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Ukraine bittet EU um 1,1 Milliarden Euro für alternative Getreideexportrouten

Der ukrainische Agrarminister Taras Wysotski hat bei einem Treffen des EU-Agrarrats in Brüssel 1,1 Milliarden Euro zur Unterstützung alternativer Exportrouten für ukrainisches Getreide gefordert. Hintergrund ist die anhaltende Blockade der Schwarzmeer-Häfen und die Erschöpfung der EU-Einfuhrquote für ukrainischen Weizen. Ohne die Hilfe drohen laut ukrainischen Angaben bis zu 30 Millionen Tonnen nicht exportierter Agrarprodukte und Ernteeinbußen bei der Frühjahrsaussaat.

Das Wichtigste

  • Ukraine fordert 1,1 Mrd. Euro zur Deckung zusätzlicher Logistikkosten von bis zu 50 Euro pro Tonne.
  • Die Mittel sollen an europäische Spediteure und Logistikunternehmen fließen, nicht direkt an ukrainische Bauern.
  • Mit der Hilfe könnten laut ukrainischen Schätzungen rund 22 Mio. Tonnen zusätzlich exportiert und 7–8 Mrd. US-Dollar Einnahmen erzielt werden.
  • Bis zu 30 Mio. Tonnen Agrarprodukte im Wert von rund 10 Mrd. US-Dollar könnten laut Angaben unexportiert bleiben.
  • Die Wirtschaft könnte bis zu 5 % des BIP verlieren, Bauern droht eine Verringerung der Aussaatflächen im Frühjahr um 35–40 %.
  • Die EU-Quote von 1,3 Mio. Tonnen für ukrainischen Weizen ist ausgeschöpft; weitere Lieferungen können nur transitieren.
  • Deutschland unterstützte die Suche nach zusätzlichen Logistikrouten und den Ausbau der Solidarity Routes.

Warum es wichtig ist

Die ukrainische Regierung stuft die Lage ihres Agrarsektors als die kritischste seit Beginn der großangelegten Invasion ein. Ohne funktionierende Exportwege könnten laut offiziellen Angaben bis zu 5 % des BIP verloren gehen, die Frühjahrsaussaat um 35–40 % zurückgehen und bis zu 30 Mio. Tonnen Agrarprodukte im Wert von rund 10 Mrd. US-Dollar unexportiert bleiben. Der vorgeschlagene EU-Mechanismus würde die zusätzlichen Logistikkosten abfedern und damit sowohl die Einkommen der ukrainischen Bauern als auch die Lieferungen an traditionelle Märkte in Afrika, dem Nahen Osten und Asien sichern.

Was geschehen ist

Bei einem Treffen am Rande des EU-Agrarrats (AGRIFISH) in Brüssel hat der ukrainische Agrarminister Taras Wysotsky die EU um 1,1 Mrd. Euro zur Unterstützung alternativer Exportrouten für ukrainische Agrarprodukte gebeten. Die Mittel sollen die erhöhten Logistikkosten von bis zu 50 Euro pro Tonne ausgleichen, die beim Transport von Getreide durch EU-Gebiet zu entfernteren europäischen Häfen entstehen. Die Entschädigung ist nicht direkt an ukrainische Bauern, sondern an europäische Spediteure und Logistikunternehmen innerhalb der EU vorgesehen. Nach ukrainischen Schätzungen könnte damit der Export von zusätzlich rund 22 Mio. Tonnen und Einnahmen von 7–8 Mrd. US-Dollar ermöglicht werden. Zugleich machte Wysotsky auf die Folgen einer ausbleibenden Lösung aufmerksam: Bis zu 30 Mio. Tonnen Agrarprodukte im Wert von etwa 10 Mrd. US-Dollar könnten unexportiert bleiben, was die ukrainische Wirtschaft bis zu 5 % des BIP kosten und die Frühjahrsaussaat um 35–40 % verringern könnte. Deutschland sicherte Unterstützung bei der Suche nach zusätzlichen Logistikrouten und beim Ausbau der Solidarity Routes zu.

Hintergrund

Die Tiefseehäfen in Groß-Odessa sind seit Längerem blockiert, wodurch die Ukraine auf alternative Exportwege angewiesen ist. Die EU hat eine Einfuhrquote von 1,3 Mio. Tonnen für ukrainischen Weizen wiedereingeführt; diese Quote ist bereits ausgeschöpft, sodass weitere ukrainische Lieferungen den EU-Markt aus Zolllagern nicht mehr erreichen können, sondern nur noch transitieren. In einem Bloomberg-Interview hatte Wysotsky zuvor erklärt, die ukrainischen Bauern hätten ungefähr bis zum Jahreswechsel genügend Mittel, im Frühjahr werde die Finanzierungslage jedoch noch deutlich angespannter sein.