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Allukrainischer Kirchenrat appelliert an Papst Leo XIV. wegen humanitärer Katastrophe in besetztem Oleschky

Der Allukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen hat an Papst Leo XIV., den Ökumenischen Rat der Kirchen, die Weltweite Evangelische Allianz sowie an UN-Mitgliedstaaten und das IKRK appelliert, eine humanitäre Mission und die Evakuierung der Bewohner des russisch besetzten Oleschky in der Oblast Cherson zu ermöglichen. Laut dem Rat sind seit Ende Mai 2026 keine Lebensmittellieferungen mehr in die Stadt gelangt; die Bewohner leiden unter Hunger, Wasser- und Medikamentenmangel, während russische Kräfte das Verlassen der Stadt verhindern. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha kündigte an, die Lage bei der Hochrangigen Woche der UN-Generalversammlung in New York zur Sprache zu bringen.

Das Wichtigste

  • Allukrainischer Rat der Kirchen richtete Appelle an Papst Leo XIV., den Ökumenischen Rat der Kirchen, die Weltweite Evangelische Allianz sowie an UN-Mitgliedstaaten und das IKRK.
  • Letzte Lebensmittellieferungen nach Oleschky laut Rat Ende Mai 2026; UN-Menschenrechtsmission bestätigte bis 24. Juni keine neuen Lieferungen.
  • Stadt liegt laut offiziellen Angaben seit über 9 Monaten unter Blockade; Bewohner ohne Strom, Gas, ausreichend Wasser, Medikamente und Lebensmittel.
  • Russische Streitkräfte hindern Zivilisten laut Rat und ukrainischen Behörden am Verlassen der Stadt; russische FPV-Drohnen sollen Zivilisten auf den Straßen angreifen.
  • Schätzungen der verbliebenen Bevölkerung widersprechen sich: der Rat nennt über 6.000 Menschen (darunter ca. 200 Kinder), Außenminister Sybiha ca. 2.000 (darunter ca. 50 Kinder); vor dem Krieg lebten rund 24.000 dort.
  • Das IKRK hat laut Sybiha seine Bereitschaft zur Evakuierung bestätigt; Russland hat nach Angaben ukrainischer Stellen eine humanitäre Mission bislang nicht bestätigt.
  • Ukraine will die Lage in Oleschky, Hola Prystan, Stara Samburiwka und Nowa Samburiwka bei der UN-Generalversammlung in New York ansprechen.

Warum es wichtig ist

In einer Stadt nur etwa vier Kilometer von ukrainisch kontrolliertem Gebiet entfernt sind nach Berichten tausende Zivilisten, darunter Kinder, von Hunger und Versorgungsengpässen bedroht, weil russische Kräfte weder Hilfslieferungen durchlassen noch die Evakuierung erlauben. Mit dem Appell an den Papst und internationale Organisationen sowie der Ankündigung, das Thema auf die Tagesordnung der UN-Generalversammlung zu setzen, eskaliert die Ukraine den diplomatischen Druck. Der Fall zeigt zugleich die Grenzen bestehender humanitärer Zugangsmechanismen, da das IKRK nach ukrainischen Angaben seine Evakuierungsbereitschaft erklärt hat, Russland eine Mission aber nicht zulässt.

