Berater Selenskyjs: Russland könnte Drohnen-Steuerung in Kiew mit MESH-Repeatern ermöglichen
Der ukrainische Präsidialberater für Technologie, Serhij „Flash" Beskrestnow, hat am 3. Oktober die Hypothese aufgestellt, dass Russland in Kiew möglicherweise ein bis drei MESH-Funkretransmitter betreibt, um „Schahed"-Drohnen während Angriffen online zu korrigieren. Eine unabhängige Bestätigung für die Hypothese gibt es nicht. Beskrestnow warnte, dass solange solche Geräte aktiv seien, elektronische Störungen die Stadt nicht wirksam schützen könnten und auch Luftabwehrstellungen zum Ziel würden.
Das Wichtigste
- Beskrestnow schätzte, dass in Kiew ein bis drei MESH-Repeater arbeiten könnten
- Ohne Aufspüren dieser Geräte seien elektronische Störmaßnahmen gegen die Drohnen in Kiew wirkungslos
- Als Argument nannte er den Angriff auf das SBU-Gebäude, bei dem nach seiner Analyse keine anderen „Schaheds" als Relais in der Luft waren
- Der Präsidialberater warnte, auch nahe Luftabwehrstellungen könnten getroffen werden, solange eine Online-Steuerung der Drohnen bestehe
- Am 1. und 2. Oktober trafen russische Drohnen die Südbrücke in Kiew und beschädigten Fahrbahn, Brückenpfeiler, Leitplanke und die Schutzhülle der Metro
- Am 3. Oktober wurde die Nordbrücke in Kiew angegriffen, die Fahrbahn wurde beschädigt
- In der Nacht zum 3. Oktober griff Russland die Ukraine mit 157 Drohnen an; Treffer wurden an 12 Orten registriert
Warum es wichtig ist
Sollte sich die Hypothese bestätigen, verfügte Russland über eine ortsgebundene Kommunikations-Infrastruktur innerhalb der ukrainischen Hauptstadt, mit der „Schahed"-Angriffe in Echtzeit korrigiert werden könnten. Das würde sowohl die Wirkung elektronischer Störungen aufheben als auch das Spektrum möglicher Ziele – neben Brücken auch Luftabwehrstellungen – erweitern. Angesichts der jüngsten Präzisionsschläge auf Kiewer Brücken sind die Folgen für den Schutz der Hauptstadt unmittelbar.
Was geschehen ist
Der Berater des ukrainischen Präsidenten für Technologieentwicklung, Serhij „Flash" Beskrestnow, veröffentlichte am 3. Oktober auf Facebook die Hypothese, Russland könne in Kiew über ein bis drei MESH-Funkretransmitter eine Online-Steuerung und Korrektur von „Schahed"-Drohnen ermöglichen. Er begründete dies unter anderem mit dem Angriff auf das SBU-Gebäude, bei dem nach seiner Analyse keine anderen „Schaheds" als Luftrelais zur Verfügung standen. Ohne Aufspüren dieser Geräte blieben elektronische Störmaßnahmen wirkungslos; bei aktiver Online-Steuerung seien neben Brücken auch nahe Luftabwehrstellungen gefährdet. Fachleute, die Drohnentrümmer untersuchten, hätten bislang keine alternativen Kommunikationsmittel wie LTE oder „Рассвєт" gefunden. Eine unabhängige Bestätigung der Hypothese gibt es nicht; Beskrestnow selbst stufte sie als technischen Befund ein, der sich als falsch erweisen könne. In der Nacht zum 3. Oktober griff Russland die Ukraine nach diesen Angaben mit 157 Drohnen an; am 1. und 2. Oktober waren bei Drohnentreffern auf die Südbrücke in Kiew Fahrbahn, ein Pfeiler, die Leitplanke und die Schutzbetondecke der Metro beschädigt worden, am 3. Oktober die Fahrbahn der Nordbrücke.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle vorliegenden Quellen sind ukrainisch und rahmen die Geschichte als technische Warnung eines Präsidialberaters vor einer möglichen neuen russischen Fähigkeit, mit der Präzisionsschläge in Kiew ermöglicht würden. Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen auf den Schutz der Kiewer Brücken und der Luftabwehr sowie die Grenzen elektronischer Gegenmaßnahmen. Die Quellen betonen übereinstimmend, dass es sich um Beskrestnows persönlichen technischen Befund handelt und keine unabhängige Bestätigung vorliegt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen geben die Zahl der Drohnenangriffe auf die Südbrücke am 1. und 2. Oktober unterschiedlich wieder: Einige Berichte nennen keine konkrete Anzahl, eine Quelle spricht von drei (oder vier) Angriffen. Zudem datiert nur ein Artikel den von Beskrestnow als Beleg angeführten Angriff auf das SBU-Gebäude auf den 4. September; die übrigen Quellen geben kein Datum an.
Hintergrund
Im Herbst 2025 erläuterte „Flash", dass eine Drohnensteuerung über MESH-Netzwerke eine dynamische Kette gegenseitiger Relais erzeugt, in der Datenpakete um ausgefallene Verbindungen herumgeleitet werden. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am 28. September mitgeteilt, dass die ukrainische Luftabwehr bei massiven Angriffen rund 70 Prozent der Drohnen und 57 Prozent der düsengetriebenen Drohnen abschießt; am 29. September sprach er von ersten Waffenprototypen gegen düsengetriebene „Schaheds". Kürzlich wurde nach diesen Angaben ein düsengetriebener „Schahed" gefilmt, der gleichzeitig als Signalretransmitter für eine „Geran-5"-Drohne das Geschäftszentrum Incom in Kiew traf. Selenskyj hatte zuvor zudem über Retransmitter auf belarussischem Gebiet berichtet; Ende Juni hieß es, diese seien außer Betrieb, im September wurden sie nach Angaben von Grenzschützern wieder aktiviert.