Ukraine steigert US-LNG-Importe nach Angriffen auf eigene Gasförderung
Angesichts der russischen Angriffe auf ukrainische Gasförderanlagen, die bis zu 60 % der Produktionskapazität zerstörten, hat Naftohas seine Importstrategie grundlegend überarbeitet. Die Ukraine kauft nun verstärkt US-Flüssigerdgas über vier Korridore und entwickelt sich zum am schnellsten wachsenden europäischen Abnehmer amerikanischen LNGs.
Das Wichtigste
- Russische Angriffe 2025 auf die ukrainische Gasproduktion zerstörten bis zu 60 % der Kapazitäten.
- Die Ukraine kaufte 2024 kein amerikanisches LNG ein.
- Allein im ersten Quartal 2026 kontrahierte die Ukraine 381 Millionen Kubikmeter US-LNG.
- Im Gesamtjahr 2025 waren es etwa 456 Millionen Kubikmeter US-LNG.
- Naftohas richtete vier Importrouten für US-LNG ein: Świnoujście (Polen/Orlen), Klaipėda (Litauen/Ignitis), Mukran (Deutschland) und Revithoussa (Griechenland).
- Der "Vertikale Gaskorridor" verläuft durch Bulgarien und Rumänien und genießt die Unterstützung der Trump-Administration.
- Die ukrainischen Untergrundspeicher mit über 30 Milliarden Kubikmetern Kapazität könnten als Verteilerknoten für US-LNG in Mittel- und Osteuropa dienen.
Warum es wichtig ist
Der Wandel markiert eine strukturelle Abkehr der Ukraine von eigener Gasförderung hin zu amerikanischen Importen – eine direkte Folge des russischen Angriffs auf die heimische Energieinfrastruktur. Mit ihren großen Untergrundspeichern an der EU-Grenze könnte die Ukraine zum zentralen Verteilknoten für US-Gas in Mittel- und Osteuropa werden, was ihre energiepolitische Rolle neu definiert.
Was geschehen ist
Russische Angriffe auf ukrainische Gasförderanlagen zerstörten 2025 bis zu 60 Prozent der heimischen Produktionskapazität. Naftohas, der staatliche Energiekonzern, sah sich dadurch gezwungen, seine Importstrategie grundlegend zu überarbeiten. 2024 hatte die Ukraine noch kein amerikanisches LNG importiert; im ersten Quartal 2026 allein kontrahierte sie 381 Millionen Kubikmeter US-LNG, nachdem 2025 bereits rund 456 Millionen Kubikmeter vertraglich gebunden worden waren. Damit gehört die Ukraine zu den europäischen Abnehmern mit den am schnellsten wachsenden Importraten. Naftohas baute vier separate Importrouten auf: den polnischen Terminal in Świnoujście mit Orlen, den litauischen Terminal in Klaipėda mit Ignitis, einen schwimmenden Terminal in Mukran in Deutschland und den griechischen Terminal in Revithoussa. Der Vertikale Gaskorridor, der durch Bulgarien und Rumänien nach Süden verläuft, erhält ausdrückliche Unterstützung der Trump-Administration. Serhij Fedorenko, seit Juli 2026 amtierender Generaldirektor von Naftohas, hatte zuvor bereits eine Schlüsselrolle beim Ausbau der LNG-Importe und der Zusammenarbeit mit Partnern aus den USA, Polen, Litauen und Griechenland gespielt.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainische Berichterstattung rahmt den Wechsel zu amerikanischem LNG als direkte Folge der russischen Angriffe auf die heimische Gasproduktionsinfrastruktur. Die strategische Neuorientierung von Naftohas wird als notwendige Antwort auf die Zerstörung der Energiegrundlage des Landes dargestellt. Gleichzeitig wird die wachsende Rolle der Ukraine als Energieknotenpunkt für Mittel- und Osteuropa hervorgehoben – unterstützt durch die Drei-Meere-Initiative mit 13 Staaten von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, die ursprünglich während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump ins Leben gerufen wurde.
Hintergrund
Die russischen Angriffe auf die zivile Infrastruktur der Ukraine haben sich in den letzten Jahren intensiviert. Vor diesem Hintergrund diversifiziert die Ukraine ihre Energieimporte und baut ihre Untergrundspeicherkapazitäten als strategischen Vorteil aus. Die Drei-Meere-Initiative, ein Zusammenschluss von 13 Staaten zwischen Ostsee, Adria und Schwarzem Meer, verfolgt das Ziel einer neuen Energieinfrastruktur für Mittel- und Osteuropa und wurde bereits während der ersten Trump-Administration gestartet.