes ukrainisches Stahlwerk für zivile Produktion lahm, tötete und verletzte mehrere Beschäftigte — darunter eine Frau auf der Intensivstation — und hinterließ Metinvest mit unklarem Neustarttermin. Dass zwischen Luftalarm und Einschlag nur wenige Minuten lagen, unterstreicht die Gefahr für die Belegschaft. Der Beschuss erfolgte, obwohl die ukrainische Seite an der Front eine mehrtägige Waffenruhe vorgeschlagen hatte, und ist nach dem ballistischen Treffer auf das Metinvest-Werk Zaporizhstal im August der zweite Halt eines Metinvest-Standorts binnen Wochen.

Was geschehen ist

In der Nacht zum 5. September 2025 schlug eine russische ballistische Rakete in das Kametstal-Kombinat von Metinvest in Kamianske, Oblast Dnipropetrowsk, ein. Oleksandr Hanzha, Leiter der regionalen Militärverwaltung, berichtete den Angriff um 01:50 Uhr; zu diesem Zeitpunkt wurden Angaben zu Opfern noch geprüft. Anfangs war von vier Toten und fünf Verletzten die Rede; nach Bergung eines weiteren Leichnams aus den Trümmern wurde die Zahl der Toten auf fünf korrigiert — vier Kametstal-Mitarbeiter und ein Mitarbeiter eines Auftragnehmers. Drei Verletzte wurden hospitalisiert, darunter eine 30-jährige Frau auf der Intensivstation. Laut Metinvest beschädigte der Einschlag die Sinter- und Hochofenproduktion sowie die Energie- und Transportinfrastruktur des Werks; alle Produktionsprozesse wurden stillgelegt, ein Wiederaufnahmetermin ist offen. Rettungs- und Bergungsarbeiten liefen. Kamianske erklärte den 5. September zum Trauertag, an allen Metinvest-Standorten wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt. In derselben Nacht griffen russische Streitkräfte zudem Pawlohrad (Lastwagen fingen Feuer, keine Opfer gemeldet) an und schlugen in mindestens vier Bezirken der Oblast Dnipropetrowsk rund 30 Mal zu; im Bezirk Nikopol wurde ein 62-jähriger Mann verletzt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Logistikzentren und metallverarbeitende Fabriken in der Oblast Dnipropetrowsk angegriffen zu haben.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Medien rahmen den Angriff als Schlag der »russischen Besatzungsarmee« gegen ein ziviles Industrieunternehmen und betonen die Opfer unter den Beschäftigten sowie die kurze Frist zwischen Luftalarm und Einschlag. Sie stützen sich vorrangig auf den Leiter der Oblast-Militärverwaltung Dnipropetrowsk, Oleksandr Hanzha, sowie auf Mitteilungen von Metinvest, die das Fehlen militärischer Ziele, den vollständigen Produktionsstillstand und den Trauertag in Kamianske hervorheben. Die Berichterstattung stellt den Angriff in den Kontext einer ukrainisch initiierten Waffenruhe an der Front vom 5. bis 8. September und zeichnet Russland als die Seite, die eine Deeskalation ablehnt.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Die einzige nicht-ukrainische Quelle im Set, der arabischsprachige Beitrag von Al Jazeera, bündelt den Vorfall in eine umfassendere Geschichte »weitverbreiteter russischer Angriffe« und erwähnt dabei auch einen Treffer auf den ukrainischen Geheimdienstsitz. Er übernahm nur die anfängliche Opferzahl von vier Toten und fünf Verletzten und spiegelte die spätere Korrektur auf fünf Tote nicht wider.

Wo die Berichte auseinandergehen

Bei den Opferzahlen gibt es Abweichungen: Der arabischsprachige Al-Jazeera-Bericht nannte nur die erste Zahl von vier Toten und fünf Verletzten, ohne die spätere Korrektur auf fünf Tote. Innerhalb der ukrainischen Berichte variierten zudem die von Metinvest genannten Aufschlüsselungen — vier Kametstal-Mitarbeiter und ein Auftragnehmer getötet, vier Verletzte, beziehungsweise anfänglich fünf Tote und vier Verletzte; diese Angaben wurden in den Fakten als strittig markiert.

Hintergrund

Bereits im August 2025 war ein anderes Metinvest-Kombinat, Zaporizhstal, von einem ballistischen Treffer getroffen worden, der sieben Beschäftigte tötete und 21 verletzte — Kametstal ist damit das zweite Metinvest-Werk, das innerhalb weniger Wochen durch einen solchen Angriff stillgelegt wurde. Während derselben Nacht griffen russische Streitkräfte auch Pawlohrad an (Lastwagen fingen Feuer, keine gemeldeten Opfer), schlugen mit Drohnen in ein Einkaufszentrum in Mykolaiv ein und verletzten einen 72-jährigen Mann sowie ein 17-jähriges Mädchen; zudem wurden ein neunstöckiges Wohnhaus im Stadtrajons Kiew von Odessa sowie ein Gebäude in Boryspil, Oblast Kiew, getroffen.