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Deutschland bereitet Gesundheitssystem auf möglichen großen Krieg vor – Ulm-Bunker soll reaktiviert werden

Deutschland prüft, ob sein Gesundheitssystem im Falle eines größeren Krieges funktionsfähig wäre. Dazu zählt die mögliche Reaktivierung eines unterirdischen medizinischen Bunkers aus dem Kalten Krieg in Ulm, die Schulung ziviler Chirurgen in Kampfverletzungen und die Vorratshaltung von Medikamenten. Bundeswehr-Schätzungen gehen von bis zu 1.000 Verwundeten pro Tag in einem Russland-NATO-Krieg aus, die die fünf Bundeswehr-Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen bringen würden.

Das Wichtigste

  • Bundeswehr-Schätzung: bis zu 1.000 verwundete Soldaten könnten im Russland-NATO-Krieg täglich nach Deutschland kommen
  • Deutschland betreibt fünf Bundeswehr-Krankenhäuser, die im Kriegsfall schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen würden
  • Ein unterirdischer medizinischer Bunker in Ulm aus dem Jahr 1979 soll möglicherweise für den Kriegsfall reaktiviert werden; Lüftungs- und Energiesysteme benötigen Modernisierung im Millionenbereich
  • Der Ulm-Bunker ist auf 2.000 Personen und 90 Tage autonomen Betrieb ausgelegt
  • Bundeswehr und Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) bilden zivile Chirurgen in der Behandlung von Kampfverletzungen weiter – pro Jahr höchstens 50–100 Spezialisten
  • Deutsche Kliniken sollen laut Empfehlung etwa sechs Wochen Vorrat an Intensivmedikamenten halten; bei einigen Antibiotika und Schmerzmitteln besteht Abhängigkeit von China
  • Im März führte die Bundeswehr groß angelegte Sanitätsübungen durch, die einen Angriff auf Litauen und den Transport Verwundeter in Kliniken in Berlin und Brandenburg simulierten

Warum es wichtig ist

Deutschland ist die größte Volkswirtschaft Europas und ein zentraler NATO-Staat; seine Kriegstüchtigkeit hat unmittelbare Auswirkungen auf die Bündnisverteidigung. Die Bundeswehr-Schätzung von bis zu 1.000 Verwundeten pro Tag würde die fünf Bundeswehr-Krankenhäuser überlasten und die Einbeziehung ziviler Einrichtungen erzwingen – ein Szenario, das personelle und materielle Lücken offenlegt. Die deutsche Abhängigkeit von chinesischen Komponenten für bestimmte Antibiotika und Schmerzmittel verdeutlicht eine medizinische Versorgungsschwäche, die parallel zu den breiteren europäischen Rüstungs-Sorgen verläuft. Dass Deutschland ausdrücklich auf ukrainische Kriegserfahrungen zurückgreift, zeigt einen direkten Wissenstransfer von der Ukraine in die NATO-Vorbereitung.

Was geschehen ist

Deutschland überprüft und bereitet sein Gesundheitssystem auf einen möglichen größeren Krieg vor. Geplant sind unter anderem die Reaktivierung eines unterirdischen medizinischen Bunkers aus dem Kalten Krieg in Ulm, die Schulung ziviler Chirurgen in der Behandlung von Kampfverletzungen und die Bevorratung von Medikamenten. Bundeswehr-Schätzungen zufolge könnten in einem Russland-NATO-Krieg bis zu 1.000 Verwundete pro Tag in deutsche Kliniken eingeliefert werden. Die fünf Bundeswehr-Krankenhäuser würden in einem solchen Szenario schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, sodass per Gesetz auch zivile medizinische Einrichtungen Verwundete versorgen müssten. Benedikt Friemert, Ärztlicher Direktor und Kommandeur des Bundeswehr-Krankenhauses in Ulm, erklärte dazu, das deutsche Gesundheitswesen sei auf einen solchen Fall nicht vorbereitet. Die Vorbereitungen sehen zudem vor, ukrainische Kriegserfahrungen im medizinischen Bereich auszuwerten – etwa die Verlagerung von Patienten in untere Stockwerke, die Einrichtung von Behandlungsplätzen in Kellern und Technikräumen sowie die Umstellung auf Generatoren und Solaranlagen nach Angriffen auf die Energieinfrastruktur.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Beide Quellartikel stammen aus ukrainischsprachigen Medien und rahmen die Geschichte primär durch die Brille der Ukraine-Relevanz. Sie heben hervor, dass Deutschland ausdrücklich ukrainische medizinische Kriegserfahrungen studiert – etwa die Verlagerung von Patienten in untere Stockwerke, die Nutzung von Kellerräumen und die Umstellung auf Generatoren und Solarpaneele nach Angriffen auf die Energieinfrastruktur – und sehen darin einen Beleg dafür, dass die Ukraine-Erfahrung die NATO-Vorbereitung unmittelbar prägt. Zugleich betonen die ukrainischen Berichte das Ausmaß der Herausforderung, vor der Deutschland steht – bis zu 1.000 Verwundete pro Tag und ein Mangel an Ärzten mit praktischer Erfahrung in der Versorgung von Kampfverletzungen –, und unterstreichen implizit die weitaus größere medizinische Last, die die Ukraine selbst im Krieg trägt.

Hintergrund

Der Ulm-Bunker wurde 1979 als Atomschutz-Anlage aus dem Kalten Krieg errichtet, ist auf 2.000 Personen und einen autonomen Betrieb von bis zu 90 Tagen ausgelegt; Lüftungs- und Energiesysteme benötigen nun eine Modernisierung im Millionenbereich. Seit Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine verzeichnet Deutschland verstärkte hybride Bedrohungen, darunter Cyberangriffe auf Krankenhäuser und einen Drohnenvorfall in der Nähe eines Militärstützpunkts. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte erklärt, Russland könnte möglicherweise bis 2029 in der Lage sein, NATO-Gebiet anzugreifen – und lieferte damit den politischen Rahmen für die laufenden medizinischen Vorbereitungen. Im März führte die Bundeswehr groß angelegte Sanitätsübungen durch, die einen Angriff auf Litauen und den Transport Verwundeter in Kliniken in Berlin und Brandenburg simulierten; im September wurde zudem Drohnen-Bruchstück in der Nähe eines Militärstützpunkts gefunden.