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Polen und Rumänien lehnen ukrainische Bitte um Hilfe beim Getreideexport ab

Die Ukraine hat Nachbarländer gebeten, beim Export von Getreide über europäische Routen zu helfen, da ihre Schwarzmeerhäfen blockiert sind. Polen und Rumänien haben die Bitte unter Verweis auf die Interessen ihrer eigenen Landwirte abgelehnt. Der ukrainische Agrarpolitik-Minister Taras Wysotsky warnte, die Lage sei „sehr, sehr kritisch“ und bat in Brüssel um 1,1 Milliarden Euro für höhere Transportkosten.

Das Wichtigste

  • Ukraine bat Nachbarländer um Hilfe beim Export von Getreide über Europa, weil die Schwarzmeerhäfen blockiert sind.
  • Polen und Rumänien lehnten die Bitte ab und verwiesen auf die Interessen ihrer eigenen Landwirte.
  • Ukraines Agrarpolitik-Minister Taras Wysotsky reiste nach Brüssel und forderte 1,1 Milliarden Euro zur Deckung erhöhter Transportkosten.
  • Wysotsky bezeichnete die Lage als „sehr, sehr kritisch“.
  • Weniger als die Hälfte der ukrainischen Exporte wird derzeit über europäische Schienen-, Straßen- und Wasserwege abgewickelt.
  • Bleibt die Lage bis zum Frühjahr unverändert, könnten die Aussaatflächen im nächsten Jahr laut Wysotsky um 35–40 % schrumpfen.
  • Bis zu 35 Millionen Tonnen Getreide könnten nach Schätzungen Wysotskys in diesem Jahr in der Ukraine festsitzen.

Warum es wichtig ist

Ukraines Getreideexporte sind durch die Blockade der Schwarzmeerhäfen schwer gestört; die Weigerung der Nachbarländer, alternative Routen auszuweiten, verschärft die Lage. Bleibt das so, fehlt den ukrainischen Landwirten das Geld für die Wintersaat, die Anbauflächen könnten um 35–40 % schrumpfen und bis zu 35 Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine festsitzen — mit Folgen auch für die weltweite Ernährungssicherheit. Der Konflikt verdeutlicht zudem wachsende Spannungen zwischen der Ukraine und einigen EU-Nachbarn über Agrarhandel und Logistikkapazitäten.

Was geschehen ist

Die Ukraine wandte sich an Nachbarländer mit der Bitte, beim Export von Getreide über europäische Routen zu helfen, da die Schwarzmeerhäfen blockiert sind. Das polnische Infrastrukturministerium erklärte, es plane keine Änderungen zur Erhöhung des Transits ukrainischer Agrarprodukte. Der rumänische Agrarminister Barna Tanczos wies die Bitte mit der Begründung zurück, die Interessen der eigenen Landwirte hätten Priorität; zudem seien Straßen, Schienen und Häfen durch den bestehenden Transit und den niedrigen Wasserstand der Donau bereits überlastet. Der ukrainische Agrarpolitik-Minister Taras Wysotsky reiste nach Brüssel, um persönlich bei EU-Amtskollegen um Hilfe zu ersuchen, und forderte 1,1 Milliarden Euro zur Deckung erhöhter Transportkosten. Er warnte, die Lage sei „sehr, sehr kritisch": Geerntetes Getreide und Ölsaaten könnten nicht verkauft werden, was zu Lagerengpässen im Land führe und den Landwirten die Mittel für die Wintersaat entziehe.

Hintergrund

Weniger als die Hälfte der ukrainischen Exporte wird derzeit über europäische Schienen-, Straßen- und Wasserwege abgewickelt. Rumänien unterzeichnete im Vormonat eine Absichtserklärung mit Kiew über vereinfachte Grenzübertritte und den Ausbau von Schienenverbindungen. Polen, die Slowakei und Ungarn haben laut Politico bereits zuvor Importe ukrainischen Getreides verboten. Russland war im Juli 2023 nach einer Explosion an der illegal errichteten Krim-Brücke aus dem Schwarzmeer-Getreideabkommen von 2022 ausgestiegen. Im September starteten die Türkei und die Vereinten Nationen eine neue Initiative zur Wiederbelebung dieses Abkommens; am 1. Oktober berichtete Bloomberg über neue Waffenstillstandsverhandlungen im Schwarzen Meer zwischen der Ukraine und Russland.