Dragon Capital rechnet für Ukraine nun mit Rezession 2026 und 2027
Die ukrainische Investmentbank Dragon Capital hat ihren Konjunkturausblick für die Ukraine deutlich gesenkt. Angesichts der seit Juli 2026 eskalierten russischen Angriffe auf Häfen, Metallurgie, Industrie und Energieinfrastruktur erwartet sie für 2026 ein Schrumpfen des realen BIP um 0,5 % und für 2027 um 1,0 %. Der Außenhandelsdefizit-Rekord, steigende Inflation und eine Finanzierungslücke von 30–35 Mrd. US-Dollar für 2027 verschärfen die Lage.
Das Wichtigste
- Reales BIP 2026: -0,5 %, 2027: -1,0 % (zuvor +1,5 % bzw. +0,5 % erwartet)
- Blockade der Schwarzmeerhäfen könnte BIP-Verlust von 2,2 % verursachen, plus 1,5 % durch Stillstand von Stahl- und Eisenerzproduktion
- Metallurgische Werke wegen ballistischer Angriffe und Androhung weiterer Schläge außer Betrieb; Güterverkehr über Schwarzmeerhäfen faktisch eingestellt
- Angriffe auf Energieinfrastruktur weit vor Beginn der Heizsaison; laut Dragon Capital wirtschaftliche Folgen womöglich schlimmer als zuvor angenommen
- Außenhandelsdefizit 2026 voraussichtlich Rekordwert von 71 Mrd. US-Dollar (31 % des BIP); Jahresend-Inflation 2026 auf 10 % nach oben korrigiert
- Bis Ende September 2026 nur rund 22 Mrd. US-Dollar von verfügbaren 50 Mrd. US-Dollar an externer Budgetfinanzierung eingegangen; für 2027 werden weitere 30–35 Mrd. US-Dollar benötigt
- Ein neues 'Getreidekorridor'-Abkommen könnte BIP-Verluste um 1,5 Prozentpunkte auf 0,7 % verringern; ein breiteres 'Energieabkommen' hält Dragon Capital für unwahrscheinlich
Warum es wichtig ist
Dragon Capital hat seine Prognose innerhalb weniger Wochen um 2 Prozentpunkte nach unten korrigiert – von einem Wachstum von 1,5 % in 2026 zu einer Rezession von 0,5 %. Die Schwarzmeerblockade allein kostet die Wirtschaft geschätzt 2,2 % des BIP, die zudem durch den Produktionsstillstand in der Stahl- und Eisenerzbranche um weitere 1,5 % wachsen. Gleichzeitig steigt die Inflation, das Außenhandelsdefizit erreicht einen Rekordwert, und die Ukraine benötigt für 2027 zusätzliche 30–35 Mrd. US-Dollar an externer Finanzierung.
Was geschehen ist
Die Investmentbank Dragon Capital hat ihren makroökonomischen Ausblick für die Ukraine drastisch gesenkt. Für 2026 erwartet sie nun einen Rückgang des realen BIP um 0,5 %, für 2027 um 1,0 %. Hintergrund ist die seit Juli 2026 anhaltende Eskalation russischer Angriffe. Dadurch kam der Güterverkehr über die Schwarzmeerhäfen praktisch zum Erliegen, metallurgische Werke mussten wegen ballistischer Treffer und der Androhung weiterer Schläge die Produktion stoppen. Beschädigungen an Lagern, Logistikzentren, Produktionsanlagen, Eisenbahnwaggons und Energieinfrastruktur verursachten regionale Versorgungsengpässe und dürften laut Bank auch die Energieversorgung in der kommenden Heizsaison erheblich belasten. Den größten einzelnen Effekt auf das BIP hat laut Dragon Capital die Blockade der Schwarzmeerhäfen (minus 2,2 %), gefolgt vom Produktionsstillstand in Stahl und Eisenerz (minus 1,5 %). Sollte ein neues 'Getreidekorridor'-Abkommen noch vor der Frühjahrssaat zustande kommen, könnten sich die Hafenverluste um 1,5 Prozentpunkte auf 0,7 % reduzieren.
Hintergrund
Bereits Anfang August 2026 hatte Dragon Capital seine Wachstumsprognose für 2026 um 0,5 Prozentpunkte auf 1,0 % gesenkt. Die damalige Annahme von +1,5 % (2026) und +0,5 % (2027) wurde durch die jüngste Eskalation vollständig revidiert. Die Bank geht davon aus, dass die ukrainische Luftabfolge mit der Zeit besser gegen Jet-Drohnen vorgehen kann, der Mangel an Abfangraketen für ballistische Raketen jedoch bestehen bleibt. Der erwartete negative BIP-Effekt soll teilweise durch höhere Verteidigungsausgaben und die Produktion des heimischen Rüstungsindustriekomplexes abgefedert werden – vorausgesetzt, die Ukraine erhält die zugesagten externen Mittel und die Partner stellen 2027 zusätzliche Unterstützung bereit. Die Regierung hat derweil nicht-kritische Ausgaben gekürzt und bei der Mehrwertsteuererstattung für Exporteure kommt es zu Verzögerungen. Von den rund 50 Mrd. US-Dollar an verfügbaren konzessionären und Zuschussmitteln aus internationalen Programmen (ohne den Verteidigungsanteil des Ukraine Support Loan) waren bis Ende September 2026 erst etwa 22 Mrd. US-Dollar eingegangen.