Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Ukraine: Agrarminister warnt vor Liquiditätskrise der Bauern wegen blockierter Schwarzmeerexporte

Der ukrainische Agrarminister Taras Wysotsky warnt, dass den ukrainischen Landwirten das Geld ausgeht und im Frühjahr eine noch schärfere Finanzkrise drohen könnte. Grund sei die anhaltende Blockade der Schwarzmeerexporte durch Russland. Die EU-Kommission habe eine Hilfsanfrage über 220 Millionen Euro abgelehnt; stattdessen sei ein zinsgünstiges Darlehen der Weltbank über 250 Millionen Dollar geplant.

Das Wichtigste

  • Ukraine hat die EU-Kommission um 220 Mio. Euro (250 Mio. Dollar) zur Unterstützung von Landwirten gebeten, die durch russische Angriffe auf Hafeninfrastruktur Verluste erlitten haben.
  • Die EU-Kommission hat diese Anfrage abgelehnt.
  • Stattdessen ist ein zinsgünstiges Weltbank-Darlehen über 250 Mio. Dollar vorgesehen, das laut Minister Wysotsky bis Anfang nächsten Jahres reichen soll.
  • Über alternative Routen kann die Ukraine derzeit rund 45 % des benötigten Agrarvolumens exportieren; maximal 50 % seien möglich.
  • Getreide- und Hülsenfruchtbestände beliefen sich am 1. September auf 24,6 Mio. Tonnen – 10,1 Mio. Tonnen mehr als im Vorjahreszeitraum.
  • Vysotsky erklärte, Russland habe alle Vorschläge für eine Waffenruhe oder einen Verzicht auf Angriffe im Schwarzen Meer zur Wiederaufnahme der Getreideausfuhr abgelehnt.
  • Im Marketingjahr besteht laut Schätzungen das Risiko, dass rund 30 Mio. Tonnen Agrarprodukte nicht exportiert werden können.

Warum es wichtig ist

Die Landwirtschaft ist ein zentraler Pfeiler der ukrainischen Wirtschaft und eine wichtige Quelle für Exporteinnahmen. Eine Liquiditätskrise unter den Landwirten hätte daher weitreichende wirtschaftliche Folgen und könnte sich auf die Frühjahrsbestellung sowie künftige Ernten und die Lebensmittelversorgung auswirken. Die anhaltende Blockade der Schwarzmeerkorridore schränkt die Exportkapazität weiter ein und verstärkt die Abhängigkeit von teureren Alternativrouten.

Was geschehen ist

Der ukrainische Minister für Agrarpolitik und Ernährung, Taras Wysotsky, schilderte in einem Interview mit Bloomberg die finanzielle Lage der ukrainischen Landwirte. Demnach reichen die verfügbaren Mittel etwa bis Jahresende; im Frühjahr drohe eine deutlich schärfere Finanzknappheit, sollten die Schwarzmeerexporte weiter blockiert bleiben. Die EU-Kommission habe eine ukrainische Anfrage über 220 Millionen Euro zur Unterstützung der Landwirte abgelehnt; vorgesehen sei nun ein zinsgünstiges Weltbank-Darlehen über 250 Millionen Dollar. Über alternative Exportrouten könnten derzeit rund 45 Prozent des benötigten Volumens ausgeführt werden, maximal 50 Prozent. Wysotsky erklärte zudem, Russland habe sämtliche Vermittlungsvorschläge für eine Waffenruhe oder einen Angriffsverzicht im Schwarzen Meer zwecks Wiederaufnahme der Getreideausfuhr zurückgewiesen. Die Getreide- und Hülsenfruchtbestände lagen am 1. September bei 24,6 Millionen Tonnen – 10,1 Millionen Tonnen über dem Vorjahreswert.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die Berichterstattung in ukrainischen Medien rahmt die Lage als heraufziehende Krise und stellt die Warnungen des eigenen Agrarministers in den Mittelpunkt. Betont wird der Zusammenhang mit der russischen Weigerung, eine Wiederaufnahme der Schwarzmeerexporte zuzulassen, sowie die diplomatischen Bemühungen Kyjiws in Brüssel – sowohl die abgelehnte 220-Millionen-Euro-Anfrage als auch die Forderung nach höheren zollfreien Quoten für Bioethanol und Zucker für 2027.

Hintergrund

Über alternative Exportrouten kann die Ukraine rund 45 Prozent des benötigten Agrarvolumens ausführen. Russland hat Vermittlungsvorschläge zur Wiederherstellung der Schwarzmeerexporte zurückgewiesen. Die EU-Kommission lehnte die ukrainische Bitte um 220 Millionen Euro für die Bauern ab; ein zinsgünstiges Weltbank-Darlehen über 250 Millionen Dollar ist stattdessen geplant. Kiew bemüht sich zudem um höhere zollfreie EU-Quoten für Bioethanol und Zucker im Jahr 2027. Die staatliche Unterstützung soll 2027 auf Frontgebieten konzentriert werden, mit Entschädigungen für zerstörte oder nicht eingebrachte Ernten sowie Hilfen für Unternehmensverlagerungen.