Fall Hroza: Anklage wegen Raketenangriffs auf Café mit 59 Toten vor Gericht gebracht
Der Fall um den russischen Iskander-M-Raketenangriff auf das Café „Sputnik" im Dorf Hroza, Oblast Charkiw, bei dem am 5. Oktober 2023 59 Menschen getötet wurden, ist vor Gericht gebracht worden. Sieben Beschuldigte – zwei Brüder aus dem Dorf und fünf russische Militärs – sollen in absentia angeklagt werden.
Das Wichtigste
- Der Angriff auf das Café „Sputnik" in Hroza ereignete sich am 5. Oktober 2023 während eines Gedenkmittagessens nach der Wiederbestattung eines ukrainischen Soldaten.
- 59 Menschen wurden getötet, darunter ein Kind; fünf weitere wurden verletzt.
- Zwei Brüder, Wolodymyr und Dmytro Mamon, ehemalige Einwohner von Hroza, sollen Koordinaten und Zeitpunkt des Mittagessens an die russische Seite übermittelt haben.
- Fünf russische Militärangehörige werden beschuldigt, darunter der Kommandeur der 119. Raketenbrigee der 41. Gardearmee, dessen Untergebene die ballistische Rakete abfeuerten.
- Alle sieben Angeklagten befinden sich auf der Flucht und werden in absentia vor dem Industriebezirksgericht Charkiw angeklagt.
- Die Voruntersuchung umfasste 3D-Scans, Analyse von Raketentrümmern, Rekonstruktion der Flugroute und mehr als 270 forensische Untersuchungen über rund drei Jahre.
Warum es wichtig ist
Der Angriff tötete 59 Zivilisten – rund ein Sechstel der etwa 300 Vorkriegs-Einwohner des Dorfes –, die sich zu einem Gedenkmittagessen versammelt hatten, und gehört damit zu den tödlichsten einzelnen Angriffen auf ukrainische Zivilisten im Jahr 2023. Die Anklage benennt sowohl russische Militärs entlang der Befehlskette als auch lokale Kollaborateure und ordnet jedem eine konkrete Rolle bei Vorbereitung und Ausführung zu. Es ist einer der seltenen Fälle, in denen eine bestimmte russische Einheit – die 119. Raketenbrigee – öffentlich mit einem Angriff auf Zivilisten in Verbindung gebracht wird.
Was geschehen ist
Am 5. Oktober 2023 schlug eine russische Iskander-M-Ballistikrakete in das Café „Sputnik" im Dorf Hroza, Oblast Charkiw, ein, während dort ein Gedenkmittagessen nach der Wiederbestattung eines ukrainischen Soldaten stattfand. 59 Menschen wurden getötet, darunter ein Kind, fünf weitere wurden verletzt. Die 6. bis 8. Oktober 2023 wurden in der Oblast Charkiw zu Trauertagen erklärt.
Nach rund dreijähriger Voruntersuchung hat die SBU-Abteilung der Oblast Charkiw den Fall in Abstimmung mit der Generalstaatsanwaltschaft und dem Hauptnachrichtendienst des Verteidigungsministeriums an das Industriebezirksgericht Charkiw übergeben. Angeklagt werden sieben Personen in absentia: die Brüder Wolodymyr und Dmytro Mamon, ehemalige Einwohner von Hroza, die während der Besetzung des Dorfes Schewtschenkowe im Rajon Kupjansk mit russischen Streitkräften kooperiert und später die Koordinaten des Cafés sowie den Zeitpunkt des Mittagessens übermittelt haben sollen, sowie fünf Angehörige der russischen Militärführung. Gegen die fünf russischen Militärs wird wegen Verletzung der Gesetze und Gebräuche des Krieges in Verbindung mit vorsätzlichem Mord durch eine Gruppe auf vorherige Absprache ermittelt (Teil 2 Artikel 438 des ukrainischen Strafgesetzbuchs). Die Brüder sind zusätzlich wegen Beihilfe zum Kriegsverbrechen (Teil 5 Artikel 27 in Verbindung mit Teil 2 Artikel 438) sowie wegen Hochverrats unter Kriegsrecht durch eine Gruppe auf vorherige Absprache (Teil 2 Artikel 28 in Verbindung mit Teil 2 Artikel 111) angeklagt.
Die fünf russischen Beschuldigten sind konkreten Rollen zugeordnet: dem Leiter des Aufklärungs- und Kontrollzentrums für feindliche Feuerschäden, dem Leiter des gemeinsamen Planungs- und Koordinierungszentrums für Feuerschäden, dem Stabschef – ersten stellvertretenden Kommandeur der gemeinsamen Truppengruppierung, der die endgültige Angriffsentscheidung traf, dem Chef der Raketentruppen und Artillerie sowie dem Kommandeur der 119. Raketenbrigee der 41. Gardearmee des Zentralen Militärbezirks, dessen Untergebene die Rakete abfeuerten. Im Rahmen der Voruntersuchung wurden der Tatort mit 3D-Scanning erfasst, Raketentrümmer untersucht, Flugroute und Startpunkt rekonstruiert und mehr als 270 forensische Gutachten erstellt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen widersprechen sich beim Alter des getöteten Kindes: Einige Berichte – darunter die erste Todesbilanz vom 5. Oktober 2023 – geben sechs Jahre an, andere acht Jahre.
Hintergrund
Der Angriff ereignete sich während eines Gedenkmittagessens (pomenalnyj obid) im Café „Sputnik" in Hroza nach der Wiederbestattung eines ukrainischen Soldaten. Die 6. bis 8. Oktober 2023 wurden in der Oblast Charkiw zu Trauertagen erklärt. Die beiden zivilen Angeklagten – die Brüder Wolodymyr und Dmytro Mamon, ehemalige Einwohner von Hroza – sollen während der Besetzung von Schewtschenkowe im Rajon Kupjansk mit russischen Streitkräften kooperiert und vor ihrer Flucht nach Russland die Koordinaten des Cafés und den Zeitpunkt des Mittagessens übermittelt haben. Die fünf russischen Militärangehörigen sind konkreten Rollen in der Befehlskette zugeordnet, darunter der Kommandeur der 119. Raketenbrigee der 41. Gardearmee des Zentralen Militärbezirks, dessen Untergebene die ballistische Rakete abfeuerten. Die Voruntersuchung wurde von der SBU-Abteilung der Oblast Charkiw in Abstimmung mit der Generalstaatsanwaltschaft und dem Hauptnachrichtendienst des Verteidigungsministeriums geführt. Verhandelt wird der Fall vor dem Industriebezirksgericht Charkiw.