Ukraine benötigt für 2027 mehr als 52 Milliarden Dollar an externer Budgetfinanzierung
Der ukrainische Premierminister Serhij Korezkyj hat auf einem Ministerrund Tisch während der Jahrestagungen von IWF und Weltbank mitgeteilt, dass die Ukraine für 2027 mehr als 52 Milliarden US-Dollar an externer Budgetfinanzierung benötigt. Rund 20 Milliarden Dollar sind bereits durch Vereinbarungen mit der EU, dem IWF und Japan gedeckt. Damit bleiben etwa 32,6 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro), die zusätzlich aufzubringen sind. Korezkyj sprach per Videoschalte aus Kyjiw nach einem erneuten russischen Angriff auf die Energieinfrastruktur.
Das Wichtigste
- Externer Budgetfinanzierungsbedarf der Ukraine für 2027: über 52 Mrd. US-Dollar.
- Davon rund 20 Mrd. US-Dollar bereits durch Abkommen mit EU, IWF und Japan gedeckt.
- Weitere 32,6 Mrd. US-Dollar (30 Mrd. Euro) müssen zusätzlich aufgetrieben werden.
- Budgetausgaben für Verteidigung und Sicherheit 2027: fast 44 % des BIP.
- Außerbudgetärer Bedarf der Streitkräfte 2027: geschätzt 45 Mrd. US-Dollar (40 Mrd. Euro).
- EU-Kreditprogramm „Ukraine Support Loan" beläuft sich auf 90 Mrd. Euro für 2026–2027.
- Wegen russischer Angriffe werden die Steuereinnahmen zum Jahresende voraussichtlich rund 1,5 Mrd. US-Dollar niedriger ausfallen als erwartet.
Warum es wichtig ist
Die Zahl beziffert konkret, in welcher Größenordnung externe Unterstützung die Ukraine für 2027 einwirbt, und verknüpft laufende haushaltspolitische Entscheidungen mit der weiteren Auszahlung von Mitteln des IWF, der Weltbank und der EU. Dass Verteidigung und Sicherheit fast 44 % des BIP im Staatshaushalt binden, verdeutlicht die finanzielle Belastung durch den Krieg. Ein zusätzlicher außerbudgetärer Bedarf der Streitkräfte von schätzungsweise 45 Milliarden Dollar zeigt, dass die Lage auch jenseits des Kernhaushalts enorme Mittel erfordert. Der Hinweis auf rückläufige Steuereinnahmen infolge russischer Angriffe macht zudem sichtbar, dass Einnahmen und Ausgaben gleichzeitig unter Druck stehen.
Was geschehen ist
Premierminister Serhij Korezkyj sprach per Videoschalte aus Kyjiw zu einem Ministerrund Tisch am Rande der Jahrestagungen von IWF und Weltbank, unmittelbar nach einem erneuten schweren russischen Angriff auf die Energieinfrastruktur. Er bezifferte den externen Budgetfinanzierungsbedarf der Ukraine für 2027 auf mehr als 52 Milliarden US-Dollar. Etwa 20 Milliarden seien bereits durch Vereinbarungen mit der Europäischen Union, dem Internationalen Währungsfonds und Japan abgedeckt, sodass noch rund 32,6 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) zusätzlich zu beschaffen seien. Für 2027 werde der Staatshaushalt fast 44 % des BIP für Verteidigung und Sicherheit aufwenden; der außerbudgetäre Finanzierungsbedarf der Streitkräfte werde auf etwa 45 Milliarden Dollar (40 Milliarden Euro) geschätzt. Korezkyj verwies zudem auf Steuerausfälle in Höhe von rund 1,5 Milliarden Dollar bis Jahresende, verursacht durch russische Angriffe auf Infrastruktur, Unternehmen und zivile Objekte. In der Woche seiner Stellungnahme sollte die ukrainische Regierung die nötigen Beschlüsse zur Fortführung der Finanzierung fassen; das Parlament sollte die von IWF-, Weltbank- und EU-Programmen vorgesehenen Gesetzentwürfe beraten.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die drei verfügbaren Quellen sind ukrainischsprachig und in der Ukraine veröffentlicht, sodass ausschließlich eine inländische Rahmung vorliegt. Ukrainische Medien stellen die Aussage des Premierministers in den Mittelpunkt und betonen das diplomatische Forum, an dem sie erfolgte – die Jahrestagungen von IWF und Weltbank. Sie rücken sowohl den Gesamtbedarf als auch die noch zu schließende Lücke in den Vordergrund und stellen einen direkten Zusammenhang zwischen russischen Angriffen und den geringeren Steuereinnahmen her.
Wo die Berichte auseinandergehen
In den Schlagzeilen der ukrainischen Quellen variiert die Hervorhebung: Während einige die noch aufzubringenden 32,6 Milliarden Dollar als Hauptzahl nennen, stellen andere die Gesamtgröße des externen Finanzierungsbedarfs von 52 Milliarden Dollar für 2027 in den Mittelpunkt. Beide Größen sind aus denselben Angaben des Premierministers abgeleitet, werden aber redaktionell unterschiedlich gewichtet.
Hintergrund
Das EU-Kreditprogramm „Ukraine Support Loan" umfasst für den Zeitraum 2026–2027 insgesamt 90 Milliarden Euro. Nach Berechnungen von Bloomberg könnte das kumulative ukrainische Finanzierungsdefizit bis 2029 rund 54 Milliarden Dollar erreichen, mit dem größten Loch im Jahr 2027 in Höhe von 30 bis 35 Milliarden Dollar. Bereits Anfang September hatte der Premierminister strenge Sparmaßnahmen im Haushalt angekündigt und dabei rund 70 Milliarden Hrywnja für die Verteidigung umgeschichtet. Die ukrainische Regierung hatte zudem gewarnt, dass ohne die erforderlichen Beschlüsse ein erheblicher Teil der 29,5 Milliarden Dollar an internationaler Hilfe im laufenden Jahr verpasst werden könnte.