Ukraine füllt Gasspeicher auf 16 Milliarden Kubikmeter – höchster Stand seit 2020
Die ukrainischen unterirdischen Gasspeicher halten vor dem Winter 16 Milliarden Kubikmeter Gas – so viel wie seit 2020 nicht mehr. Der amtierende Leiter von Naftogaz, Serhij Fedorenko, sieht sich zugleich einer deutlich gestiegenen Zahl russischer Angriffe auf Energieanlagen ausgesetzt.
Das Wichtigste
- 16 Mrd. Kubikmeter Gas in ukrainischen Untergrundspeichern – höchster Stand seit 2020
- Amtierender Naftogaz-Leiter Serhij Fedorenko informierte Reuters
- Seit Jahresbeginn über 400 russische Angriffe auf Naftogaz-Anlagen – doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2025
- Letzte Heizperiode begann mit Reserven unter 14 Mrd. Kubikmeter; Regierung nennt 13,2 Mrd. als Mindestbedarf
- Naftogaz hat für diese Saison über 1 Mrd. Kubikmeter kontrahiert, ein Viertel davon LNG
- Ukraine importiert seit 2015 kein russisches Gas direkt, hauptsächlich über Polen, die Slowakei und Ungarn
- Kiew bietet der EU rund ein Drittel seiner Speicherkapazität (gesamt ca. 30 Mrd. Kubikmeter) für europäische Reserven an
Warum es wichtig ist
Mit Reserven über der von der Regierung genannten Schwelle von 13,2 Mrd. Kubikmeter hat die Ukraine vor dem Winter einen stärkeren Puffer als in der Vorsaison. Gleichzeitig meldet Naftogaz eine Verdopplung der russischen Angriffe auf eigene Anlagen gegenüber dem gesamten Jahr 2025, was das Risiko von Versorgungsunterbrechungen erhöht. Die frühere und breitere Beschaffung – über 1 Mrd. Kubikmeter bereits kontrahiert, ein Viertel davon – sowie das Angebot an die EU, rund ein Drittel der größten Untergrundspeicherkapazität Europas zu nutzen, machen ukrainische Speicher zu einem regionalen Aktivposten in einer Phase, in der die EU-Speicher den niedrigsten Füllstand seit 2011 aufweisen. Der Einbruch der Industrieproduktion, vor allem in der Metallurgie (–48,6 % im August im Jahresvergleich), verdeutlicht die wirtschaftlichen Folgen der Angriffe auf die Energieinfrastruktur.
Was geschehen ist
Kurz vor Beginn der Heizperiode melden ukrainische Untergrundspeicher 16 Mrd. Kubikmeter Gas – so viel wie seit 2020 nicht mehr. Der amtierende Naftogaz-Chef Serhij Fedorenko bezifferte die Lage gegenüber Reuters und verwies zugleich auf die verschärfte Bedrohung: Seit Jahresbeginn habe Russland Naftogaz-Anlagen mehr als 400-mal angegriffen, doppelt so häufig wie im gesamten Jahr 2025. Die Angriffe trafen Förder-, Verarbeitungs- und Transportanlagen sowie Wärmekraftwerke in Frontgebieten. Die Regierung gibt den Mindestbedarf für den Winter mit 13,2 Mrd. Kubikmeter an; die Vorsaison begann mit Reserven unter 14 Mrd. Letzten Winter musste Naftogaz nach starken Frösten und Angriffen auf Speicher mit 7,8 Mrd. Kubikmeter rekordhoch Gas importieren. Für die laufende Saison hat der Konzern Importe früher als sonst eingeleitet und bereits über 1 Mrd. Kubikmeter kontrahiert; ein Viertel davon ist LNG, Lieferungen laufen teils von Dezember bis März. Importe kommen über Polen, die Slowakei und Ungarn; direkter russischer Gaskauf erfolgt seit 2015 nicht mehr. Kiew hat der EU angeboten, rund ein Drittel der Gesamtspeicherkapazität von etwa 30 Mrd. Kubikmetern für europäische Reserven zu nutzen – Speicher, die nach Naftogaz-Angaben in über einem Kilometer Tiefe vor Angriffen geschützt sind und den niedrigsten Speichertarif in der EU haben.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainischen Quellen rahmen die Lage als Erfolg der heimischen Energievorsorge. Sie betonen, dass die Reserven über dem von der Regierung genannten Schwellenwert liegen, und zitieren Naftogaz zur Zahl russischer Angriffe und zu Schutzmaßnahmen. Hervorgehoben wird zudem, dass Naftogaz Importe früher als sonst kontrahiert hat und ein Viertel davon LNG ist – als Zeichen aktiver Vorbereitung statt Krise.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Der Reuters-Bericht, auf den sich die ukrainischen Medien stützen, bettet den Speicherstand in den weiteren Kriegskontext ein und bezeichnet die kommende Heizperiode als möglicherweise schwierigste in knapp fünf Jahren Vollinvasion wegen der intensivierten russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur. Er rückt die europäische Dimension in den Vordergrund: das Angebot an die EU, ukrainische Speicher mitzunutzen, den Tiefenschutz dieser Anlagen und den Vergleich mit den niedrigsten EU-Speicherständen seit 2011.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die ukrainischen Quellen geben Fedorenkos Aussage zu Schutzmaßnahmen in zwei leicht abweichenden Formulierungen wieder: Eine Fassung lautet „Wir verstärken den Schutz und graben uns ein“, die andere verkürzt auf „Wir verstärken den Schutz“.
Hintergrund
Die Ukraine verfügt mit rund 30 Mrd. Kubikmetern über die größten unterirdischen Gasspeicherkapazitäten Europas; die Lager liegen tiefer als ein Kilometer unter der Erde und sind nach Angaben von Naftogaz gegen Angriffe geschützt. Direktes russisches Gas wird seit 2015 nicht mehr gekauft; Importe laufen vor allem über Polen, die Slowakei und Ungarn. Im vergangenen Winter musste Naftogaz nach starken Frösten und Angriffen auf Speicher mit 7,8 Mrd. Kubikmetern rekordhoch Gas importieren; die Heizperiode 2025/26 startete mit Reserven unter 14 Mrd. Kubikmetern. Die EU-Länder gehen mit Speicherständen von knapp unter 70 % in den Winter – dem niedrigsten Niveau seit 2011; ein mögliches Winterdefizit in der EU wird auf bis zu 14 Mrd. Kubikmeter geschätzt. Fedorenko schätzt den ukrainischen Gasverbrauch 2026 auf rund 20 Mrd. Kubikmeter (2025: rund 21 Mrd.), betont aber, dass Prognosen unter Kriegsbedingungen schwierig seien.