Was geschehen ist

Der Allukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen (VRCIRO) veröffentlichte einen Appell zur Lage im russisch besetzten Oleschky in der Oblast Cherson. Darin wandte er sich an Papst Leo XIV., den Ökumenischen Rat der Kirchen, die Weltweite Evangelische Allianz sowie weitere religiöse Führer und Menschenrechtsorganisationen und forderte sie auf, alles Mögliche zu tun, um ein Verhungern der Bevölkerung zu verhindern. Gleichzeitig rief er UN-Mitgliedstaaten und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz auf, eine humanitäre Mission und die Evakuierung der Bewohner auf von der Ukraine kontrolliertes Gebiet zu ermöglichen. Nach Angaben des Rats fanden die letzten Lebensmittellieferungen Ende Mai 2026 statt; seither fehle es an Nahrung, Trinkwasser, Medikamenten und anderer Hilfe. Die kritische Infrastruktur der Stadt sei faktisch zerstört, Strom- und Gasversorgung fehlten. Oleschky liege in einer „Grauzone" nahe der Frontlinie; Zivilisten seien täglich durch Beschuss und Drohnenangriffe bedroht. Russische Streitkräfte hinderten die Bewohner am Verlassen der Stadt. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, Russland erzeuge in der besetzten Linksufer-Region der Oblast Cherson gezielt eine humanitäre Katastrophe, blockiere Lieferungen und behindere Evakuierungen. Er kündigte an, die Lage bei der Hochrangigen Woche der UN-Generalversammlung in New York zur Sprache zu bringen und Gespräche mit der IKRK-Präsidentin Mirjana Spoljarić Egger über humanitären Zugang und sichere Evakuierung zu führen. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinets erklärte, Russland bestätige seit Langem nicht die Bereitschaft zur Durchführung einer humanitären Evakuierungsmission. Nach Angaben von Sybiha hat das IKRK seine Bereitschaft zur Teilnahme an einer Evakuierung bekundet.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Quellen zeichnen das Bild einer von Russland gezielt herbeigeführten humanitären Katastrophe. Der Rat der Kirchen sprach von einer humanitären Blockade und einer drohenden Katastrophe; Außenminister Sybiha warf Russland vor, Lieferungen und Evakuierungen bewusst zu verhindern und FPV-Drohnen gegen Zivilisten einzusetzen. Berichtet wurde zudem ein Angriff auf vier Freiwilligenfahrzeuge während einer Hilfsmission am 1. September. Lokale Beamte wie der stellvertretende Leiter der Militärverwaltung der Oblast Cherson, Oleksandr Tolokonnikov, schilderten, die Bewohner tauschten selbst angebaute Kartoffeln gegen Mehl und Nudeln, mahlten Nudeln zu Mehl und buken Fladenbrote auf Holzöfen. Die ukrainische Seite kündigte an, die Lage bei der UN-Generalversammlung in New York zu thematisieren und sie bereits zuvor in internationalen Foren wie dem UN-Sicherheitsrat und dem OSZE-Ständigen Rat angesprochen zu haben. Das Nationale Widerstandszentrum wies darauf hin, dass Russland die Krise propagandistisch nutze und den ukrainischen Streitkräften die Schuld für die Blockade zuschiebe.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Internationale Medien wie die deutsche Bild-Zeitung und Deutsche Welle stellten die Lage als externe humanitäre Notlage dar. Sie verwiesen auf Daten der UN-Menschenrechtsmonitoringmission in der Ukraine, wonach bis zum 24. Juni keine Lebensmittellieferungen Oleschky erreicht hatten, und zitierten Freiwillige der Organisation Humanity, die von vier Monaten ohne Lieferungen und verminten Stadträndern berichteten. Bild hob hervor, dass Oleschky nur etwa vier Kilometer von Cherson entfernt liegt, aber seit Monaten von russischen Kräften eingeschlossen ist und Bewohner an Checkpoints zurückgewiesen werden. Bewohner schilderten, den Sommer mit Gemüse aus eigenen Gärten überlebt zu haben; mit dem Ende der Gartensaison drohe nun Hunger. Russische Gegenbehauptungen, die ukrainischen Streitkräfte blockierten Hilfslieferungen, wurden von ukrainischer Seite als Propaganda zurückgewiesen, nicht aber international bestätigt.

Hintergrund

Oleschky liegt am linken Ufer des Dnepr in der Oblast Cherson und wurde in den ersten Tagen der russischen Vollinvasion im Februar 2022 besetzt. Im Juni 2023 wurde die Stadt nach der Sprengung des Kachowka-Wasserkraftwerks durch russische Kräfte großflächig überflutet; die genaue Zahl der Opfer ist nicht abschließend geklärt. Vor der Vollinvasion lebten rund 24.000 Menschen in Oleschky; seitdem hat sich die Bevölkerung nach unterschiedlichen Schätzungen auf einige tausend oder wenige hundert reduziert.