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Polen führt Positividentifikation für Militärflugzeuge ein – Abschuss ohne Sichtkontakt möglich

Der polnische Vizeminister für Nationale Verteidigung Cezary Tomczyk hat am 28. September in Dęblin angekündigt, dass Polen die Regeln für den Einsatz seiner Militärluftfahrt ändert. Künftig dürfen Piloten und Einsatzkommandeure ausländische Luftobjekte auch ohne Sichtkontakt auf Grundlage von Radardaten und anderen Hinweisen abschießen. Die bisher für den Frieden geltende Pflicht zur visuellen Identifizierung wird durch die sogenannte Positividentifikation ersetzt.

Das Wichtigste

  • Ankündigung am 28. September in Dęblin (Südostpolen) durch Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk.
  • Friedensregel der Sichtidentifizierung wird durch „Positividentifikation" ersetzt.
  • Piloten und Einsatzkommandeure dürfen auf Basis von Radardaten und weiteren Indikatoren den Abschuss eines Luftobjekts anordnen – ohne Sichtkontakt.
  • Bislang war die Positividentifikation Kriegszeiten und Notständen vorbehalten.
  • Entscheidung getroffen vom Kommandeur des Operativen Kommandos der polnischen Streitkräfte, General Ireneusz Nowak.
  • Tomczyk bezeichnete die Änderung als Neuheit innerhalb der gesamten NATO.
  • Begründung: Polen sieht sich täglich der Möglichkeit von Drohneneinflügen in sein Hoheitsgebiet ausgesetzt.

Warum es wichtig ist

Mit der Umstellung auf Positividentifikation weicht Polen von einer jahrzehntelangen NATO-Praxis ab, die den Abschuss eines Luftziels im Frieden grundsätzlich an die visuelle Bestätigung band. Damit verkürzt sich die Reaktionszeit gegen Drohnen und Raketen aus Richtung Russland erheblich – ein deutliches Signal an Moskau und zugleich ein Präzedenzfall innerhalb des Bündnisses.

Was geschehen ist

Am 28. September gab der polnische Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk am Militärflugplatz Dęblin bekannt, dass Polen die Regeln für das militärische Engagement in der Luft grundlegend ändert. Anlass war die Unterzeichnung einer Vereinbarung mit GE Aerospace über die Wartung von Triebwerken im Militärluftfahrtwerk Nr. 1 im Rahmen des Beschaffungsprogramms für Hubschrauber vom Typ AH-64 Apache.

Bisher mussten polnische Piloten ein Luftobjekt im Frieden visuell identifizieren, bevor sie es abschießen durften – eine Regel, die Fehler wie die Verwechslung mit einem zivilen Flugzeug oder einem verbündeten Kampfjet verhindern sollte. Künftig genügen Radar- und andere Systemdaten sowie Hinweise wie der Eintritt in eine Flugverbotszone oder Informationen von ukrainischer Seite, um den Abschuss eines Luftobjekts zu autorisieren.

Die Entscheidung über die neuen Prozeduren wurde vom Kommandeur des Operativen Kommandos der polnischen Streitkräfte, General Ireneusz Nowak, getroffen. Eingeführt werden sie schrittweise; die Öffentlichkeit wird über den Sprecher des Operativen Kommandos informiert.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Schreibweise des Namens der stellvertretenden polnischen Verteidigungsministerin variiert zwischen den Quellen: 'Sobkowiak-Czarniecka' in einigen Artikeln, 'Sobkiewicz-Czarnecka' in anderen. Beide Varianten beziehen sich auf dieselbe Person.

Hintergrund

Die Umstellung erfolgt vor dem Hintergrund mehrerer Vorfälle: Am 16. September waren polnische Kampfjets während eines russischen Drohnenangriffs auf die Ukraine aufgestiegen und der Flugbetrieb an den Flughäfen Lublin und Rzeszów-Jasionka vorübergehend eingestellt worden. Am 23. September drang ein russischer Mi-8-Hubschrauber aus dem Kaliningrader Gebiet kurzzeitig nordöstlich von Braniewo in den polnischen Luftraum ein – etwa 300 Meter tief und 42 Sekunden lang. Am 24. September mussten die Grenzübergänge Hrubieszów und Dorohusk nach einem russischen Angriff nahe der polnischen Grenze evakuiert werden; ab dem 25. September verteilte die polnische Regierung Verhaltensanweisungen für Luftangriffe an die Bevölkerung. Polen hatte zudem Militärpersonal zur Bewachung von sechs Grenzübergängen zur Ukraine (Zosin, Medyka, Krościenko, Dorohusk, Budomierz, Korczowa) abgestellt. Separat schlug Vizeverteidigungsministerin Magdalena Sobkowiak-Czarniecka vor, bei einer US-Lizenz für die Patriot-Produktion durch die Ukraine eine Fabrik auf polnischem Boden zu errichten.