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Ukraine beendet vereinfachtes Rückkehrprogramm für Fahnenflüchtige

Das ukrainische Verteidigungsministerium hat mitgeteilt, dass das vereinfachte Rückkehrprogramm für Soldaten, die vor dem 12. Juni 2026 unerlaubt ihre Einheit verlassen hatten (СЗЧ), am 20. September beendet wurde. Künftig gilt das allgemeine Verfahren über den Militärrechtsdienst (ВСП) und Reservedivisionen, das länger dauert, keine freie Wahl der Einheit mehr erlaubt und mit einer längeren Wartezeit auf die Wiederherstellung der Bezüge verbunden ist.

Das Wichtigste

  • Das vereinfachte Rückkehrprogramm für vor dem 12. Juni 2026 erfasste СЗЧ-Fälle endete am 20. September.
  • Die Rückkehr läuft nun über die Organe des Militärrechtsdienstes (ВСП) – Zentralverwaltung in Kiew und Kiewer Gebiet, Territorialverwaltungen oder zonale Abteilungen.
  • Über die App Army+ kann ein Rückkehrungsrapport abgegeben werden; nach Bestätigung bleiben 24 Stunden, um bei der zuständigen ВСП-Einheit einen Marschbefehl zu erhalten.
  • Im Reservedepot stellt der Kommandeur binnen drei Tagen einen Befehl zur Aufnahme in die Liste des vorübergehend eingetroffenen Personals aus.
  • Empfehlungsschreiben werden nur von Kampfbrigaden berücksichtigt; Unterstützungseinheiten werden nicht bedacht – Betroffene werden prioritär an Auffülleinheiten verwiesen.
  • Bei erstmaligem СЗЧ während des Kriegsrechts ist eine Strafbefreiung nach Teil 5 des Artikels 401 des ukrainischen Strafgesetzbuchs möglich; die Entscheidung trifft das Gericht.
  • Stand Anfang 2026 befanden sich laut Berichten mehr als 200.000 Soldaten im СЗЧ-Status.

Warum es wichtig ist

Mit dem Wegfall des vereinfachten Verfahrens verschärft die ukrainische Verteidigungsführung die Bedingungen, unter denen Soldaten aus unerlaubter Abwesenheit in den Dienst zurückkehren können. Die Rückkehr dauert länger, die Wiederherstellung der Bezüge lässt länger auf sich warten, und die Wahl der Einheit entfällt – Faktoren, die freiwillige Rückkehr weniger attraktiv machen könnten. Gleichzeitig bündelt das neue Verfahren die Steuerung bei Militärrechtsdienst und Reservedivisionen und richtet die Personalverteilung gezielt auf kämpfende Brigaden statt auf Versorgungseinheiten aus.

Was geschehen ist

Das Verteidigungsministerium der Ukraine gab das Ende des vereinfachten Rückkehrprogramms bekannt, das Soldaten mit vor dem 12. Juni 2026 registrierter unerlaubter Abwesenheit (СЗЧ) eine erleichterte Rückkehr ermöglicht hatte. Das Programm lief am 20. September aus. Ab diesem Datum erfolgt die freiwillige Rückkehr ausschließlich nach dem allgemeinen Verfahren: Soldaten wenden sich an eine Dienststelle des Militärrechtsdienstes (ВСП) – entweder die Zentralverwaltung in Kiew und im Kiewer Gebiet, eine territoriale Verwaltung oder eine zonale Abteilung. Alternativ können sie direkt bei einem Reservedepot vorstellig werden; die Liste der Depots ist bei der ВСП erhältlich. Über die App Army+ lässt sich ein Rückkehrungsrapport einreichen, der von der ВСП bearbeitet wird; nach Bestätigung bleiben 24 Stunden, um zur zuständigen ВСП-Einheit zu gelangen und einen Marschbefehl entgegenzunehmen. Im Reservedepot stellt der Kommandeur binnen drei Tagen einen Befehl zur vorübergehenden Einordnung in die Personalliste aus und weist Aufgaben zu. Der Kommandeur prüft über die Strafverfolgungsbehörden, ob der Vorfall im Einheitlichen Register der Voruntersuchungen erfasst ist, und informiert die Stammteilung über die Rückkehr. Liegt eine schriftliche Zustimmung des Kommandeurs einer prioritär aufzufüllenden Kampfeinheit vor, wird diese im Mitteilungsschreiben vermerkt. Empfehlungsschreiben werden nur von Kampfbrigaden berücksichtigt; Versorgungseinheiten gehen leer aus. Bei erstmaligem СЗЧ während des Kriegsrechts bleibt eine Strafbefreiung nach Teil 5 des Artikels 401 des ukrainischen Strafgesetzbuchs möglich, sofern ein Rapport, die schriftliche Zustimmung des Kommandeurs und ein Antrag an Ermittler, Staatsanwalt oder Gericht auf Rückkehrabsicht vorliegen; die endgültige Entscheidung trifft das Gericht.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die gesamte Berichterstattung stammt von ukrainischsprachigen Medien, die den Schritt als amtliche Mitteilung des Verteidigungsministeriums wiedergeben. Im Vordergrund steht die praktische Anleitung für betroffene Soldaten mit einer schrittweisen Darstellung des neuen Verfahrens – Army+, ВСП, Reservedepots. Redaktionelle Kommentare heben den Kontrast zum früheren vereinfachten Regime hervor: längeres Verfahren, längere Wartezeit auf die Bezüge und Wegfall der Einheitenwahl. Die Einordnung fällt nüchtern aus – als regulatorischer Übergang, nicht als politische Kontroverse.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen weichen bei zwei Daten voneinander ab: Beim Stichtag für die ursprüngliche Berechtigung zum vereinfachten Programm nennt ein Artikel den 11. Juni, andere Quellen den 12. Juni 2026. Beim genauen Enddatum des vereinfachten Verfahrens gibt ein Artikel den 21. September an, während die übrigen Quellen – einschließlich der Zusammenfassung der Mitteilung des Verteidigungsministeriums – den 20. September nennen.

Hintergrund

СЗЧ (самовільне залишення частини) bezeichnet in der ukrainischen Militärsprache das unerlaubte Verlassen der Einheit. Das vereinfachte Rückkehrprogramm war ein zeitlich befristeter, nachsichtigerer Mechanismus, um Soldaten ohne die üblichen strafrechtlichen Konsequenzen zurückzuführen. Die Strafverfolgung von СЗЧ richtet sich nach Artikel 401 des ukrainischen Strafgesetzbuchs; Teil 5 sieht unter bestimmten Bedingungen während des Kriegsrechts eine Strafbefreiung vor. Army+ ist die offizielle ukrainische Militäranwendung für Self-Service-Funktionen einschließlich der Rapporteinreichung.